Ostdeutschland: Angst vor Altersarmut der Generation 50Plus

„Erwerbsarbeit und Alter“ ist ein zentrales Thema des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität (VS), der im Juni 2006 ein Sozialforum 50plus veranstaltete.

Weitgehend einig waren sich insbesondere die älteren Teilnehmer darin, dass sie nicht „die Verlierer der deutschen Einheit“ sind. Denn aufgrund langer und geschlossener Arbeitsbiografien, können Männer und Frauen in den neuen Bundesländern ihr Alter über die gesetzliche Rente sichern.

Groß ist allerdings die Sorge um ihre Kinder, die inzwischen um die 50 Jahre alt und oft lange vor Erreichen des Rentenalters Arbeitslosengeld-Empfänger oder Ein-Euro-Jobber sind. „In dieser Situation kann man für die eigene Altersvorsorge nichts tun“, hieß es einhellig.

„Es reicht nicht aus, gebetsmühlenartig auf die gewachsenen Potenziale älterer Menschen in unserer Zeit hinzuweisen“, sagt VS-Präsident Prof. Dr. Gunnar Winkler. Das Problem bestehe nicht darin, dass Menschen ab 50 nicht mehr arbeiten wollten, was in der Öffentlichkeit häufig unterstellt werde. Sondern darin, dass es aufgrund der Arbeitsmarktlage kaum noch möglich ist. Bundesweit fehlten rund zwei Millionen Arbeitsplätze für Menschen der Vorrentnergeneration.

Dabei sei die Situation der 50- bis unter 65-Jährigen in den neuen Bundesländern besonders prekär, wie aus dem von der VS beim Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. in Auftrag gegebenen Sozialreport 2005 hervorgeht.

Von ihnen stehen nur noch 41 Prozent im Erwerbsleben, obwohl eine überwiegende Mehrheit durchaus gern bis zum 65. Lebensjahr arbeiten würde. Und sei es nur, weil sie neben der Rente im Alter kaum Einnahmen aus Geldanlagen zu erwarten haben und auch kaum nennenswerte Ersparnisse existieren.

In diesem Zusammenhang vertritt Winkler die These von „zwei deutschen Altern“: Danach sehen sich die „neuen“ Alten im Osten anders als die im Westen Deutschlands, die sich selbst in ihrer großen Mehrheit als Mittelschicht betrachten: „Im Osten ordnen sich nur 37 Prozent der Mittelschicht zu“, konstatiert Winkler. „51 Prozent verstehen sich als Unter- bzw. Arbeiterschicht, bei der Erwerbstätigkeit auf der Werteskala traditionell eine hohe Priorität hat.“ Natürlich wachse sich das aus, sagt Gunnar Winkler, „aber nicht mehr in einer von uns absehbaren Zeit von zehn fünfzehn Jahren.“

Bundesweit gehen immer mehr ältere Bürger vorzeitig in Rente und nehmen dabei bis zu 10 Prozent Abschläge von ihrer Altersrente in Kauf. „Ein Alterseinkommensverzicht von bis zu 25 000 Euro“, rechnet Winkler, der diesen Schritt als Reaktion auf tiefe soziale Verunsicherung und ein Gefühl der Chancenlosigkeit und nicht als mangelnde Motivation tätig zu sein. Er warnt vor der Langzeitwirkung. Das Armutspotenzial der 50- bis 65-Jährigen in den neuen Ländern liege bereits heute bei knapp 30 Prozent. 1,7 Millionen Kinder in Deutschland lebten in einkommensschwachen Haushalten.