Pixars Großväter. Warum die alten Kerle so liebenswert sind

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Carls Leben ist ein langweiliger Trott und er hat es ziemlich satt, - bis zufällig ein kleiner dicker Junge an seine Tür klopft. Spröde alte Herren sind das Salz in jeder Filmsuppe! Es gibt noch mehr Helden wie Carl. (Fotos: Pixar Animation Studios)

Seit Toy Story 1 und 2, Die Monster AG oder Ratatouille sind die Pixar Animation Studios die höchste Instanz für animierte Spielfilme. Nun bringen die Trickfilm-Götter die Geschichte der Abenteurer Russell und Carl in die Kinos, den Film OBEN. Russell ist ein überaus optimistischer 8-jähriger Junge, während Carl Fredricksen ein überaus mürrischer, resignierter Mann von 78 Jahren ist. Trotzdem muss man ihn einfach lieben. Denn er besinnt sich und startet nochmal durch, ohne sich zu verleugnen. Ein Schmuseopi wird er nie.

Ein Rückblick zeigt, dass Carl nicht der erste betagte Eigenbrödler ist, den die in Disney/Pixar-Leute erschufen. Fast könnte man meinen, dass spröde Typen wie er zum Erfolgsrezept eines Filmklassikers gehören.

Hier kommen Carls Vorgänger:

Großvater Geri (1997)

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(Geri, alleinlebend, 90, Schachfreak)

Er ist der Haupt-Held und einzige Darsteller in Geri’s Game, einem Animations-Kurzfilm von nur 5 Minuten Länge, der einen Oscar für „Bester animierter Kurzfilm“ gewann. Der grauhaarige, leicht verwirrte Schachspieler Geri (90) erinnert ein bisschen an den Schauspieler Jonathan Harris, der später die Synchronisation dieser Figur in Toy Story 2 übernahm, wo Geri den Arm von Cowboy Woody repariert. Kein anderer traute sich das zu.

Regisseur Jan Pinkava erklärte, Geris Figur sei ein Abbild seiner älteren Verwandten, vor allem aber seines eigenen Großvaters, der sehr gern Schach spielte.

Cornelius (1982)

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(Cornelius, ein cholerischer, fortschrittsfeindlicher Ameisengreis)

Er ist in Das große Krabbeln ein querulanter Rentner mit konservativen Ideen, der alles Neue und Moderne ablehnt – also jemand, dem viele von uns schon einmal begegnet sind, nur eben nicht in Gestalt einer Ameise. Der Film gilt weithin als ein Meisterwerk der Animation und wurde für einen Oscar nominiert.

Cameo-Charaktere

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(Cameo bedeutet, dass echte Bekannte der Animatoren kurz durchs Bild huschen. Eine Verneigung vor hoch verehrten und geliebten Alten!)

Brad Bird, Drehbuchautor bzw. Regisseur von Die Unglaublichen" und Ratatouille, ist ein großer Fan der „Neun alten Männer“ von Disney. So heißen die legendären Animatoren, die von der ersten Stunde an mit Walt Disney zusammenarbeiteten.

In Die Unglaublichen zollt Bird zwei von diesen Disney-Urgesteinen – Frank Thomas und Ollie Johnston – Tribut. Die beiden haben Auftritt in einer kurzen Szene nach dem Sieg der Unglaublichen über einen bösen Roboter.

„Hey, hast du das gesehen? So muss das gemacht werden. Das ist die alte Schule“, sagt Frank zu seinem Freund. Worauf Ollie erwidert: „Ja, es geht nichts über die alte Schule.“ Ollie Johnston, der an Klassikern wie Schneewittchen und Das Dschungelbuch mitgearbeitet hatte, lebte zur Entstehungszeit des Films noch, verstarb aber im April 2008 im Alter von 92 Jahren.

Doc Hudson (2004)

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(Doc Hudson, ein heißer Schlitten, der noch lange nicht zum alten Eisen gehört)

Doc besitzt menschliche Eigenschaften, wie alle Autos in Cars. Der Film erzählt, wie der schnittige junge Rennwagen McQueen versehentlich in einem vergessenen Wüstenkaff landet. Dort findet er neue Freunde, unter denen sich auch das alte Rennauto Hudson Hornet befindet, ein 1950er Modell, das des Lebens müde ist.

Dieser Charakter basiert auf dem echten Rennwagen „Fabulous Hudson Hornet“, der für seine fantastische Leistungen beim NASCAR Grand National von 1951 und 1952 berühmt war. In "Autos wie wir" (Cars) trauert Doc Hudson immernoch wegen seines Versagens beim NASCAR-Rennen von 1954, aber durch seinen jungen Freund ändert er sich allmählich. Erst der gestählte alte Kämpfer macht McQueen dann zum Star.

Bei den echten NASCAR-Rennen gab es mit Richard Petty auch so eine Legende. Petty wird noch immer “König von NASCAR “ genannt. Er folgte einer Familientradition, ist Sohn, Vater und Grossvater herausragender Rennfahrer. Sein Können, Wagemut und "Biss" leben in würdigen Nachfolgern weiter.

Carl Fredricksen (2009)

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(Der verwitwete, trübsinnige Sesselhocker hat sein Leben wieder fest im Griff - und genießt es)

Der Freak mit der Pilotenbrille besitzt als animierter Filmheld eine richtige "runde" Biografie. Aus dem verträumten Jungen wurde ein knurriger, latent aggressiver Kauz, der vor List und Lüge nicht zurückscheut, nur um seine Ruhe zu haben. Bis er endlich wieder richtige Feinde hat. Und Schützlinge, die zu ihm aufblicken.

„Carl ist fast 80, aber immernoch voller Leben", sagt John Lasseter, Kreativ-Direktor von Disney/Pixar. "Er macht aus seinem Haus ein fantastisches Luftschiff und fliegt mit ihm um die Welt zu einem andern Kontinent … isst aber natürlich weiterhin jeden Tag pünktlich um 3 Uhr 30 zu Mittag.“

Nach dem Erfolg des Films auf den Filmfestspielen von Cannes scheint bewiesen, dass ein alter Mann nicht nur in Nebenrollen brillieren kann, sondern auch einen vielschichtigen und interessanten Hauptdarsteller abgibt. Carl ist der wohl herzerwärmendste, unvergesslichste, menschlichste Alte, der bislang im Animationsbereich zu sehen war. (PM)

Veröffentlicht am 20. August 2009. (1005 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann