Bei Pflegeeltern lebende Enkelin sucht Kontakt zu Oma und Opa

meine Tochter gab vor über drei Jahren ihre damals knapp zwölfjährige Tochter zu Pflegeeltern weil sie "nicht mehr mit ihr zurechtkam". Zum damaligen Zeitpunkt hatte sie einen Freund, der ihre Tochter ablehnte. Wir hatten dann lange keinen Kontakt. Wir wußten nicht einmal, wo sie war. Dann durften wir sie zweimal im Haus der Pflegeeltern besuchen. Der letzte Besuch war 2 1/2 Jahre her. Ich habe meiner Enkelin immer mal geschrieben, um ihr zu vermitteln, daß wir sie nicht vergessen haben. Habe aber nie etwas von ihr gehört. Mit meiner Tochter ergab sich irgendwann nach monatelanger Funkstille wieder sporadischer Kontakt. Mit ihrem Freund ist sie schon lange nicht mehr zusammen.

Neulich meldete sich unsere Enkelin plötzlich telefonisch bei uns. Sie war allein zu Hause und sagte mir, daß sie dort eigentlich nicht wohnen möchte, aber daß sie auch nicht wieder zu ihrer Mama kann, weil es der Mama dann ja wieder schlecht gehen würde. Mit anderen Worten, sie, das Kind, wäre schuld am Misslingen der Beziehung zur Mutter. Dabei war diese es, die sich die ganze Zeit nicht bei Ihrer Tochter gemeldet hat. Unsere Enkelin und ich wollten uns nun gerne sehen und verabredeten, daß ich deswegen mit der Pflegemutter spreche. Das hat auch soweit geklappt. Danach war aber alles nur noch schlimmer. Die Pflegemutter unterstellte uns Heimlichkeiten und Lügen. Ich habe dann nur noch manchmal auf dem Festnetz angerufen und mußte die Pflegemutter um Erlaubnis bitten, mit meiner Enkelin sprechen zu dürfen. Wir haben uns gefügt, damit wir weiter Kontakt halten durften. Inzwischen hatte meine Tochter sich auch schon zweimal, zum Teil in Jugendamt-Begleitung, mit ihrer Tochter getroffen. Meine Enkelin war sehr froh darüber. Im Gegensatz zu der Pflegemutter.

Mittlerweile ist das Leben in der Pflegefamilie wohl eskaliert. Meine Enkelin rief mich an und weinte bitterlich. Sie wollte uns so gerne besuchen. Sie wäre so fertig und möchte da mal ein paar Tage raus. Im Hintergrund herrschte nur Gebrüll. Und meine Enkelin weinte und wurde dann auch lauter. Ich bat die Pflegemutter, mir zu sagen was eigentlich los sei. Ich konnte es nicht rauskriegen. Sie schnautzte mich jetzt auch noch an. Da ich so einen Umgang nicht gewohnt bin, legte ich auf und rief meine Tochter an, die ja noch das Sorgerecht hat. Sie rief bei den Pflegeeltern an und sagte, daß wir als Großeltern unser Enkelkind jetzt über das Wochenende abholen würden. Leider wurde auch sie nur angebrüllt. Der Pflegevater drohte, das Kind raus zu werfen. Meine Tochter rief den Kinderschutzbund an. Dann bat Sie uns, Stella sofort abzuholen, das wäre jetzt mit den Pflegeltern geklärt worden. Als wir bei unserer Enkelin ankamen, wurde uns von den Pflegeeltern gesagt, daß sie mit dem Jugenamt-Notdienst gesprochen hätten und Stella mit uns fahren dürfte, wir sie aber um 20 Uhr wieder abzuliefern hätten, sonst würde die "Kripo bei uns vor der Tür stehen". Wir durften uns dann noch große Beschwerden über unsere Enkelin anhören...

Meine Enkelin erzählte uns später Dinge über das Leben in der Pflegefamilie, die, wenn auch nur die Hälfte wahr ist, nicht tragbar sind. Sie wollte auf alle Fälle dort raus. Am Tag darauf sprach dann die zuständige Sachbearbeiterin vom Jugendamt mit unserer Enkelin in der Schule. Und auch mit meiner Tochter wurde gesprochen. Alle sind sich einig, daß unsere Enkelin dort raus soll.

