Mein Mann fühlt sich von meinen Eltern genervt

Die Beziehung zwischen meinen Eltern und meinem Mann war schon seit langem angespannt. Doch plötzlich stört er sich immer mehr an ihnen. Nörgelt nur an ihnen herum. Ihn störte es, wenn meine Mutter anrief, sich über Sachen unterhielt, die ihm nicht interessieren. Er schimpfte darüber, wohin sie in den Urlaub fahren, welche Bekannte sie haben usw... Es gab Situationen, in denen er ihnen sogar Schimpfwörter und Beleidigungen an den Kopf schmiss. Er versuchte immer wieder, im Gespräch zu provozieren.

Ich habe ihm oft gesagt, dass ich einfach nicht verstehen kann, was genau das Problem sei. Er sagt dass meine Eltern, vor allem meine Mutter, einfach total nerven. Ich könnte es verstehen, wenn sie sehr aufdringlich wäre. Aber sie kommt nicht einmal vorbei, da sie weiß, dass es ihm nicht passt. Sie ruft ca. 1-2 mal pro Woche an und gibt auch keine guten Schwiegermütterratschläge.

Sie hat sich ihr Verhältnis zum Schwiegersohn sicher anders vorgestellt, einfach inniger. Aber das muss ja nicht sein. Mir würde ein einigermaßen normaler, respektvoller Umgang völlig ausreichen. Nur leider ist es momentan wieder so, dass ich nur alleine meine Eltern besuche. Meine Tochter (9 Monate) nehme ich mit. Mein Mann möchte nicht mitkommen, obwohl er weiter willkommen wäre.

Anfangs waren wir einige Male zu dritt zu Besuch, jedoch war es sehr angespannt. Meinen Mann störte es, wenn meine Mutter unsere Tochter zu viel auf dem Arm hatte, sie könnte verwöhnt werden. Zuletzt störte es ihm sogar, wenn sie zu lange in den Kinderwagen sah oder ans Telefon ging, wenn es läutete. Es lag ständig eine gereizte Stimmung in der Luft. Keiner wusste mehr so recht, wie er sich verhalten sollte. Ich war so sehr angespannt, dass ich Herzklopfen und Schweissausbrüche bekam.

Besuch der Eltern bei uns verbietet mir mein Partner komplett. Er sagt, es sei sein Haus und das kommt nicht in Frage, dass sie hier auftauchen. Es tut mir schon sehr weh. Ich wünschte zumindest, dass meine Mutter mal auf einen Kaffee kommen könnte, wenn er nicht da ist.

Ich habe große Angst, wie sich das auf meine Tochter auswirkt. Sie mag ihre Oma sehr und freut sich immer sie zu sehen. Meine Eltern sind auch ganz vernarrt in sie. Sie ist das erste Enkelkind. Vielleicht war es für meinen Mann zuviel, dass er gleich so in die Familie aufgenommen wurde. Er ist das nicht gewohnt. Seine Familie sind sehr distanzierte Leute, die auf Zwischenmenschliches nicht viel Wert legen.

Für mich ist die Situation schwierig und raubt mir viel Energie. Wie kann ich das Problem am besten lösen, vor allem für meine Tochter? Ich möchte, dass sie in Zukunft Kontakt zu ihren Großeltern haben kann, da ich das für sehr wichtig halte. Außerdem mag sie beide total gerne. Wie soll das z.B. an ihren Geburtstag werden, wenn Oma und Opa nicht kommen dürfen. Auch an meinem Geburtstag fehlen sie. Lilifee

Liebe Lilifee,

Dass jemand die Eltern seines Partners nach Möglichkeit meidet, ist zu verstehen. Aber dass er sogar Besuche in seiner Abwesenheit verbietet, finde ich schon extrem. Oder dass es keine Ausnahmen zu Festen geben soll. Mit etwas gutem Willen kann man die Eltern seiner Frau da schon ertragen, finde ich.

Die Ursachen seines Verhaltens in seiner Kindheit zu suchen, ist natürlich der erste Weg. Aber ich finde, das erklärt es nicht hinreichend. Was ist mit ihm los? Er ist so gar nicht partnerschaftlich, so völlig ohne Einfühlungsvermögen in Ihre Gefühlswelt!

Es ist auch nicht klug, was er tut. Er zwingt Sie dazu, sich schützend vor Ihre Mutter zu stellen, - und damit gegen ihn. Aber ein Paar sollte auf einer Seite sein, jedenfalls in den wichtigsten Fragen. Es kann auch nicht schaden, als Vater Oma und Opa ein wenig zu kennen, schon um den "Bauplan" seines eigenes Kind zu verstehen. Es steckt ein Wenig Oma und Opa ihn ihnen drin. Bei der erklärten Feindseligkeit, die Ihr Mann derzeit praktiziert, kommt Verbindendes gar nicht zum Tragen. Ein kleinster gemeinsamer Nenner findet sich eigentlich immer.

