Angela Schaum, 52, Großmutter und Tagesmutter

Vor vier Jahren entschloss sich Angelika Schaum, Tagesmutter zu werden. Was anfangs eine Notlösung war, weil sich für ihre Enkelin keine Kita-Stelle fand, ist schnell ein Fulltimejob für die gelernte Krankenpflegerin geworden. Heute besuchen täglich vier kleine Gäste das Haus der Familie Schaum, die „Villa Schaummäuse“ im brandenburgischen Wustermark. Und Mimmi, wie ihre Schützlinge sie nennen, möchte ihren neuen Beruf nicht mehr missen.

GrosselternReport sprach mit ihr:

GrosselternReport: Sie waren 48 als Sie neu durchstarteten. Fiel es schwer, sich auf Kleinkinder zwischen Null und Drei einzustellen?

Angelika Schaum: Ich bin Mutter von fünf Kindern. Da weiß man, wo es langgeht. Das kommt ganz schnell wieder. Außerdem habe ich ja eine Ausbildung absolviert. 24 Stunden Vorbereitungskurs plus 104 Stunden Basiskurs. Da wurden im Schnelldurchlauf die wichtigsten Dinge behandelt, Pädagogik, gesetzliche Grundlagen und so weiter. Dazu gab es zwei 8 Stunden-Kurse in Erster Hilfe für Säuglinge und Kleinkinder. Damit ist man einigermaßen gewappnet. Die richtigen Fragen kommen dann erst im Alltag.

GrosselternReport: Welche denn?

Angelika Schaum: Zum Beispiel, wie man mit trotzigen Kindern umgeht. Oder wie man Kinder der Altersgruppe zwischen 0 und 2 beschäftigen kann. Dafür sind bei Tagesmüttern immer Ideen gefragt. Dazu hätten wir uns intensivere Schulungen gewünscht. Das Jugendamt bietet zwar ab und zu Kurse zur Weiterbildung an, aber meist kümmern wir uns selbst, fragen in Vereinen und bei Kolleginnen nach.

GrosselternReport: Ohne diese Ausbildung darf man nicht als Tagesmutter arbeiten?

Angelika Schaum: Nein, Tagesmütter benötigen eine Pflegeerlaubnis. Ohne die dürfen sie gar nicht anfangen. Bevor sie in die Liste vom Jugendamt aufgenommen werden, prüft es außerdem, ob die Wohnung kindersicher ist, also ob alle Steckdosen abgesichert sind, es keine scharfen Kanten gibt, die Pflegemittel gut verstaut sind. Das sind aber eigentlich alles Dinge, die man für seine eigenen Kinder und Enkel auch tun würde.

GrosselternReport: Wie gefragt sind Tagesmütter jenseits der 50?

Angelika Schaum: Ich bin Vorsitzende des Vereins Kinderbetreuung Havelland und beobachte, dass sich immer mehr ältere Frauen für den Job als Tagesmutter interessieren. Meist, weil sie arbeitslos geworden sind und noch etwas Sinnvolles machen möchten. Die jungen Eltern finden das gut. Sie suchen oft erfahrene Betreuerinnen für ihre Kinder. Allerdings muss die Chemie stimmen. Man muss die pädagogischen Ziele abstimmen. Wenn es da gravierende Unterschiede gibt, geht es nicht.

GrosselternReport: Wo liegen denn Differenzen?

Angelika Schaum: Meist in der Erziehung zur Sauberkeit. Es gibt Eltern, die wollen, dass ihr Kind schon mit einem Jahr ohne Windeln auskommt. Sie müssen aber wissen, dass das nicht funktionieren kann. Etwa im Alter von eindreiviertel Jahren verknüpften sich beim Kleinkind die Gehirnhälften. Erst dann kann es spüren, dass es auf die Toilette muss und entsprechend reagieren. Also hat die Erziehung zur Sauberkeit erst ab zwei Jahren überhaupt einen Sinn. Es ist ganz normal, wenn Kinder mit drei Jahren noch Windeln tragen. Da nützen auch die Argumente nichts, dass die eigenen Mütter ihre Kinder schon früh auf den Topf gesetzt haben.

GrosselternReport: Kann man von der Arbeit als Tagesmutter leben?

Angelika Schaum: Besser ist es, wenn man zusätzlich eine zweite Einkommensquelle hat, zum Beispiel vom Partner oder aus einer Rente. Auch Hartz-IV-Empfänger können als Tageseltern arbeiten, allerdings wird der Verdienst mit dem Arbeitslosengeld 2 verrechnet. Um einigermaßen über die Runden zu kommen, braucht man schon fünf Pflegekinder. Sind es nur ein oder zwei, reicht es nicht zum Leben. Trotzdem kann ich den Job jedem empfehlen, der Zeit hat und Kinder mag. Es macht Spaß, man bekommt viel Liebe und bleibt jung.