Brandenburg: Weiterbildung für Großeltern

Kurse für Großeltern wird es demnächst es an Volkshochschulen und anderen Erwachsenen-Weiterbildungseinrichtungen in Brandenburg geben. Das ist Teil des 2005 beschlossenen Landesprogramms „Familien- und kinderfreundliches Brandenburg“.

Eine Befragung ergab, dass zwölf Prozent der Großeltern täglich, fast ebenso viele zwei, drei Mal pro Woche Kontakt zu ihren Enkeln haben. Sie sind Anlaufpunkt, Betreuer und Retter in der Not. Dabei verändert sich die Großelternrolle im Laufe der Zeit. Die Anforderungen wachsen.„Wir wollen Großeltern bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben unterstützen“, sagt Holger Rupprecht, Bildungsminister von Brandenburg.

Eine Expertengruppe stellte Anfang Mai 2006 einen Rahmenplan für Großeltern- Kurse vor. Es handelt sich um Module, die aufeinander aufbauen. Inhaltlich folgen sie dem Lebensweg der Enkel. Nach einem „Grundbaustein“, der einen Überblick über Lage und Rolle der Alten heute gibt, können Großeltern Module auswählen, die sie gerade interessant finden, zum Beispiel frühkindliche Entwicklung oder Pubertät.

Jedes Themengebiet nimmt drei oder vier Unterrichtstage ein. Der Unterricht dauert jeweils 180 Minuten, mit einer Pause von 15 Minuten.

Die Kurse richten sich an Menschen ab 50 Jahre. Gewünscht ist ein kleiner Teilnehmerkreis von acht bis zwölf Personen, damit sich Vertraulichkeit einstellt. Das „Drehbuch“ für die Kurse sieht einen Theorie-Teil, praktische Übungen und Erfahrungsaustausch der Teilnehmer untereinander vor. Denn bislang haben Großeltern seltener als Eltern Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Gelegentlich kommen Fachkräfte wie Sozialarbeiter, Schulleiter oder Babypfleger als Ansprechpartner zum „Unterricht“ hinzu.

Fragen an Petra Schmugge, 52, Leiterin des Modellprojekts „Großeltern in der Familienbildung“:

GroßelternReport: Wann starten die Großeltern-Kurse?

Petra Schmugge: Ich denke, im Herbst kann es losgehen. Noch sind wir auf der Suche nach interessierten, geeigneten Dozenten. Ab Herbst 2006 bilden wir diese dann aus. Parallel dazu werden einige von ihnen schon Kurse für Großeltern anbieten. Zumindest jene, die bereits früher in der Seniorenbildung gearbeitet haben.

GroßelternReport: Warum braucht ein Lehrer, der mit Großeltern arbeitet, eine Extra-Ausbildung?

Petra Schmugge: Er stößt bei ihnen auf andere Zugangsvoraussetzungen als bei Schülern. Großeltern sind Menschen ab Mitte 50 aufwärts. Sie kommen freiwillig zu den Kursen. Viele haben lange nicht mehr auf der Schulbank gesessen und sind mit den modernen Lernformen wenig vertraut. Manche werden mit der neuen Art, Stoff in der Gruppe zu erarbeiten und dabei etwas von sich preis geben zu müssen, ihre Mühe haben. Lehrer, die nicht dozieren, genießen bei ihnen möglicherweise wenig Respekt…So nach dem Motto: Der junge Schnösel von 46 Jahren hat uns gar nichts zu sagen.

Also, Motivation und Belastbarkeit sind anders als bei jungen Leuten.

Großeltern haben außerdem ein gerüttelt Maß an Lebenserfahrung. Die wollen und sollen sie einbringen. Sich als Lehrer darauf einzulassen, ist eine Kunst und braucht methodisches Geschick. Jemand, der gewöhnt ist, stur seinen Stoff durchzuziehen und Zensuren zu verteilen, würde sicher scheitern.

