Urlaubsvertretung

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern und schmiss sich schwungvoll neben mich auf die Couch, „das Leben ist ungerecht.“

„Und gefährlich, Alter!“, ich knuffte ihn wütend in die Seite.

Das Kinderstimmchen hatte mich mal wieder aus dem schönsten Schlummer geschreckt. Bei der Kälte dieses Jahr, dem Glatteis und dem verdammten Schnee ist tagsüber das Sofa mein Lieblingsplatz. Klar pennt man da ab und zu ein. Is mir aber nicht peinlich. Das ist nicht Faulheit, wie Brigitte behauptet. Das ist Umweltschutz. Ich spare Energie. Auch die Krankenkassen sparen, wenn ich ohne Oberschenkelhalsbruch über den Winter komme, meinetwegen für die nächste Schweinegrippe-Massenimpfung.

Anton raffte nicht, dass ich sauer war.

„Manche Leute haben gar keine Arbeit“, philosophierte er direkt in mein Ohr. „Und manche haben voll viel. Die arbeiten immerzu. Die können nicht mal Urlaub machen mit der Familie.“

„Die ohne Arbeit können auch nicht Urlaub machen“, bemerkte ich bissig.

„Umso besser", warf sich Anton in die Brust. "Dann kann ich allen Menschen helfen, wenn ich groß bin. Es gibt nämlich einen Beruf, der wird immerzu gesucht: Urlaubsvertretung. Das will ich werden! Die Leute arbeiten - oder nicht, wie sie wollen - und ich verreise mit ihren Kindern!“

Veröffentlicht am 10. Februar 2010. (831 Tage alt) in Kussmann
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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