Medikamente fürs Baby, damit Mama ihre Ruhe hat?
Ich mache mir Sorgen um meine kleine Enkelin. Sie ist jetzt 5 Monate alt und bekommt schon seit längerer Zeit von meiner Schwiegertochter Ben-u-ron. Sobald die Kleine wach wird, stellt die Mutter fest "Ach du hast ja schon wieder Schmerzen!"(es zahnt). Jetzt war ich schon einige Male dabei, und die Kleine hat weder geschrien noch sonst irgendwie sich so verhalten als ob sie große Schmerzen hätte. Nach der Aussage der Mutter "ich muss ihr gleich noch mal ein Zäpfchen geben!", habe ich das Kind auf den Arm genommen und es hatte Spass, hat gelacht, geschaut und war eigentlich recht zufrieden. Sobald die Kleine nur einen Mucks von sich gibt, wird sofort der Kiefer mit Dentinox eingerieben oder aber ein Zäpfchen verabreicht. Gestern nun kam der absolute Höhepunkt. Meine Schwiegertochter erzählte mir, dass sie am Wochenende zu einer Geburtstagsparty eingeladen wären. Und wenn die Kleine keine Ruhe hält, würde sie eben ein Zäpfchen bekommen und dann ja schlafen.
Mein Sohn unterstützt seine Frau in der Meinung, dass es ganz und gar in Ordnung ist, der Kleinen ständig Medikamente zu verabreichen. Auch die Eltern und Großeltern meiner Schwiegertochter unterstützen diese Meinung. Lediglich mein Mann und ich machen uns richtig Sorgen. Ich bin sogar der Meinung, dass das Baby ruhig gestellt werden soll, damit es keinen "Stress" macht. Ich wollte nie eine Schwiegermutter und Oma sein, die sich in alles einmischt... aber immerhin geht es doch um die Kleine. Ist es nicht gefährlich für sie? Oder soll ich alles auf sich beruhen lassen? Anita
Liebe Anita,
ich empfehle Ihnen ein pragmatisches Vorgehen: Der Beipackzettel der Medikamente ist die Richtlinie für ihre korrekte Anwendung. Ihre Schwiegertochter und Ihr Sohn wissen ja nun schon, dass Sie sich Sorgen machen, also können Sie sie ausdrücklich darum bitten, sich mal gemeinsam diese Papiere durchzulesen. Sagen Sie ruhig, dass Sie sich davon überzeugen möchten, dass alles korrekt gehandhabt wird. In Abhängigkeit vom Körpergewicht eines Kindes sind dort zulässige Höchstmengen der Medikamentengabe angegeben. Möglicherweise finden Sie auch so etwas wie "nicht länger als drei Tage hintereinander geben" oder "nicht öfter als an zehn Tagen im Monat". Wenn Ihre Schwiegertochter das weiß und berücksichtigt, können Sie sich beruhigen. Im gegenteiligen Fall wird sie doch noch einmal nachdrücklich gewarnt sein, die Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Beipackzettel-Infos werden leider häufig vergessen oder gleich ignoriert. Das kann wirklich böse Folgen haben. Risiken bei Überdosierung sind schließlich bekannt, bei Paracetamol, dem Wirkstoff von Ben-u-ron, sind es Leberschäden.
Bei einem zahnenden und fiebernden Kind kann man schon Medikamente geben, ist heute die Lehrmeinung, die Kinderärzte reden normalerweise mit den Müttern darüber. Es kann dennoch nicht schaden, wenn sie sich in Elternforen zum Thema schlau machen. So berichtete kürzlich das Portal Urbia, dass Lungenärzte einen auffälligen Zusammenhang zwischen der Gabe von Paracetamol und erhöhtem Asthmarisiko beobachteten und warnte vor allzu großzügiger Gabe des Medikaments.
Als wir junge Mütter waren, hatten wir eher Hausmittel, beim Zahnen z.B. gekühlte Beißringe, daher teile ich Ihre Überraschung und Sorge über den Trend zur Chemie. Gehen Sie trotzdem nicht davon aus, dass Ihre Kinder leichtsinnig mit dem Baby umgehen. Signalisieren Sie lieber, dass Sie darauf vertrauen, dass beide wissen, was Sie tun. Die Verantwortung liegt bei den Eltern. Sie als Oma haben höchstens die Möglichkeit, ihnen etwas Stress abzunehmen, z.B. indem Sie Spaziergänge mit dem Baby machen, damit es zur Ruhe kommt. Da es sicher noch gestillt wird, können Sie ihm die Geburtstagsparty leider nicht ersparen. Obwohl, bei guter Planung ginge vielleicht sogar das.
Uta Alexander
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