Karlheinz Hähle: Großvater im Ehrenamt

Dr. Karlheinz Hähle, 76, Pädagoge und Psychologe, arbeitet seit 15 Jahren ehrenamtlich im Verein Jahresringe e.V in Dresden. Er schaffte das Wunder, trotz hoch betagter Mitglieder gleich stark zu bleiben. Vielen hilft die Einbindung in den Verein, wenn sie im Alter allein sind. Sie sehen ihn als geistige Heimat und hilfreiches Netzwerk.

GrosselternReport: Wie kamen Sie zu den „Jahresringen“?

Karlheinz Hähle: Ich war früher beim Roten Kreuz. Als 1990 damit Schluss war, fiel mir zuhause die Decke auf den Kopf. Ich war damals erst 60 und dachte, wenn ich schon nicht mehr arbeiten kann, will ich wenigstens ehrenamtlich was tun.

GrosselternReport: Eigentlich war der Verein ja dafür angetreten, ältere Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen…

Karlheinz Hähle: Ja, aber diese Zielstellung ist aus unserem Programm verschwunden. Wer die Realitäten im Land und das Alter unserer Mitglieder sieht, kann das verstehen. Es wäre sowieso vergeblich.

GrosselternReport: Wie alt sind denn die Mitglieder?

Karlheinz Hähle: Oft schon über 80. Jüngere rücken nicht mehr so spontan nach, denn es gibt andere Angebote. Viele wollen mitmachen, aber keine Verantwortung übernehmen. Das ist ein Problem, denn schließlich leiten sich unsere 15 Interessengruppen nicht von selbst. Jemand muss sich regelmäßig und zuverlässig darum kümmern.

Trotz allem hält sich die Zahl der Mitglieder bei etwa 300. Das ist eine gute, überschaubare Größe für uns.

GrosselternReport: Wie verändert das höhere Durchschnittsalter den Verein?

Karlheinz Hähle: Er wird mehr und mehr zur Heimstatt der Mitglieder. Über hundert sind alleinstehend, meist Frauen. Neben dem Vereinsleben bilden sie ein Netzwerk, in dem man sich gegenseitig hilft, ganz praktisch bei Krankheit oder Urlaub, aber auch psychologisch.

GrosselternReport: Welche Interessengruppen sind am meisten gefragt?

Karlheinz Hähle: Eindeutig das Wandern. Jeden Mittwoch sind drei Gruppen unterwegs. In ganz Sachsen bekannt ist unser Chor, ursprünglich nur ein Projekt für Aussiedler. Er pflegt russisches, jüdisches, georgisches und deutsches Liedgut.

GrosselternReport: Auch auf der Wissenschaftsstrecke sind die Dresdner Jahresringe stark.

Karlheinz Hähle: Dafür haben ehemalige Professoren der Technischen Universität und der Pädagogischen Hochschule unter unseren Mitgliedern viel getan. Wir bauten die Seniorenakademie an der TU Dresden auf und veranstalten regelmäßig Kolloquien, die für alle Interessenten offen sind. Es kommen bis zu 150 Leute.

GrosselternReport: Seit zwölf Jahren arbeitet „Jahresringe“ mit derAltenakademie Dortmund zusammen.

Karlheinz Hähle: Anfangs sollte es nur ein Gedankenaustausch zur Deutschen Einheit sein und es ging manchmal ziemlich harsch zu. Jetzt herrscht Harmonie und wir reden über Europathemen.

GrosselternReport: Wie finanziert sich der Verein?

Karlheinz Hähle: Die Stadt Dresden gibt Geld für Sachmittel. Die ganze Arbeit wird ehrenamtlich gemacht, niemand bekommt auch nur einen „Pfennig“ dafür. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 1 Euro im Monat, dazu kommen 50 Cent für laufende Ausgaben und 4 Euro im Jahr für Versicherungen.

GrosselternReport: Haben Sie überhaupt noch ein Privatleben?

Karlheinz Hähle: Der Dienstag und der Freitag sind für den Verein reserviert: Infotreff und Vorstandsitzung. Ohne diese Termine würde in meinem Leben etwas fehlen. Sie geben Struktur.

Daneben betreue ich zwei Schriftenreihen zu wissenschaftlichen und kulturellen Fragen. Ich kann sagen: Ich habe viel bekommen durch den Verein, aber auch viel gegeben.

Meine Frau macht auch mit. Morgen kommt aber die jüngste unserer fünf Enkel zu uns, die gerade in die Schule gekommen ist. Da bleibt meine Frau natürlich zuhause.