Allein zu Oma?

Unsere Enkelin, fünf Jahre alt, möchte nachmittags gern allein > zu uns kommen. Mir lässt der Gedanke keine Ruhe, dass ihr unterwegs etwas zustoßen könnte. An wann kann man einem Kind längere Wege allein zutrauen?

Christine Richter, Neuruppin

Auch um erwachsene Angehörige machen wir uns Sorgen, wenn sie unterwegs sind. Und müssen lernen, das zu ertragen. Nicht anders ist es bei einem Kind. wir können es nicht ewig beschützen. Wir können ihm nur helfen, auf sich selbst aufzupassen.

Je unkomplizierter der Weg, desto jünger kann das Kind sein, wenn es ihn erstmals allein geht. Gibt es unterwegs viele Kreuzungen und unübersichtliche Stellen bzw. müssen öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden, sollte ein Kind wenigstens Zahlen lesen können und Verkehrsregeln kennen. Das dürfte im ersten oder zweiten Grundschuljahr der Fall sein.

Eine gewisse Selbständigkeit und Zielstrebigkeit sind Voraussetzung.

Gehen bzw. fahren Sie die Wege mehrfach gemeinsam mit dem Kind, machen Sie es auf markante Wegpunkte und Gefahrenstellen aufmerksam. Lassen Sie sich lotsen ohne einzugreifen. Machen Sie Ihrer Enkeltochter klar, dass sie zu einer bestimmten Zeit erwartet wird.

Sybill Herold, Autorin eines Erziehungsratgebers, empfiehlt ein gedankliches Notfall- oder Gefahrentraining. Fragen Sie das Kind: Was tust du, wenn du dich verlaufen hast? Wie verhältst du dich bei Nebel und Dunkelheit? Oder wenn dich jemand anspricht und begleiten will.

Kontrollieren Sie, ob das Kind die Namen seiner Angehörigen und Telefonnummern parat hat. Geben Sie etwas Notgeld mit, etwa um einen verlorenen Fahrschein zu ersetzen.

Wichtig ist, so Herold, daß das Kind bei Problemen nicht verzweifelt, sondern Lösungen sucht. Etwas Schüchternheit sei sogar besser als Draufgängertum, das leicht die Vorsicht vergessen lässt.