GroßelternReport: Was sind aus Ihrer Sicht typische Großelter-Fehler?

Petra Schmugge: Also, jetzt mal ganz subjektiv. Ich als zweifache Großmutter kann da auch aus eigener Erfahrung sprechen: Manches, was die jungen Leute heute tun, ist nicht so leicht zu verstehen. Etwa die Jugendkultur. Wie die Halbwüchsigen miteinander umgehen oder wie sie gekleidet sind, stößt mitunter an die Grenzen unseres Verständnisses. Dass es unseren Großeltern mit uns nicht viel anders ging, haben wir vergessen.

Viele Missverständnisse entstehen, weil wir nicht mehr wissen, was die Kinder und Jugendlichen tatsächlich zu bewältigen haben. Zum Beispiel in der Kita. Oder im Schulsystem. Wir fragen nach Klassenlehrern, aber es gibt keine mehr, sondern ein Kurssystem. Wir ärgern uns, wenn das Kind ständig vorm Computer sitzt. Aber der Computer ist das angesagte Lernmittel der Zukunft. Ihn zu beherrschen kann nützlich sein. Auch für uns. Das müssen wir einsehen. Kurz gesagt, es geht in den Kursen darum, neues Wissen, neue Kenntnisse und neue Einstellungen zu gewinnen.

GroßelternReport: Rechnen Sie mit großem Interesse?

Petra Schmugge: Im Verlauf des Projekts hatte ich viel mit örtlichen Seniorenverbänden in Brandenburg an der Havel zu tun: Volkssolidarität, Akademie der zweiten Lebenshälfte, Engagiertes Leben und wie sie alle heißen. Auch in Frauen- und Familienzentren des demokratischen Frauenbundes stellten wir die Idee vor. Überall wurde lebhaft diskutiert, viele Männer und Frauen waren interessiert. Einige Namen potenzieller Teilnehmer habe ich mir sogar schon vorgemerkt.

GroßelternReport: Was sollen die Kurse kosten?

Petra Schmugge: Genau weiß ich das leider noch nicht. Es hängt ab vom Veranstaltungsort, von der Teilnehmerzahl und dem Honorar des Dozenten. Einige Kursveranstalter bekommen vielleicht auch Zuschüsse, die sie als Preisvorteile an die Teilnehmer weiterreichen können. Ich denke, die Kosten werden sich im Rahmen der an Volkshochschulen üblichen Gebühren bewegen. Soviel steht immerhin fest: Für Angebote, die Senioren wichtig sind, sind sie bereit, Geld auszugeben. Wir sehen das bei den Sprachkursen.

GroßelternReport: Wer finanziert den Aufbau des Kursprojekts?

Petra Schmugge: Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Denn es ist ein Teil des Landesprogramms Familien- und Kinderfreundliches Brandenburg, das 2005 beschlossen wurde.

GroßelternReport: Einkalkuliert sind jeweils Unterrichtszeiten von 180 Minuten. Glauben Sie im Ernst an ein pünktliches Ende, wenn zwölf Großmütter zusammensitzen?

Petra Schmugge: (lacht) Wir sind da flexibel. Wenn Kursteilnehmer nach acht Tagen sagen, sie möchten einen Themenschwerpunkt vertiefen oder einen neuen hinzunehmen, sind wir gern dazu bereit, sofern der Dozent dafür frei ist. Zum Beispiel, wenn sie mehr wissen wollen über frühkindliche Entwicklungsphasen. Weiterbildung auf Bestellung ist für uns an den Volkshochschulen nichts Neues.

GroßelternReport: Sie haben eine über die Oma-Opa-Kurse hinaus gehende Vision…

Petra Schmugge: Ja, ich stelle mir vor, dass diese gleich gesinnten Kursteilnehmer weiter zusammen arbeiten, wenn sie daran Spaß haben. Aus dem Kurssystem könnten selbstständig im Wohnumfeld agierende Interessengruppen werden oder von Großeltern organisierte Großelterndienste.