„Kein Kuss Für Mutter“

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Kein Kuss für Mutter

Dieses Buch von Tomi Ungerer hat unser Freund Michael K. für seinen Sohn Max gekauft. Eigentlich etwas zu früh, denn Max ist erst sechs Jahre alt und seine Mutter macht aus seiner Sicht noch alles richtig. Aber Michael, 42, verliebte sich auf den ersten Blick im Laden in den Haupthelden des Bilderbuchs, Toby Tatze. Wahrscheinlich, weil er sich selbst in ihm wiedererkannte.

Der graue Rebell mit großen glühenden Augen und einem meist mürrischen Ausdruck um die Schnauze wehrt sich gegen die übermäßige Zärtlichkeit und Fürsorge seiner Mutter Angora. Man sieht ihn Comics lesend auf dem Klo sitzen. Zahnbürste und Waschlappen werden nur angefeuchtet, um vorzutäuschen, dass er sich gewaschen hat. Die von Mama gebügelten Sachen zerknittert der junge Kater heimlich, weil es peinlich ist, auszusehen wie geleckt. Dass es irgendwann Ärger in der Schule gibt, versteht sich bei diesem Temperament von selbst…

Es ist also alles wie in Wirklichkeit, nur dass die Leute Katzen sind. Vater Tatze arbeitet übrigens in einer Rattensalamifabrik. Einmal bricht jemand sein Auto mit einem Büchsenöffner auf.

Am besten gefällt Michael die Stelle, an der es über Mutter Tatze heißt „Zum ersten Mal in ihrem Leben wünscht sie, sie wäre eine Maus und könnte sich im Boden verkriechen.“ Denn die Frau ist sonst eine überaus katzenbewusste Katze. Dem geht eine Prügelei im Klassenzimmer voraus. Schulkrankenschwester Dragonia musste Tobys Ohr nähen.

„Schwester Dragonia“ dient Michael, der Arzt ist, inzwischen als Kürzel für rabiates medizinisches Personal. Max freut sich, dass er versteht, warum. Und dass am Ende alles gut wird ohne dass Toby Tatze den Schwanz einziehen muss.

Insbesondere Männern, die etwas vorlesen wollen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Ungekünstelte Dialoge. Bilder, die längeres Betrachten durch immer neue Entdeckungen lohnen.

Tomi Ungerer, „Kein Kuß für Mutter„, Diogenes-Verlag, ISBN 3-257-00563-6