Was ist besser: Hilfe oder Distanz?

Meine Tochter erwartet ihr erstes Kind. Wie verhalte ich mich richtig, wenn sie dann mit dem Baby zuhause ist? Ich habe Angst, mich aufzudrängen, freue mich aber auch riesig auf das Enkelkind und möchte meiner Tochter gern beistehen. Brauchen junge Eltern Hilfe oder eher Distanz? Ich wüsste gern, wie andere Neu-Omas das gemacht haben.

Rita Werner, Potsdam

Liebe Rita,

in Internet-Foren geben frisch gebackene Eltern einander Tipps, wie man sich vor zudringlichen Besuchern schützt – bis hin zum kategorischen Rausschmiss. Machen Sie sich keine Illusionen – auch Großeltern können unter diese Kategorie fallen. Natürlich sollen sie das Neugeborene begrüßen, bewundern und feiern. Aber bitte kurz.

Mindestens sechs bis acht Wochen – so lange dauert das so genannte Wochenbett – steht eine junge Mutter unter dem starken Eindruck der Geburt. Sie kann erschöpft, ruhelos und reizbar sein. Beim ersten Kind ist sie auf jeden Fall unerfahren und manchmal ängstlich. Auch der Vater muss sich erst in seine neue Rolle finden.

Das Beste, was Sie jetzt für ihren Enkel tun können: Tragen Sie dazu bei, dass seine Mutter an Sicherheit und Kraft gewinnt. Sie ist für den Säugling die wichtigste Person. Achten Sie auf feine Signale. Tut es ihr gut, jemanden zum Reden zu haben? Sind Sie dafür der richtige Partner? Zieht sie sich lieber zurück, um allein ihr Gleichgewicht zu finden?

Zeigen Sie, dass Sie da sind, aber drängen Sie sich nicht auf. Lassen Sie der neuen Familie Zeit, ihre Beziehungen zu entwickeln. Belasten Sie sie nicht mit eigenen Ansprüchen und Wünschen. Keine Kontrollbesuche, kein Nörgeln, wenn der Kamm auf der Butter liegt. Halten Sie sich mit Ratschlägen zurück. Die sind ohnehin nur hilfreich, wenn darum gebeten wird.

Hoch willkommen dagegen kann praktische Hilfe sein. Ein Opa, der freudig mit dem Kinderwagen abschiebt, ist Superman für eine übermüdete Mutter. So findet sie tagsüber etwas Ruhe und Schlaf. Stellen Sie frisch gekochtes Essen auf den Tisch statt Blumen und hängen Sie mal eben die Wäsche auf.

Lassen Sie sich nur nicht dazu hinreißen, den kompletten Haushalt zu übernehmen, es sei denn, es gibt triftige Gründe dafür. Damit wären die Weichen falsch gestellt: Für dieses neue Leben sind Sie nicht verantwortlich. Sie können es nur eine Zeitlang begleiten.

Seien sie nicht gekränkt, wenn Tochter oder Schwiegertochter beweisen wollen, dass sie es allein schaffen und jegliche Einmischung ablehnen. Beobachten Sie, wie ihr eigenes Kind Mutter bzw. Vater oder wird, freuen Sie sich daran. Und warten Sie in Ruhe ab: Ihre Zeit kommt!

Uta Alexander