Das Problem ist, ihre Mutter will sie nicht haben. Das hat sie ihrer Tochter aber noch nicht gesagt. Aber diese spürt es, sonst hätte sie doch den Wunsch schon geäußert. Meine Enkelin selber möchte gerne in eine betreute Jugendwohngemeinschaft in der Nähe ihrer Schule. Sie möchte auf alle Fälle ihre Schule dort zu Ende machen. Bis zur Entscheidung über das weitere Schicksal unserer Enkelin soll sie nun oft bei ihrer Freundin sein und am Wochenende auch mal zu ihrer Mutter oder auch zu uns. Aber nicht über Nacht, weil sie laut Jugendamt über Nacht den Landkreis nicht verlassen darf. Somit sind wir nun dreieinhalb Stunden täglich im Auto, wenn wir meine Enkelin holen. Als wir sie gestern holten, erzählte sie uns, daß ihre Sachen schon von ihren Pflegeeltern in ihrer Abwesenheit in Kartons verstaut wurden. Und daß ihre Wäsche nicht mehr gewaschen würde. Auch würde für sie nicht mehr zum Frühstück aufgedeckt. Die Pflegemutter spricht nicht mehr mit ihr. Nur wenn es sich gar nicht vermeiden läßt, anwortet sie ihr auf ganz miese Art. Ich habe selbst erlebt, daß sie mir zur Begrüßung die Hand gibt, aber meine Enkelin total übersieht. Auch beim Nachhausebringen wird sie nicht mal angesehen und der Gruß nicht erwidert. "Es dauert ja nicht mehr so lange, Oma", sagt meine Enkelin. So, jetzt habe ich mir fast alles von der Seele geschrieben. Es würde noch mehr, wenn der Platz reichen würde.

Jetzt meine Frage: Mein Mann und ich würden sie , wenn sie es wollte, gerne zu uns holen. Ist das möglich? Wir sind 62 und 63 Jahre, haben ein genügend großes Haus und viel Liebe für unser Enkelkind. Bald ist ein sogenanntes Hilfeplangespäch angesetzt, ohne uns. Carola Z.

Liebe Carola,

vielen Dank für Ihr vertrauensvolles Schreiben. Ich finde, Sie haben in jeder Hinsicht vernünftig und umsichtig reagiert. Schon allein, indem Sie so lange ohne Echo wenigstens einen losen Kontakt zu dem Kind pflegten. Und auch jetzt, indem Sie versuchten, die Pflegeeltern nicht völlig vor den Kopf zu stoßen. Ich weiß ja nicht, was in dieser Familie gerade schief läuft, aber mit 15 Jahre alten Mädchen ist das Auskommen wirklich manchmal schwierig. Sie sind sehr sensibel, neigen zu Extremen, tun wenig, um im Umgang mit Erziehungsberechtigten zu deeskalieren ... Das Verhalten der Pflegeeltern zeigt deutlich, dass sie sich zutiefst gekränkt und undankbar behandelt fühlen... Womöglich aus gutem Grund, aber egal, darum geht es ja hier nicht.

Zu Ihrer Frage: Ich denke, die Mutter ihrer Enkelin sollte beim Jugendamt schriftlich erklären, dass Ihr Vorschlag, die Enkelin aufzunehmen, realistisch und ernst zu nehmen ist. Und dass diese Option von ihr als Mutter ebenfalls gewünscht ist. Sie sollte darauf hinwirken, dass Sie zu einem Gespräch gebeten werden. Man könnte eine Probe-Wohnzeit des Mädchens bei Ihnen vereinbaren... Vielleicht ist das Jugendamt ja sogar froh, eine Lösung zu haben, die kostengünstiger ist als eine Jugend-WG.

Das Problem könnte die Schule sein. Offenbar hat Ihre Enkelin dort vertraute Lehrer und einen Freundeskreis, den sie nicht aufgeben möchte. Das wäre aber der Fall, wenn sie zu Ihnen zöge, wenn ich das richtig verstehe. Das wäre ein ernst zu nehmendes Argument für die WG-Variante. Wer letzten Endes darüber entscheidet, weiß ich auch nicht. Aber über den Kopf des jungen Mädchens hinweg würde ich an Ihrer Stelle nichts entscheiden oder auch nur in die Wege zu leiten versuchen. Auch nicht, um Ihrer Tochter einen Gefallen zu tun. Am Ende sind Sie die Bösen und das junge Mädchen hat gar keinen Ansprechpartner mehr, dem es vertraut. Beim Hilfeplangespräch ist die Meinung Ihrer Enkelin gefragt, vielleicht gelingt es ihr, ihre Wünsche klar darzulegen und sich durchzusetzen.

Grundsätzliches zum Thema Verwandtenpflege lesen Sie in unserer Serie Verwandtenpflege. Die Serie hat 3 Teile, klicken Sie sich durch.

Hilfreich wäre auch eine telefonische Beratung bei "Familien für Kinder" (http://www.familien-fuer-kinder.de/). Dort kümmert man sich speziell um Probleme mit Pflegekindern. Klicken Sie sich zu den Ansprechpartnern durch, sie sind Experten für Fragen wie Ihre.

Uta Alexander

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Veröffentlicht am 27. Januar 2010. (41 Tage alt) in Kummerkasten
 

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