„Crictor, die gute Schlange“

Nur 30 Seiten dünn ist das Kinderbuch des Zeichners Tomi Ungerer. Wir haben es aus dem Keller geholt, um unserem neuseeländischen Gastschüler Joseph (18) die deutsche Sprache nahe zu bringen. Bilderbücher eignen sich dazu übrigens ausgesprochen gut.

Bei „Crictor“ stehen auf jeder Seite unter großen Zeichnungen nur wenige Zeilen Text. Und der macht einfach Spaß.

Crictor ist eine grasgrüne Boa Constrictor. Eine alte Dame bekam sie als Geburtstagsgeschenk von ihrem Sohn per Post geschickt. Nach kurzem Schock nimmt sie sich ihrer liebevoll an. Strickt ihr einen Wollpullover für kalte Tage und beschafft ihr das längste und schmalste Bett, das man jemals gesehen hat.

Schließlich begibt sich die dankbare Schlange in die Schule, wo sie ungeahnte Talente zeigt. Zum Beispiel kann sie sich sehr elegant zu Buchstaben und Zahlen verformen.

Joseph, der außer „Wie heißt Du?“ und „Wie alt bist Du?“ kaum deutsch sprach, feierte mit auswendig gelernten Sätzen aus dem Kinderbuch grandiose Erfolge in der Berliner Partyszene. Besonders bewährte sich der Satz „Wohlversorgt und wohlernährt wurde Crictor länger und länger, stärker uns stärker“. Das ermutigte unseren neuseeländischen Gast, nach demselben Muster eigene Sätze zu bauen. Die eigentlich komplizierte Konstruktion stellte erstaunlicherweise keine Hürde dar.

Lesenlernen ist einfach, wenn man mit einer guten Geschichte belohnt wird. Crictor fängt irgendwann sogar einen Einbrecher. Mit seinen detailreichen Bildern macht das Buch aber auch Kindern im Vorschulalter viel Vergnügen.

Tomi Ungerer, „Crictor, die gute Schlange„, Diogenes Verlag, ISBN 3-257-00501-6