Wie kann ich meiner Enkelin die Angst vor dem Krankenhaus nehmen?

Meine Enkelin kommt demnächst ins Krankenhaus, sie soll operiert werden. Welche Möglichkeiten gibt es, sie darauf vorzubereiten? Dazu ist noch zu sagen: Sie war mit ihren fünf Jahren häufig krank und ihre Erfahrungen mit Ärzten sind nicht die besten.

Gisela Schöne, Bischofswerda

Ein bevor stehender Krankenhausaufenthalt ist für ein Kind Besorgnis erregender als ein Arztbesuch. Es reicht auf keinen Fall, zu sagen: Da sind auch andere Kinder, du wirst bestimmt schnell wieder gesund und wir kommen dich jeden Tag besuchen.

Natürlich muss das gesagt werden, aber es reicht nicht aus. Das Kind will wissen, was im Krankenhaus mit ihm geschieht. Vor allem, wenn es mitbekommt, dass die ganze Familie wegen des heran nahenden Ereignisses in Aufregung ist. Ganz wichtig: Hören Sie genau auf seine Fragen, um nicht mit ihren Erklärungen an dem vorbei zu reden, was dem Kind Angst macht.

Kinder fürchten im Krankenhaus nicht so sehr Schmerzen, sondern vor allem die fremde Umgebung. Das ist eine Erfahrung von Dietrich Michalk, Leiter der Kinderklinik des Kölner Universitäts-Krankenhauses. Der Arzt ist zugleich Schirmherr der„Teddyklinik“ an der Universitätsklinik Köln.

Hierher kommen Kinder mit ihren „kranken“ Kuscheltieren in Begleitung der Eltern oder der Kindergartengruppe, einige sind gerade einmal drei Jahre alt.

Spielerisch erleben sie die Aufnahme des Teddys oder der Puppe ins Krankenhaus und Diagnose- und Therapieabläufe. Zum Beispiel „Röntgenaufnahmen“ unter einer starken Lampe, das Schienen einer gebrochenen Pfote oder eine OP mit „Narkose“, Schere, Nadel, Faden und Verband.

Solche Rollenspiele helfen, Ängste auf die Kuscheltiere zu übertragen und sie los zu werden. Die Besitzer, also die Kinder selbst, übernehmen dabei in die Rolle des Helfers und Trösters.

Ähnliche Spiele können Großeltern mit Enkeln oder Eltern mit ihren Kindern auch machen – es sei denn, sie waren selbst noch nie im Krankenhaus und haben keine Vorstellung davon. Zu beachten ist nur, dass das Spiel mit dem „kranken“ Teddy und die Krankengeschichte des Kindes nicht vermischt werden sollen. Es geht um einen Perspektivwechsel, bei dem die Kinder in die Rolle des Behandlers oder seines Assistenten schlüpfen. Der würde sonst nicht funktionieren.

Die echten Teddyärzte habe es natürlich leichter, denn sie tragen richtige Arztsachen und bei „OPs“ sogar die grüne Chirurgenkleidung mit Haube, Mundschutz und Gummihandschuhen. Es geht aber auch mit spielerischem Ersatz. Im Ernstfall fühlen sich so vorbereitete Kinder dann selbst im Krankenhaus sicherer, wie Erfahrungswerte zeigen.

Einige Grundsätze sind auf jeden Fall zu beachten, wenn man mit Kindern über Krankheit und Krankenhaus spricht. Kinderarzt Michalk rät dringend, Kinder nicht anzulügen und etwa zu sagen es tut nicht weh, wenn das nicht stimmt.

Kinder dürfen niemals für dumm verkauft werden. Wenn etwa an der Teddyklinik ein Kind sagt, sein Teddy habe Krebs, wird es dort nicht hören: „Das kriegen wir ganz schnell wieder hin!“ Gesagt wird, was der Arzt tut, damit es Teddy besser geht.

Wichtig ist es, Kindern nichts aufzuzwingen, was sie nicht wissen wollen. Alle Fragen sollten konkret beantwortet werden nach dem Grundsatz: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Zum Beispiel kann man Bilder von einem OP zeigen. Den Verlauf einer OP zu schildern (der Bauch wird aufgeschnitten!“), sollte dem Kind besser erspart bleiben.

Oft wollen Angehörige Kinder vor unangenehmem Wissen schützen, etwa mit dem Hinweis: „Das verstehst du noch nicht.“ Diese Taktik kann große Ängste auslösen. Denn sie führt dazu, dass sich Kinder eigene Szenarien ausmalen, die je nach Vorwissen schlimmer ausfallen können als die Wirklichkeit.

(Eine Reportage über die Teddyklinik Köln ist nachzulesen in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 2.Juli 2006, Seite 69, Autorin: Sandra Roth)