Oma Colorado: Das erste Mal

Auf den Tag genau so alt wie unser Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport wird die beiden begleiten und – in längeren Abständen – darüber berichten, was in einem Oma-Leben so alles vorkommt.

Christine Schmitt-Schablitzki ist 69, geschieden, und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname „Colorado“ bekannt ist.

Fragen an Christine Schmitt-Schablitzki:

GrosselternReport: Wie war es, als Sie Ihre Enkelin zum ersten Mal sahen?

Christine Schmitt-Schablitzki: Am Tag der Geburt kam nur eine kurze Mail von meinem Sohn: Marina Kristin, 1.47 Uhr, 3 Kilo. Die behalte ich auf meinem Handy. Alle waren erschöpft, es war eine schwierige Geburt. Ich wollte, dass sich alle erst einmal ausruhen, ehe ich die junge Familie besuche. Ich sah das Baby erst als es drei, vier Tage alt war. Es war sehr, sehr klein, hatte rote Flecke und schlief. Ich guckte nur mal drauf…und sah, es hat die gleichen Grübchen wie sein Vater. Beim nächsten Mal hatte Marina dann die Augen offen und ich hielt sie kurz im Arm.

GrosselternReport: Gab es so etwas wie einen besonderen Moment?

Christine Schmitt-Schablitzki: Am tiefsten hat mich berührt, wie zärtlich und liebevoll mein Sohn mit dem Kind umging. Für dieses Gefühl finde ich keine Worte…“Erschütterung“ trifft es wohl am besten… Und noch etwas: Als meine Schwiegertochter aus ihrer Benommenheit aufwachte, sah sie ihr Kind nicht abseits in einem Körbchen, sondern in den Armen des Vaters. Sie sagte mir, das habe ihr sehr gut getan. Ich freute mich, dass sie das sagte.

GrosselternReport: Wie geht es weiter, wenn die erste Rührung nachlässt?

Christine Schmitt-Schablitzki: Die Mutter meiner Schwiegertochter wird wohl demnächst helfen. Mir ist das Baby jetzt noch zu klein. Ich kann mir nicht vorstellen, dieses kleine Ärmchen in einen Ärmel zu stopfen. Man hat Angst, es falsch anzufassen und etwas kaputt zu machen. Für meinen Sohn und meine Schwiegertochter ist jetzt alles neu und anders und ich denke, die beiden müssen ihre innere Ruhe erst finden. Sie haben noch keinen Zeitplan, in den man sich einordnen könnte. Später werden sie sicher sagen: Komm, und mach mal…. Jetzt bin ich erst einmal nach London gefahren.

GrosselternReport: …und habe was fürs Baby eingekauft?

Christine Schmitt-Schablitzki: Nein. Ich habe das anders gelöst. Ich habe vorher Geld überwiesen für Dinge, die zu Beginn benötigt werden. Meine Schwiegertochter hat ihren eigenen Geschmack, der mir gefällt, den ich aber vielleicht nicht treffe. Mit Geld konnte ich nichts falsch machen. Meine Cousine hat kleine bunte Strümpfchen gestrickt. Das kam gut an.

GrosselternReport: Ist die Erinnerung an die eigene Zeit als junge Mutter wach geworden?

Christine Schmitt-Schablitzki: Oh Gott! Als mein Sohn zur Welt kam, bat meine Schwiegermutter meinen Mann wenig später, ihr beim Kirschenpflücken zu helfen. Er fiel von der Leiter und lag vier Monate mit angeknackster Wirbelsäule im Krankenhaus.

Ich lebte in einem neu gebauten Haus mit nichts drumherum, ohne Auto…Glücklicherweise war meine Mutter bei mir. Sie nahm das Kind, ich ging nach 14 Tagen wieder arbeiten.

GrosselternReport: Das ist jetzt 39 Jahre her. Wie fällt der Vergleich zu heute aus?

Christine Schmitz-Schablitzki: Vor allem das Verhältnis der Männer zu Kindern ist viel besser. Mein Sohn hat nicht nur die Nabelschnur seiner Tochter durchschnitten, er kann wickeln, baden, Wäsche machen… Mein Ex-Mann hätte wohl auch dann nichts angefasst, wenn er nicht von der Leiter gefallen wäre.

Es ist in vieler Hinsicht eine neue Zeit. Meine Schwiegertochter hat einen interessanten Beruf, sie will nach einem Vierteljahr wieder zwei Tage pro Woche arbeiten gehen…

GrosselternReport: Wie sehen Sie ihre Rolle?

Christine Schmitz-Schablitzki: Ich bin vielleicht nicht die typische Oma, ich drängle nicht…Leute gratulierten mir und ich musste mich im ersten Moment fragen, warum? In meinem Freundeskreis haben die meisten schon größere Enkel.

Ich sehe die Sache mit etwas Abstand. Natürlich ist das Kind ein kleines Wunder mit seinen winzigen perfekten Händchen… Aber eine Beziehung haben wir noch nicht.

GrosselternReport: Haben Sie schon etwas Omatypisches gemacht?

Christine Schmitt-Schablitzki: Erst einmal habe ich im Computer einen Ordner „Marina Kristin“ angelegt. Da sind jetzt schon Fotos drin, die ich mit meiner Digitalkamera aufgenommen habe. Neulich traf ich im Schwimmbad eine junge Mutter mit Baby. Ich erkundigte mich, wie alt es ist (drei Monate!) und wir sprachen über Babyschwimmen. Früher hätte ich das vielleicht nicht gemacht. Verändern wird mich der Oma-Status also wohl doch.

GrosselternReport: Letzte Frage für heute: Warum nennen Sie sich Colorado?

Christine Schmitt-Schablitzki: Als ich vor vier Jahren einen Nickname brauchte, fiel mir das spontan ein. Ich war mehrmals in Nordamerika. Bei Vollmond am Grand Canyon zu stehen und tief unten das Silberband des Colorado zu sehen, das war ein unvergesslicher Eindruck. Diese Weite, diese Stille… unglaublich. Auch das Farbspiel bei Sonnenuntergang ist einfach überwältigend. Colorado… Wer kann, sollte ihn kennen lernen.