Mein Enkel findet Alte belastend

Mein Enkel bewirbt sich gerade um einen Zivildienstplatz. Am liebsten will er ins Ausland und auf gar keinen Fall als Helfer in irgendein Altenheim in Deutschland. Er sagt, das sei seelisch belastend, das halte er nicht aus. Ich denke mal, er ekelt sich. Einerseits verstehe ich ihn. Andererseits fühle ich mich betroffen. Schließlich werde ich auch älter. Wird er sich dann abwenden, weil ihn Gebrechlichkeit frustriert?

Gerhard Z.

Ich verstehe Ihre Gefühle sehr gut. Dahinter steht die Sorge, einmal selbst auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Insbesondere aktiven, selbstständigen Menschen fällt diese Vorstellung schwer.

Legen Sie die Worte ihres Enkels nicht auf die Goldwaage. Prüfen Sie sich selbst. Der Gedanke, den Lebensabend in einem Altenheim zu verbringen, ist vielleicht für Sie auch erschreckend. Es ist nicht jedermanns Sache, von alten Menschen umgeben zu sein. Selbst professionelle Kranken- und Altenpfleger stoßen mitunter an ihre Grenzen.

In meinem Bekanntenkreis gab es einen ähnlichen Fall. Der junge Mann wollte ebenfalls nicht pflegerisch tätig sein. Das hieß aber nicht, dass er alte Leute grundsätzlich nicht mag. Jetzt freut er sich darauf, während seines Zivildienstes in einem Altenheim Computerkurse zu geben.

Beispiele zeigen übrigens, dass die Enkelgeneration mit der Pflegebedürftigkeit der Großeltern viel pragmatischer und zupackender umgeht als ihre Eltern. Diese werden oft mit dem Rollenwechsel schwer fertig und sind zutiefst befangen.

Im Zivildienst wird ihr Enkel einiges lernen und an menschlicher Reife gewinnen. Gerade bei den Jobs im Ausland handelt es sich oft um Tätigkeiten, die den Umgang mit Alten oder Behinderten zum Inhalt haben. Die Tatsache, dass es in einem fremden Land spielt, verleiht der Situation allerdings einen Hauch Abenteuer.

Freuen Sie sich, wenn Ihr Enkel die Herausforderung annimmt und besteht.

Sie selbst sollten ihre Zukunftsängste nicht zum Tabu machen, sie aber auch nicht die Gegenwart überschatten lassen. Kein Selbstmitleid, keine endlosen Grübeleien. Trainieren Sie ihren Körper. Pflegen Sie sich. Freuen Sie sich über alles, was Sie noch leisten und erleben können. Damit tun Sie sich selbst etwas Gutes und auch ihrem Enkel: Sie nehmen ihm die Angst vor dem Alter.

Uta Alexander