Sollte mein Sohn mit in den Kreißsaal, obwohl er eigentlich nicht will?

Meine im 8. Monat schwangere Schwiegertochter ist sehr enttäuscht von meinen Sohn. Er weigert sich, zur Entbindung mit in den Kreissaal zu kommen. Ihm wurde schon als Kind immer schlecht, wenn er Blut sah oder zum Arzt musste. Ich finde eigentlich, sie sollte ihn nicht moralisch unter Druck setzen.

Hilde Richter, Aschaffenburg

Das finde ich auch. Bei fast neunzig Prozent aller Geburten ist heute zwar der Vater anwesend. Und viele sagen, die Geburt ihres Kindes sei das bewegendste Ereignis ihres Lebens gewesen. Aber viele Männer sind in dieser Situation so nervös und hilflos, dass sie mehr nerven als helfen.

Das jedenfalls ist eine Erfahrung aus einem Brigitte-Forum. Zitiert wird da auch der französische Geburtsmediziner und Verfechter der „sanften Geburt“ Michel Odent. Er hat festgestellt: Geburten verlaufen komplizierter und enden häufiger mit einem Kaiserschnitt, wenn die werdenden Väter dabei sind. Odent vermutet, dass Frauen sich während der Geburt in einer Art Ausnahmezustand befinden, völlig auf den Körper konzentriert sind. Darin würden sie von ihren Männern gestört, die permanent den Wehenschreiber kontrollieren, das Geschehen filmen oder nach draußen rennen, um zu telefonieren. Sein Rat: Väter, ruht euch lieber ein letztes Mal aus!

Wenn also Ihr Sohn bei seiner Meinung bleibt, sollte er mit seiner Frau offen über seine Gründe sprechen. Sie können ihm mit Odents Argumenten ein wenig beistehen. Letzendlich aber ist es eine Angelegenheit, die nur die beiden Partner angeht.

Vielleicht noch soviel: Das „Kneifen“ vor dem Kreissaal lässt sich durch verstärkten väterlichen Einsatz im Wochenbett ganz gut wettmachen.

Uta Alexander