Nur mäklig oder schon heikel?

Kinder mäkeln ja gern am Essen herum. Sie wollen keinen Käse, verabscheuen Fisch, lassen den Salat links liegen. Das ist normal, wenn es sich nur um ein paar Dinge handelt, die sie einfach nicht mögen.

Anders ist das bei den sogenannten heiklen Kindern. Dänische Wissenschaftler benutzen diesen Begriff für Kinder, die nur wenige Lebensmittel akzeptieren, aber viele gar nicht mögen.

Jedes dritte Kind im ersten Schuljahr muss heute als „heikel“ bezeichnet werden, fanden die Wissenschaftler in einer Untersuchung heraus.

Dieses allzu wählerische Essverhalten kann auch eine Ursache dafür sein, dass 10 bis 20 Prozent aller deutschen Schulkinder übergewichtig sind. Denn oft werden heikle Lebensmittel durch andere, meist ungesündere ersetzt. Statt der verhassten Gemüsesuppe gibt es Würstchen, Pudding, Pommes oder Fruchtjoghurt.

Eltern bemerken oft erst, dass ihre Kinder besonders mäklig sind, wenn diese in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Doch nach Untersuchungen der dänischen Kinderärztin Dr. Vibeke Manniche, die sich für den Informationsdienst des dänischen Gesundheitswesens mit dem Problem beschäftigte, entsteht Heikelkeit wesentlich früher. Sie siedelt den Zeitpunkt etwa im Alter von einem Jahr an, wenn die Kinder nicht mehr nur Babykost bekommen, sondern langsam an die Nahrung der Erwachsenen herangeführt werden. Besonders im zweiten Lebensjahr können und sollten Eltern also vorbeugen. Wenn Kinder in dieser Zeit viele verschiedene Gerichte und Geschmacksrichtungen ausprobieren, dann werden sie auch später die Vielfalt schätzen.

So wird aus einem gesunden Baby kein heikles Kind

Tipps vom Dr. Vibeke Manniche im Informationsdienst des dänischen Gesundheitswesens

  • Sorg dafür, dass das Essen gesund und abwechslungsreich ist.
  • Sorg dafür, dass mindestens einmal am Tag die ganze Familie gemeinsam bei Tisch versammelt ist.
  • Sorg für eine ruhige und freundliche Stimmung. Essen sollte nicht mit schlechter Laune und Stress verbunden sein.
  • Sorg dafür, dass ihr Zeit habt. Kinder essen nicht so schnell, wie Erwachsene.
  • Lass das Kind selber essen, auch wenn dabei eine „Schweinerei“ entsteht.
  • Sorg dafür, dass man miteinander reden kann. Mach den Fernseher und das Radio aus.
  • Gib dem Kind nie etwas anderes, als das, was auf dem Tisch steht.
  • Zwing das Kind nicht dazu, etwas zu essen. Sei nicht überinteressiert. Mach keine Sachen, wie z.B. „ein Löffel für Mama, einer für Papa …“ oder „hier kommt das Flugzeug ….“. Lass das Kind einfach in Ruhe essen.
  • Drohe niemals („Wenn du nichts isst, wirst du krank!“) und mach auch keine Versprechungen („Wenn Du das isst, bekommst Du eine Nachspeise!“)
  • Vermeide, dass sich das Kind vor dem Essen in Milch oder Saft „satt trinkt“.
  • Gib dem Kind kleine Portionen in den Teller und vermansche sie nicht. Das Kind soll sehen können, was es isst.
  • Sprich normal mit dem Kind – sprich nicht über das Kind sondern mit ihm.

Tipp: Die Verbraucherzentralen in fast allen Bundesländern bieten Infomaterial zum Thema „Gesunde Ernährung“ an. Denn für eine Umstellung auf eine gesunde abwechslungsreiche Kost ist es nie zu spät.