Familienpolitik anders – Erfahrungen aus Großbritannien, Frankreich und Dänemark

Die Geburtenrate von heute 1,36 Kindern pro Frau in Deutschland lässt befürchten, dass die Deutschen irgendwann aussterben. Briten, Franzosen und Dänen hatten dasselbe Problem. Sie gingen es offensiv an. Gute Betreuungsangebote für Kinder und Geldspritzen für die Eltern bewirken, dass dort die Lust auf Nachwuchs steigt.

Zahlen und Fakten zur Familienpoltik in Großbritannien, Frankreich und Dänemark:

Großbritannien

Ein Mix aus direkten Zahlungen an die Eltern und Versorgungsangeboten hat die Geburtenrate auf 1,74 Kinder pro Frau (Deutschland: 1,36) ansteigen lassen. Verheiratete und Unverheiratete können als Eltern 7300 € jährlich von ihrem Einkommen abziehen, ehe sie Steuern zahlen. Für das erste Kind gibt es 25 €, für das zweite 17 € Kindergeld pro Woche. Zur Geburt eines Kindes schenkt der Staat 360 €. Ist es sieben Jahre alt, gibt es noch mal 360 € geschenkt. Bis 2010 soll jedes Kind mindestens zweieinhalb Tage pro Woche kostenlos eine Kinderkrippe besuchen dürfen.

Frankreich

Mit 1,95 Geburten pro Frau hält Frankreich den Europarekord. Familien und Kinder gelten als öffentliche Aufgabe. 99 Prozent aller Kinder ab drei Jahre besuchen ganztägig die Vorschule. 600 000 Erzieherinnen arbeiten als Tagesmütter, die bei sich zuhause Kleinkrippen für drei bis vier Kinder aus der Nachbarschaft betreiben oder in die Haushalte kinderreicher Familien kommen. Einkommensschwache erhalten Zuschüsse für das Gehalt und die Sozialversicherung der Kinderfrauen. Niemand muss mehr als zehn Prozent seines Einkommens für seine Kinder aufbringen. Familien mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 4120 € erhalten eine Geburtenprämie von 800 € pro Kind und drei Jahre lang bis zu 160 € Kindergeld im Monat.

Dänemark

1,8 Kinder pro Frau werden in Dänemark geboren. Es gibt ein Anrecht auf 32 Wochen Elternurlaub. In dieser Zeit bezahlt der Staat bis zu 450 € pro Woche. In Kopenhagen haben 57 Prozent der Kleinkinder einen Krippenplatz. 96 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen gehen in den Kindergarten. Bis zum zweiten Lebensjahr gibt es 460 € Kindergeld pro Quartal, dann schrittweise bis zu 326 € bis zum 18. Lebensjahr. Sind die jungen Leute danach in der Ausbildung gibt es, abhängig vom Einkommen der Eltern ein kleines Studentengehalt. Ab dem 20. Lebensjahr zahlt der Staat allen jungen Leuten, die nicht mehr bei den Eltern leben, ein Grundgehalt von 635 € im Monat.

(Quelle: DIE ZEIT Nr. 19, 4.Mai 2006)