Erste-Hilfe-Kurse, speziell für Senioren

Mirjam Beile, 34, arbeitet seit zehn Jahren als Rettungssanitäterin. Vor zwei Jahren gründete sie mit sechs medizinisch ausgebildeten Dozenten ein Erste-Hilfe-Ausbildungszentrum im Raum Freiburg. Bundesweit weitgehend ohne Vorbild sind Erste-Hilfe-Kurse speziell für Senioren, die sie seit Mai 2006 anbietet.

GrosselternReport sprach mit Mirjam Beile:

„Das Schlimmste ist die Angst, etwas falsch zu machen“

GrosselternReport: Senioren könnten doch eigentlich auch ganz normale Erste-Hilfe-Kurse besuchen…

Mirjam Beile: Ja, natürlich. Aber wir haben unsere Senioren-Kurse speziell auf Situationen zugeschnitten, mit denen ältere Menschen im Alltag am häufigsten konfrontiert sind. Ich möchte ihnen die Sicherheit geben, dann das Richtige zu tun. Das ist für sie viel interessanter. Auf die Idee brachte mich die Tochter meiner Schwester. Sie arbeitet in einem Altenheim.

GrosselternReport: Welche Situationen sind das?

Mirjam Beile: Häufig kommt es zu Stürzen. Gar nicht selten sind auch Verbrennungen. Sowohl in der Küche oder im Badezimmer durch heißes Wasser, Suppe, Kaffee oder Tee, als auch draußen an der Sonne. Die Haut wird im Alter ja sehr viel empfindlicher… Und dann natürlich Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Stillstand oder Unterzuckerung.

GrosselternReport: Was wird denn am häufigsten falsch gemacht?

Mirjam Beile: Gerade die Angst vor dem Falschmachen möchte ich den Menschen ja nehmen. Am schlimmsten ist es nämlich, in einer Notfallsituation wie erstarrt dazustehen und gar nichts zu tun. Oder in Panik zu verfallen… Meine eigene Oma kannte nicht einmal die Notrufnummer. Und ganz schlimm ist das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man nicht weiß, was man machen kann. Älteren fehlen oft die Grundkenntnisse in Erster Hilfe, die heute jeder Autofahrer hat.

GrosselternReport: Dafür haben sie aber vielleicht althergebrachte Hausmittel parat…

Mirjam Beile: Ja, zum Beispiel hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass man auf Brandwunden Mehl schütten soll. Diesen Irrtum muss man unbedingt aus der Welt schaffen, darauf lege ich großen Wert. Oder die berühmte Milch, die man angeblich bei Vergiftung trinken soll. Auch ganz falsch! Wenn schon, dann gibt man Wasser, Tee, Kohle oder Entschäumer, je nach Giftart und Dosis. Verbrennungen kühlt man heute nicht mehr mit Eis, sondern nur noch kühl oder lauwarm.

GrosselternReport: Gibt es eine Art allgemeingültiges Handlungsschema, das man sich für den Notfall einprägen kann?

Mirjam Beile: Im Prinzip: Ruhe bewahren, herausfinden, was eigentlich passiert ist. Bei Bewusstlosigkeit Atmung kontrollieren. Falls Atmung vorhanden ist, ist die stabile Seitenlage angebracht. Bei Atemstillstand: Herzdruckmassage und Beatmung.

Das A und O: Notruf alarmieren, kompetente Hilfe holen. Wissen,was man am Telefon zu sagen hat: Welcher Notfall ist eingetreten. Bei wem? Wann? Wo?

Bei Stürzen: Erst einmal die Verletzungen abchecken, bevor man den Gestürzten wieder auf die Beine stellen will. Schließlich kann die Wirbelsäule betroffen sein. All diese Sachen und vieles mehr gehen wir mit den Teilnehmern durch.

GrosselternReport: Wie war denn das Echo auf Ihr Erste-Hilfe-Angebot für Senioren?

Mirjam Beile: Ich habe mich gefreut: Das Angebot ist ja ganz neu, aber wir hatten ziemlich schnell die ersten acht Anmeldungen, davon sechs Frauen. Typisch, die Männer halten sich erst einmal zurück… Ich bin selbst gespannt, wie es laufen wird, ob es sich herumspricht.

GrosselternReport: Wie lange geht ein Kurs und was kostet er?

Mirjam Beile: Wir bieten zunächst vier Stunden an. Die kosten 22,50 Euro. Vielleicht wollen die Teilnehmer mehr wissen und den Kurs verlängern. Also, wir sind flexibel und für alles offen.

Ganz neu ist die Arbeit mit Älteren für uns übrigens nicht. In unseren Kursen „Erste-Hilfe-für Kinder“ sind sie stark vertreten, weil sie oft die Enkel hüten und gewappnet sein wollen, wenn ein Unfall passiert.