Ulrike A., 62: Neuanfang nach vier Jahren Enkelverbot

Nach dem Tod der Schwiegertochter verlor ein Großelternpaar den Kontakt zu seinen drei Enkeln. Nach fast vier Jahren bahnt sich jetzt ein Neuanfang an.

GrosselternReport sprach mit Ulrike A.:

GrosselternReport: Warum war gerade in der schweren Zeit für Ihren Sohn und seine Kinder Ihre Hilfe unerwünscht?

Ulrike A.: Wir waren mit unserer Schwiegertochter innig verbunden und haben sehr um sie getrauert. Unser Sohn verschloss sich, er sprach mit niemandem über seine Gefühle, schon gar nicht mit uns. Als er dann eine neue Partnerin fand – für unser Empfinden sehr schnell – signalisierten beide deutlich: Wir sollen uns aus dieser Beziehung heraushalten. Auch unser jüngerer Sohn kam nicht mehr an seinen Bruder heran. Dabei hing er besonders an den Kindern.

GrosselternReport: Wie empfanden Sie die Zurückweisung?

Ulrike A.: Es war sehr schlimm. Es verging eigentlich kein Tag, an dem wir nicht an die Kinder dachten. Eines der Mädchen hatte ich faktisch großgezogen. Ich bin über 60 und gesundheitlich geht es mir nicht so gut. Der Bruch mit dem Sohn war eine schwere Belastung. Ich dachte, ich gehe daran kaputt.

GrosselternReport: Hatten Sie die Hoffnung aufgegeben, dass die Familie irgendwann wieder zusammenkommt?

Ulrike A.: Ja, beinahe. Dann erfuhr ich von der Großelterninitiative

GrosselternReport: Gab es dort Rat?

Ulrike A.: Vor allem die Ermutigung, es immer wieder zu versuchen. Mal einen Brief zu schreiben, anzurufen … also sich nicht völlig zurück zu ziehen. Einige Großeltern hatten gute Erfahrung damit gemacht, wichtige Familienereignissen als Anlass für Annäherungsversuche zu nehmen. Das taten wir: Als unser jüngster Sohn sein erstes Kind bekam, bat er die Tochter seines Bruders darum, Taufpatin zu werden.

GrosselternReport: Dann kam ein Ja…

Ulrike A.: Unsere Enkelin, die nun schon 17 ist, freute sich sehr über die Bitte. Sie hat sich vermutlich durchgesetzt und ist jetzt Patin ihres Neffen. Ich glaube, sie wollte uns schon damals, als ihre Mutter starb, nicht auch noch verlieren. Aber sie hatte keine Chance. Ein Kind muss sich dort einrichten, wo es lebt.

GrosselternReport: Zur Taufe kam die Familie erstmals wieder zusammen. Sind jetzt alle Missverständnisse ausgeräumt?

Ulrike A.: Nein, es ist ein zartes Pflänzchen. Wir wollen sehr behutsam sein.

GrosselternReport: Wissen Sie heute, warum es zu dem Bruch kam? Haben Sie Fehler gemacht?

Ulrike A.: Wenn ich es wüsste, wäre mir sehr geholfen. Niemand wagt bisher, den wunden Punkt anzusprechen. Streit gab es nie. Vielleicht haben wir die neue Schwiegertochter nicht genug angenommen, weil wir es damals gefühlsmäßig nicht konnten. Vielleicht werden wir irgendwann sagen können, dass wir uns gegenseitig ja nicht lieben müssen, aber wenigstens respektieren …Bis dahin sitzt uns weiter die Angst im Nacken.

(Name von der Redaktion geändert)