Meine Tochter hat Angst vor dem Tod ihrer Großeltern
Seit die Oma ihrer besten Freundin vor zwei Wochen plötzlich an einem Gehirnschlag starb, beobachtet meine Tochter (7) ihre eigenen Großeltern, die sie sehr liebt. Sie fragt mich nach ihrem Alter, wie alt ein Mensch werden kann usw. Sie verbietet ihnen, Butter zu essen und Wein zu trinken und zu rauchen, weil das nicht gesund ist. Offenbar rechnet sie jetzt bald auch mit ihrem Tod. Das Wort Gehirnschlag ängstigt sie besonders und plötzlich auch Blitze und Strom. Meine Eltern (71 und 76 Jahre) sind für ihr Alter wirklich gut beisammen und denken an alles andere, nur nicht ans Sterben. Soll ich sie trotzdem bitten, mit dem Kind über ihren Tod zu reden? Nadja Z.
Liebe Nadja,
ja, tun Sie das, wenn es Oma und Opa nicht schon von selbst getan haben. Sie werden sich ja sicher über die massive„Gesundheitserziehung“ durch die Enkelin gewundert haben. Das Reden mit den potenziellen „Todeskandidaten“ wird dem Kind am besten helfen, die Sorgen wieder zu vergessen.
Noch existiert ja keine reale Bedrohung, zum Beispiel durch eine schlimme Krankheit von Oma oder Opa. Die Angst lebt nur in der Vorstellung des Kindes. Dort kann sie sich aber zu quälenden Phantasien auswachsen, wenn man sie beiläufig abtut. Das Kind strickt sich dann vielleicht irgendwelche Horrorszenarien zusammen. Ihre Tochter braucht jetzt einen reifen, lebensklugen Gesprächspartner, der mit ihr über das Lebensende redet und auch über den Lebenssinn. Ihre Fragen deuten darauf hin, dass sie für dieses große Thema jetzt bereit ist.
Die Großeltern könnten zum Beispiel sagen, dass sie ein erfülltes, glückliches Leben hatten und es genießen werden, solange sie können. Dass sie vieles geschafft haben und in ihren Kindern und Kindeskindern weiterleben... Kurz, dass sie selbst zwar wissen, dass sie nicht ewig auf der Welt sein werden, aber vor dem Tod keine Angst haben. Oder jedenfalls nicht so viel, dass diese Angst ihnen das Leben verdüstert. Diese Haltung wird auch ihre Tochter aufatmen lassen.
Sie als Mutter können der Tochter raten, mit der Freundin über deren Oma zu reden – was sie miteinander erlebt haben, wie sie war usw. Das trägt zur emotionalen Bewältigung des Verlustes bei. Vor der Endgültigkeit, dass geliebte Menschen plötzlich weg sein können und sie allein bleiben, haben Kinder am meisten Angst. An ihrer Freundin kann Ihre Tochter sehen, wie es danach weitergeht. Mit Sicherheit war dieser erste Todesfall, den sie bewusst erlebt hat, eine wichtige Erfahrung für sie.
Es kann jetzt auch sinnvoll sein, zu erzählen, was die verschiedenen Religionen zu Leben und Tod sagen. Aber aufdrängen sollte man einem Kind so etwas nicht.
Uta Alexander
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