Warum will meine Tochter das Kind ihres Bruders nicht sehen?

Mein Sohn ist glücklich verheiratet und hat eine süße zweijährige Tochter. Kummer bereitet mir meine Tochter. Sie ist 25 Jahre und wünscht sich nichts sehnlicher als ebensolche liebe, kleine Familie. Irgendwie hat das aber noch nicht geklappt und auch sonst läuft bei ihr unverschuldet alles ziemlich kompliziert und chaotisch. Nun hab ich das Gefühl, sie entzieht sich fast völlig ihrem Bruder seitdem das Baby da ist und verpasst damit auch das Glück, was sie doch als Tante hätte. Das Bruder-Schwester-Verhältnis ist eigentlich sonst ganz in Ordnung gewesen. Ich sehe dem Ganzen nun mit traurigem Herzen zu. Was kann man machen, ohne sich einzumischen? Lydia K.

Liebe Lydia,

so ein Baby bzw. Kleinkind zieht leicht alle Kraft, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit der ganzen Familie auf sich. Gut, dass Sie sich bei allem Oma-Glück nicht gänzlich vereinnahmen lassen und die Stimmung Ihrer Tochter ernst nehmen.

In ihr mischen sich vermutlich die Emotionen: ein bißchen Neid, ein bißchen Selbstmitleid... auf jeden Fall sie ist gerade nicht glücklich und zufrieden und braucht selbst Liebe und Aufmerksamkeit. Ich finde es eigentlich rührend, dass sie sich zurückzieht, statt es sich in Gegenwart der glücklichen Eltern anmerken zu lassen.

Je mehr Sie das 25jährige Mädchen mit der Nase auf das "Baby" stuken, desto mehr tun Sie ihr weh. Reden Sie mit ihr über erwachsenen Sachen, lassen Sie den Familienzuwachs auch mal ganz links liegen.

In eine Tantenrolle muss man auch erst reinwachsen. Am besten klappt es zwischen Schwester und dem Kind des Bruders, wenn man die beiden gelegentlich Alleinsein lässt, ohne jede Einmischung von außen. Dann entsteht zwangsläufig Zweisamkeit, beide werden sich bemühen, einander zu gefallen. (Natürlich müssen die Eltern des Kindes der Tante vertrauen, sie muss Verantwortung tragen können. Vielleicht ist der beste Zeitpunkt dafür auch erst etwas später, wenn das kleine Mädchen robuster, selbstbewusster und kommunikativer ist als man mit 2 Jahren sein kann.) Jedenfalls wäre es keine gute Idee, Ihrer Tochter immer wieder das Kind auf den Schoß zu setzen und zuzugucken, ob sie einander schon lieben. Dann funktioniert es nämlich garantiert nicht.

Also, liebe Lydia, machen Sie Ihrer Tochter keinen Baby- und Tantenstress! Und sich selbst auch nicht. Ein Enkelchen haben Sie erstmal sicher, immerhin. Vergraulen Sie nicht die Tochter. Heutzutage haben doch die wenigsten Frauen mit 25 schon Familie.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 5. März 2010. (704 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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