Die Kleine soll auf Besuch zu Oma, aber ich darf nicht mit
Ich weiß nicht weiter! Ich war mit meinen Lebensgefährten drei Jahre zusammen. Wir haben gemeinsam in einem Haushalt gewohnt. Nun haben wir eine Tochter, 15 Monate alt, und streiten ständig wegen seiner Eltern. Ich habe kein gutes Verhältniss zu Ihnen. Ich möchte das nicht an unserem Kind auslassen, aber was tun, wenn sich die Oma einfach nicht zusammenreißen will mit ihren verbalen Ausdrücken vor der Kleinen?
Seine Mutter ist Anja ständig mit dem Fingern in den Mund gefahren, und sie raucht!! Hat sie ständig auf den Mund geküsst. Wenn sie geweint hat, musste ich ihr nachlaufen, dass ich mein Kind wiederbekomme! Sie drängt ihren Sohn ständig, mich zu überreden, die Kleine allein auf Besuch zu ihr zu geben. Ich bin in der Wohnung nicht mehr erwünscht, ihr Enkelkind wollen sie nur ohne meine Anwesenheit sehen und bei ihnen in der Wohnung, wo ich keinen Zutritt habe. Zum 1. Geburtstag sind sie nicht erschienen, da sie es mit mir nicht mehr aushalten würden in einem Raum. Wenn wir in Geldnot waren, habe ich nur gehört, dass sie ihrem Sohn ja Geld geben würden und ihren Enkelkind. Aber sie möchte nicht, dass ich auch etwas davon habe.
Ich habe schon öfter probiert, mit ihr zu reden. Leider ohne Erfolg, denn meistens komme ich nicht zum Reden und es wird nur auf mich losgegangen. Als bekannt wurde, dass ich mich von ihrem allesgeliebten Sohn trenne, war es der Rest. Ich habe ihnen einen Brief geschrieben, in dem steht, sie können gerne die Kleine bei mir besuchen oder sehen und ich es akzeptieren muss, dass sie mich nicht mögen. Als Antwort kamen nur Beschimpfungen. Jetzt verbiete ich den Kontakt mit ihr.
Ist es das Richtige gewesen? Wie hätte ich sonst reagieren sollen? Schließlich hatte mein Kind ständige Schreiattacken von den ganzen Streitereien. Jetzt bin ich alleine und seit der Kontakt nicht mehr herrscht, ist mein Kind auch viel ruhiger. Mein Ex hatte unser Kind zweimal mit bei seinen Eltern. Zurück bekam ich ein völlig verstörtes Kind, das sich nicht mehr beruhigen ließ. Sie hat ins Bett erbrochen und in der Nacht fürchterlich aufgeschrien. Ich kann es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass unser Liebling ohne meine Obhut bei seinen Eltern ist. Was für Alternativen hab ich da? Ich will schließlich nicht ewig die Böse sein. Corinna.
Liebe Corinna,
Ihre kleine Tochter ist derzeit bei Oma wirklich nicht gut aufgehoben. Zigarettengestank, Schimpfworte, In-den-Mund-fassen, unerwünschte Zärtlichkeiten, Mama-schlecht-Machen ... Das ist zuviel für ein 15 Monate altes Mädchen!
Ich finde es richtig, dass Sie den Großeltern angeboten haben, sich bei Ihnen (oder zumindest in Ihrem Beisein) mit dem Enkelkind zu treffen. Wenn Oma dann nicht kommt, ist es ein "Kontaktstopp", den sie sich selber zuzuschreiben hat. Sie hätten die Kontaktsperre gar nicht mehr aussprechen müssen.
Die Frage ist allerdings, ob sich die von Ihnen gewünschte Regelung (sich nur bei/bzw. mit Ihnen mit dem Kind zu treffen oder gar nicht) durchhalten lässt. Das Problem sind das Sorgerecht und das Umgangsrecht.
