Angst, das die Enkelin Mamas "Verhältnis" verrät?

Ich möchte hier meinen riesigen Kummer schreiben, ich bin 48 Jahre alt und habe eine 30-jährige Tochter, die wiederum ein 6-jähriges Mädchen hat und mit dem Kindsvater zusammenlebt. Letzten Sommer, als ich sehr krank war, hat meine Tochter wohl einen anderen Mann kennengelernt, einen Exfreund von mir. Sie gibt es bis zum heutigen Tag nicht zu. Lange wollte sie zu mir keinen Kontakt mehr und hat mir auch das Enkelkind verweigert. Dann durfte ich das Kind wieder öfters sehen. Es übernachtet auch bei mir und sagt sehr oft, es hat mich lieb, und ich liebe das Kind von ganzem Herzen. Allerdings soll ich laut meiner Tochter nicht in ihr Haus kommen. Sie hat viel zu verbergen. Deswegen hat sie mich erneut als Mutter abgelehnt, was kaum zu verkraften ist. Es herrscht jetzt totale Funkstille. Wenn meine Tochter mit meinem Exfreund zusammen ist, so könnte und möchte ich dies akzeptieren, nicht aber Lug und Trug. Ich habe dies meiner Tochter schon gesagt, aber keine Reaktion. Lieber schiebt man mich als Mutter zur Seite und nimmt mir mein Enkelkind erneut. Hat jemand einen Rat für mich? Birgit

Liebe Birgit,

strecken Sie weiter die Hand aus. Ihre Tochter und Sie haben beide gerade keine leichte Zeit hinter sich. Wahrscheinlich hat sie derzeit massive "Ehe"-Probleme, während Sie gesund werden müssen.

Es kann sein, dass Ihre Tochter es gut mit Ihnen meint, wenn sie Sie auf Abstand hält. Sie weiß offenbar, dass Sie ein emotionaler Mensch sind, der mitfühlt und sich aufregt. Sie wollte Sie schonen, - und sich selbst natürlich auch. Respektieren Sie es. Drängen Sie sich nicht in ihre häusliche Sphäre und geben Sie ihr die Sicherheit, dass das so lange so bleibt, bis sie selbst es anders haben möchte.

Natürlich wünscht man sich auch mit seinem erwachsenen Kind eine vertraute Beziehung. Aber zwischen Müttern und Töchtern krieselt es öfter mal. Vielleicht haben Sie ohne es zu wollen Ihrer Tochter ein schlechtes Gewissen gemacht (die Formulierung Lug und Trug deutet darauf hin), oder sie hat die Gewissensbisse von selbst ... Haben Sie eine Distanz überschritten, sie verletzt, unrealistische Forderungen gestellt... ? Oder das Kind benutzt, etwas über Mamas "Verhältnis" herauszufinden? Solche Versuche, im Leben seiner erwachsenen Kinder zu spionieren, kommem meistens raus und werden sehr übel genommen.

Wenn Töchter "böse" sind und Mütter damit zur Verzweiflung bringen, sind sie jedenfalls meist selbst verzweifelt. Entschuldigen Sie sich prophylaktisch, per Mail oder Brief, als ersten, "erwachsenen" Schritt aufeinander zu. Wenn Sie Ihrem Ex-Freund wirklich nicht mehr nachtrauern, wird Ihnen das leicht fallen. Um ihn geht es Ihnen ja dann nicht.

Oder Sie handeln als sei kein Zwist gewesen: Schreiben Sie eine offene Karte, teilen Sie mit, dass es Ihnen besser geht, und laden Sie das Enkelkind (allein) schlicht und einfach wieder über ein Wochenende zu sich ein. Vielleicht wird Ihre Tochter den ausgestreckten Arm dankbar ergeifen und erleichtert sein, dass die Vergangenheit nicht mehr diskutiert werden soll.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 2. Juni 2010. (719 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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