Finden Sie raus, unter welchen Umständen Ihr Mann die Nähe seiner Schwiegereltern erträglich findet. Z.B. bei Theaterbesuchen, wo man nicht viel miteinander reden muss. Ab und an so ein Date kann man ihm vielleicht abringen. Dann hat man wenigstens eine gemeinsame Aktivität. Besser als nix!

Sicher haben Sie an Ihren Eltern auch manchmal etwas auszusetzen, genau wie Ihr Mann. Aber er vergibt sich die Chance, gemeinsam mit Ihnen ein bißchen zu lästern, was sehr befreiend, verbindend und lustig ist. Sie sind ja zwangsläufig immer nur auf Verteidigung eingestellt. Wie schade!

Man stellt sich beim Lesen Ihrer Zeilen unter Ihrem Mann unwillkürlich eine kalte Herrschernatur vor, die schwer zu lieben ist. Ich hoffe, er zeigt wenigstens sonst manchmal Toleranz und Verständnis für menschliche Schwächen. Wie er sich im gegebene Fall verhält, ist Ihnen gegenüber ziemlich demütigend. Ich hätte auch Angst um mein Kind. Was wird sein, wenn er später ihre Freunde nicht toll findet oder irgendetwas an ihr ihm nicht passt?! In seinem Verhaltensrepertoire fehlen Strategien für Kompromisse und Verhandlungen, oder? Die wird er als Vater aber brauchen, spätestens in der Pubertät.

Schon jetzt spürt Ihre kleine Tochter die Spannungen, natürlich, so wie Sie es vermuten. Wenn Ihr Herz klopft, wenn Ihre Stimme gepresst klingt, wenn Sie nicht mehr lachen, nicht mehr tief durchatmen, in Ihren Augen Panik sitzt - dann wird sie ängstlich werden. Ältere Kinder, die schon Konflikte mit eigenen Freunden kennen, können verstehen, wenn Papa nicht gerade Omas bester Freund ist. Die ganz Kleinen sind abhängig von den Gefühlen ihrer Eltern, insbesondere der Mutter. Ich denke, Ihr Mann wird seine Tochter nicht absichtlich verstören wollen. Unfrieden in der Familie ist aber ein Grundbaustein für lebenslange Unsicherheit und Ängstlichkeit, was Beziehungen angeht. Schon deshalb lohnte ein Einlenken von ihm.

Ist Ihr Mann irgendwie eifersüchtig? Fühlt sich an den Rand gestellt? Unwichtig? Das gibt es manchmal im ersten Jahr nach einer Geburt. Manche Männer können schlecht mit Babys, sind aber tolle Väter für etwas ältere Kinder. Falls Sie so etwas vermuten, könnte es helfen, wenn man ihm deutlich macht, dass er als Papa neben Mama der wichtigste Mensch im Leben seines Kindes ist und bleibt. Oma und Opa kommen erst danach. Papa bricht aber kein Zacken aus der Krone, wenn er die Großeltern etwas beisteuern lässt. Kinder mit Großeltern-Kontakt haben erwiesenermaßen eine höhere soziale Intelligenz als reine Mama-Kinder...

Ich fürchte leider, mit solchen Fakten können Sie Ihrem Mann nicht kommen. Bin mir aber relativ sicher, dass er Bestärkung in seiner Rolle als Vater und Mann braucht. Zugleich sollte er Ihren Widerstand spüren. Er darf sich nicht zum Richter über den Lebensstil seiner Schwiegereltern aufschwingen, er muss ihnen Besuchsrecht im Haus ihrer einzigen Tochter einräumen. Ein Minimum an Kontakt muss möglich sein. Ich würde versuchen, das auszuhandeln ohne weiter nach dem Grund für seine Feindseligkeit zu forschen. Der ist eigentlich auch egal. Gefragt ist jetzt die menschliche Reife eines erwachsenen Mannes, der er ist. Er verhält sich aber nicht erwachsen. Wenn Sie immer weiter nach seiner Pfeife tanzen, werden Sie seinen Respekt verspielen und immer mehr Abstriche von dem machen müssen, was Sie sich im Leben vorstellen.

Wenn Ihr Mann Sie liebt, müsste er Ihnen eigentlich den Stein vom Herzen nehmen so gut er kann.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 25. Juni 2010. (697 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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