Japan: Vormundrolle der Großeltern abgeschafft

Bis nach dem zweiten Weltkrieg war in Japan die patriarchalische Großfamilie gesetzlich sanktioniert. Inzwischen hat sich die Familie mit fünf Personen als Modell etabliert. Dazu gehören außer dem Elternpaar die Kinder, die Großeltern oder auch andere Verwandte. Kleinfamilien mit einem Kind und Einpersonenhaushalte sind statistisch gesehen im Kommen, aber doch vergleichsweise selten.

Noch immer wird kaum eine Ehe ohne die Zustimmung der beiderseitigen Eltern geschlossen, denn die Schwiegertochter oder der Schwiegersohn und vor allem die zu erwartenden Enkelkinder werden dadurch in eine der wichtigsten Gruppen ihres Lebens, die Familie, aufgenommen.

Die im Haushalt lebenden Großeltern sind mit dem Elternpaar gleichberechtigt und besitzen nicht mehr wie in einst in den Großfamilien die Vormundschaft.

1955 lebten 86 Prozent aller Menschen über 65 bei ihren Kindern, 1990 waren es immerhin noch 60 Prozent. Die Familie bildet für sie weiterhin einen wichtigen sozialen und materiellen Rückhalt, der fehlende staatliche Fürsorge abfedern hilft.

Nach einer Rentenreform vom Oktober 2001 gilt das staatliche Grundrentensystem für seine 70 Millionen Beitragzahler für die langfristige Zukunft als gesichert. Kern war die Ausweitung der Beitragsbemessung auf Bonuszahlungen (20 Prozent der Einkommen) und die Erhöhung des Rentenalters von 60 auf 65. Demnach werden im Jahr 2025 Rentenbeiträge in der Höhe von 19 Prozent der Arbeitseinkommen fällig, während die Rentenauszahlungen pro Kopf um 20 Prozent sinken werden.

Offen bleibt dennoch, wie gut es den Alten wirklich geht, da die staatliche Grundrente in Japan nur 40 Prozent des Einkommens der Menschen über 60 abdeckt.

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, zeit.de