Haben Sie das bei unverheirateten Paaren übliche alleinige Sorgerecht? Dann haben Sie gute Karten. Sie dürfen alle Angelegenheiten des Kindes allein entscheiden. Ihr Expartner hat kein Mitspracherecht. Allerdings hat das Kind ein Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen. Ihr Ex könnte das einklagen und an "Vatertagen" mit dem Kind zu seinen Eltern gehen. Dann könnten Sie höchstens noch versuchen, betreuten Umgang durchzusetzen. Das heißt, dass jemand dabei ist, wenn Vater, Großeltern väterlicherseits und Kind zusammen kommen. (Da das aber den Staat Geld kostet, kriegt man so etwas nur hin, wenn wirklich haarsträubende Zustände herrschen. Und auch nur für kurze Zeit. Dann stehen Sie wieder alleine da.)
Haben Sie mit Ihrem Partner das gemeinsame Sorgerecht, sieht es noch schlechter aus. Das bedeutet nämlich, dass beide Elternteile gleichberechtigt über "Angelegenheiten von besonderer Bedeutung" für das Kind entscheiden dürfen. Dazu gehört auch, wo sich das Kind aufhält. Der Vater darf also nach der Trennung von Ihnen trotzdem mit seiner Tochter zu seinen Eltern gehen.
Meinungsverschiedenheiten mit Oma und gegenseitige Abneigung (und sogar Auffälligkeiten beim Kind nach einem Papa-Besuchstag!) reichen nicht aus, um einem Vater das Sorgerecht wegzunehmen. Nur wenn er gewalttätig war, könnten Sie vor Gericht das alleinige Sorgerecht beantragen (mit Prozesskostenhilfe, wenn Sie kein Geld haben). Dann wird das Jugendamt eingeschaltet, redet mit allen Beteiligten und schreibt danach eine Stellungnahme für die Richter. Diese treffen dann eine Entscheidung, die sich auf die Beobachtungen des Jugendamtes stützt, und sagen, welcher Elternteil das Sorgerecht bekommt. Im schlimmsten Fall sind das dann plötzlich nicht Sie, das hat es alles schon gegeben.
Es gibt eine sehr ordentlich gemachte Site für Alleinerziehende mit Forum, die ich Ihnen empfehlen möchte: www.alleinerziehend.net. Dort tauschen sich Mütter bzw. Väter aus, die in einer ähnlichen Lage sind wie Sie. Man muss sich anmelden. Vielleicht aber haben diese Eltern mit bestimmten Taktiken gute Erfahrungen, die ihnen nützen können. Auch zu rechtlichen Fragen gibt es dort klare, gut verständliche Antworten. Lesen Sie mal rein! (Hier z.B. gleich mal was zum Umgangsrecht.)
Sie schrieben, Sie wollen nicht ewig die Böse sein. Finde ich gut! Kämpfen Sie darum, mit Respekt behandelt zu werden. Dann können Sie auch wieder lieb sein. Schreien und streiten Sie nicht mit. Machen Sie der Ex-Schwiegermutter eiskalt klar, dass das Gezerre ein Ende haben muss. Sonst wird früher oder später eine von beiden Seiten ein Gericht bemühen müssen. Das wird keiner wirklich wollen. Selbst wenn man Prozesskostenhilfe kriegt, kostet es doch viel: Nerven, Zeit, Bürokratie...
Lieber sollte man über Kompromisse nachdenken. Dann kriegt eben keiner seinen Willen. Vielleicht funktioniert ein Treffen an dritter, neutraler Stelle. Und wenn dabei die Seite Ihres Lebensgefährten zahlenmäßig überrepräsentiert ist und alle auf Ihnen herumhacken, holen Sie sich jemanden an Ihre Seite. Zum Beispiel eine gute Freundin. Sie soll nicht für Sie streiten, sondern beschwichtigen und moderieren können. Wird vonseiten der Großeltern väterlicherseits kein Kompromiss akzeptiert, liegt m.E. klar auf der Hand, dass es ihnen nicht um das Kind geht. Sondern darum, Ihnen zu zeigen, "wo der Hammer hängt". Dann dürfen Sie mit gutem Gewissen auf Abstand zu dieser Familie gehen.
Noch ein Tipp: Machen Sie Ihre Angebote schriftlich, mit Datum, behalten Sie eine Kopie davon und bewahren Sie die Antworten gut auf.
Uta Alexander
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