Kann meine Mutter meine Tochter adoptieren?

Ich habe eine 7-jährige Tochter, lebe mit meinem Freund zusammen und habe das alleinige Sorgerecht, da der Vater des Kindes sich nur höchst sporadisch um die Kleine kümmert. Bei der Gerichtsverhandlung über das Sorgerecht wurde auch das Umgangsrecht besprochen. 1-2 mal pro Monat sollte der Vater die Kleine sehen. Aber das hat ihn alles nicht interessiert, er kam nur, wenn er mal Lust hatte, etwa alle halbe Jahre.

Meine Tochter ist nun in einem Alter wo sie viele Fragen stellt (seit 1 Jahr geht das nun so) über mich und ihren Vater, über die Trennung, und vor allem, warum er nie kommt. Sie weint desöfteren und denkt, er liebt sie nicht mehr. Er schrieb mir böse emails, ich soll auf den Unterhalt verzichten und die Kleine von meinem Freund adoptieren lassen damit er seine Ruhe hat.

Jetzt hat er eine neue Freundin und braucht meine Tochter wieder mal zum "Herzeigen" und "Angeben". Wenn ich ihm jetzt die Kleine gebe, dann macht sie wieder alles durch. Die Freude ihn zu sehen, dann den Trennungsschmerz und die Vorahnung, ihn so schnell wieder nicht mehr zu sehen und dann kommt bei ihr die Einsicht und Traurigkeit, dass er wieder nicht mehr kommt. Ich kenne das, schließlich mache ich das seit 7 Jahren mit.

Deshalb meine Frage: Kann meine Mama (Witwe, nicht verheiratet) meine Tochter zur Hälfte adoptieren, so dass der Vater absolut keine Rechte mehr hat und auch die Kleine nicht mehr sehen darf? Wäre das praktisch so, dass meine Mutter und ich die Eltern von meiner Tochter wären?

Valerie

Liebe Valerie,

die Idee, dass Ihre Mutter Ihre Tochter zu Hälfte adoptieren soll, sehe ich als reine Verzweiflung. Selbst wenn Kinder verwaist sind, ist so etwas schwierig. Man möchte die Generationen-Beziehungen nicht durcheinanderbringen. Ihre Tochter wäre damit zugleich Ihre Schwester. Wollen Sie das?

Und sogar wenn es klappen würde: Das Problem, das Sie haben, bliebe damit bestehen: Ihre Tochter sehnt sich nach der Liebe ihres Vaters, die sie nicht bekommt, und Sie möchten sie vor der Enttäuschung bewahren.

Wie die Dinge stehen, ist das schwer. Dass das Mädchen jetzt viele Fragen stellt, finde ich eigentlich sehr gut. Sie will reden statt nur zu trauern. Antworten Sie ihr nach bestem Wissen, möglichst ohne den Kindesvater schlecht zu machen (denn das Kind sieht sich als Teil von ihm. Wenn er schlecht ist, ist es nach der kindlichen Logik selbst auch schlecht) Reden Sie, am besten, wenn das Kind von selbst davon anfängt, allgemein über Liebe zwischen Eltern und Kindern, Männern und Frauen , - dass letztere manchmal nicht hält usw. Und dass Väter ihre Kinder zwar lieben, aber in ihrem Leben mitunter nur wenig Platz für sie ist. (So blöd das klingt, aber es bieten sich Beispiele aus der Tierwelt an: Die "Männer" sind oft nur für kurze Zeit bei der "Herde" Zeigen Sie selbst keine Wut und keine Verzweiflung. Gehen Sie mit der Tochter in Kinderfilme und reden Sie danach über die Familienbeziehungen, die dort gezeigt werden. Das Kind signalisiert ja Gesprächsbedarf. Die heile Mutter-Vater-Kind-Konstellation ist auch in der Filmwelt seltener geworden.

Die Verbindung zu dem Papa ganz zu kappen, wäre sicher möglich, wenn Sie auf den Unterhalt verzichten. Er deutete ja an, dass er sozusagen käuflich ist. Aber für das Kind könnte das falsch sein. Es weiß, dass es den Mann gibt und hängt doch irgendwie an ihm. Papa wird im schlimmsten Fall zum Unerreichbaren, geheimnisvollen Fremden, den sich die Tochter in den schönsten Farben ausmalt. Sie kann diesen Idealmann sogar gegen Sie ausspielen, wenn ihr an Ihnen etwas nicht passt. Da wäre es doch besser, sie sieht ihn, wie er ist: voller guter Absichten (die hat er ev. wirklich sporadisch), die er aber nicht durchhält. Ihre realistische Erwartung könnte sein: sie wird Papa gelegentlich sehen, ein paar Stunden mit ihm verbringen - und mehr ist nicht zu erwarten. Trotzdem kann er sie auf seine Art lieben und sich daran freuen, dass sie wächst, hübsch aussieht etc.

Machen Sie also das Kind so stark wie möglich. Alles Poetische ist gut. Denken Sie an Märchen: Dort handeln Kinder oft ganz auf sich allein gestellt, wenn auf ihre Eltern kein Verlass ist, - und kommen damit durchs Leben. Diese alten Geschichten sind eine wirkliche Kraftquelle für Kinder, - und am Ende wird immer alles gut.

Im Alter von sieben Jahren möchten Mädchen gern gefallen, auch Aufmerksamkeit, wohlwollende väterliche Blicke und Lob vonseiten Ihres neuen Freundes könnten Ihrer Tochter jetzt guttun. Die Hoffnung besteht, dass das Vater-Thema sich irgendwann setzt und die Belange des Alltags die Oberhand gewinnen. Stehen Sie es durch und räumen Sie der Wunde nicht zuviel Platz im Denken ein.

Toll wäre es natürlich, wenn der Kindesvater begreift, was er mit seinem sporadischen Erscheinen und Verschwinden bei dem Kind auslöst. Da er nicht mit Ihnen redet, sagt ihm das keiner. Vielleicht wäre es möglich, beim Jugendamt mit Ihren Fragen psychologische Unterstützung zu finden. Ihr Fall ist ja wahrlich kein Einzelfall. Vielleicht gibt es dort Leute, die den Vater mal zu einem Gespräch einladen. Oder Ihnen nützliche Verhaltens-Tipps geben.

Uta A.

Veröffentlicht am 18. Oktober 2011. (217 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

weiter

kussmann