Oma und Opa dürfen in der Wochenbett-Zeit nicht helfen
Wir werden zum zweiten Mal Großeltern und sind überglücklich, denn wir haben schon eine süße Enkeltochter von 4 Jahren, die total unser Leben bereichert. Sie fühlt sich bei uns super wohl, mein Mann ist der beste Märchenerzähler. Selbst ausgedachte Geschichten können nicht lang genug sein. Leider wohnen wir in M. und unsere Kinder in K., so dass wir uns natürlich nicht so oft sehen, aber trotzdem fahren wir jeden Monat für ein paar Tage hin.
Jetzt kommt unser 2. Enkelkind und wir haben angeboten, der Familie in der ersten Zeit mit Hilfe zur Seite zu stehen. Leider wollen sie das nicht. Sie haben aus ihrem Freundeskreis gehört, daß das nicht gut ist. Der Freundeskreis redet manchmal Unsinn, zumal diese Leute selber keine Kinder oder Enkelkinder haben.
Nun möchte ich noch hinzusagen, das unsere Kinder wohlhabend sind und wir nur Ottonormalverbraucher. Wir denken, daß wir vielleicht nicht mehr in ihr Schema passen, wir haben schon Minderwertigkeitkomplexe und sie grenzen uns auch von Bekannten und Verwandten ab. Wir sind sehr traurig, was können wir nur machen?
Ramona und Norbert
Liebe Ramona, lieber Norbert,
Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie darauf hinarbeiten, die erste Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes mit der jungen Familie zu verbringen. Sie sind unmissverständlich ausgeladen worden, offen, ohne Lügen und ohne Höflichkeitsfloskeln. Das ist ein gutes Zeichen. Sie werden respektiert und man erwartet von Ihnen ebenfalls Respekt. Das heißt, man bedrängt einander nicht.
Ihre Tochter und ihr Schwiegersohn werden sich auch ohne "Einflüsterungen" aus ihrem Bekanntenkreis etwas dabei gedacht haben, wenn sie in der Wochenbett-Zeit unter sich sein wollen.
Es gibt nämlich neue Erkenntnisse: Der Vater rückt nach der Geburt eines Babys seinem älteren Kind näher. Denn sie beide sind durch den Neuankömmling für eine Weile ein wenig an den Rand gedrängt. Sie können sich "solidarisieren", das ist tröstlich und auch irgendwie witzig. Man kann zum Beispiel gemeinsam seufzen und ein wenig über das Baby lästern... Das Kleine beansprucht Mama für sich, sie ist auch als Partnerin nicht gleich wieder wie zuvor... Ihrer Enkelin wird es leichter fallen, als Kind Nummer 1 entthront zu werden, wenn Sie sieht, auch Papa muss jetzt ein wenig zurückstecken. Wenn Oma und Opa in dieser Phase mitmischen, kann es länger dauern, bis sich jeder in seine Rolle im neuen Familiengefüge hineinfindet.
Sagen Sie sich also, dass es in Ordnung ist, wenn sich Ihre Tochter nach der Entbindung ein Alleinsein zu viert wünscht. Sie haben sowieso keine andere Wahl und quälen sich mit Ihrem Kummer nur selbst. Ihre Tochter kann sich auch noch umentscheiden, falls sie Sie dann doch braucht. Wenn Sie sich beleidigt zeigen oder gar streiten, wird ihr das schwer fallen.
Minderwertigkeitsgefühle stellen Ihre Oma- und Opa-Rolle in den Schatten. Sie haben das gar nicht nötig. Ein geliebter Märchen-Opa zu sein zum Beispiel, ist ein hoher Wert. Machen Sie sich Ihr Glück und Ihren Einfluss nicht durch überhöhte romantische Wunschvorstellungen kaputt. Lassen Sie sich nach der Geburt des zweiten Enkelchens regelmäßig berichten, wie es sich entwickelt, damit der Kontakt nicht abreißt. Auch die "Große" kann am Telefon erzählen. Vielleicht schreiben Sie ihre Berichte für eine kleine Chronik mit...
Man wird Sie leichten Herzens wieder einladen, wenn Sie Distanz halten und niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Uta Alexander
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