Was können Erwachsene von Kindern lernen?

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Was können Erwachsene von Kindern lernen? Das ist eine von sieben Fragen, die Dirk von Nayhauß im hier vorgestellten Porträt-Buch "Sieben Fragen an das Leben" 40 Männern und Frauen stellt. Einige Antworten lesen Sie unten.

Ich entdeckte das Buch im Wartezimmer einer Ärztin. Zu ihr kommen Leute zum "Schlauch-Schlucken", das tut sich ohne guten Grund niemand an. Wer hier sitzt, ist verstört, beklommen, ängstlich: Was, wenn sie was findet? Was kommt dann auf mich zu?

Dass die Ärztin ihren Patienten gerade dieses Buch hinlegt statt der üblichen bunten Journale, wirkt wie ein wortloser Kommentar: Irgendwann stellen sie sich nun mal, die Lebensfragen. Hier sind, bitteschön, ein paar Antworten.

Es ist ein Bildband mit kurzen Texten. 40 Männer und Frauen antworten auf sieben Fragen, alle auf dieselben. Bis zu zwei Stunden dauerte so ein Gespräch mit Dirk von Nayhauß, der Journalist, Fotograf und Psychologe ist. Es sei ein Versuch gewesen, herauszufinden, was einen zufriedenen Menschen ausmacht, sagt er. Einige seiner Wunschkandidaten verweigerten sich. So viel zutiefst Privates wollten sie nicht preisgeben.

Was sind überhaupt Fragen an das Leben? Wie müssen sie beschaffen sein, dass sie genug Stoff hergeben für ein Buch von 200 Seiten? Simpel, wie sich zeigt: Welche Liebe macht Sie glücklich? In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig? An welchen Gott glauben Sie? Hat das Leben einen Sinn? Muss ich den Tod fürchten ...

Man stellt sich solche Fragen nicht selbst. Zuviel Pathos, passt irgendwie nicht in den Alltag. Umso erstaunlicher ist die Erkenntnis: Antworten lagern, schemenhaft und unausgereift, längst im eigenen Kopf!

Die von Nayhauß’ Kandidaten sind so unterschiedlich wie ihre Lebenseinstellungen und Lebenswege. In einigen Punkten aber stimmen sogar Menschen miteinander überein, die krasse Gegensätze verkörpern. So sind etwa Träume, die man sich unbedingt noch erfüllen will, selten "materiell": Mit den Liebsten alt werden, gesund bleiben... Das will der einstige "Berufsobdachlose" Fahrenkrog-Petersen genauso wie der Politikberater Roland Berger. WerbeGuru Holger Jung wäre dereinst gern ein "würdiger Padre", ein weises Familienoberhaupt, Anlaufstelle, wenn es ums Entscheiden wichtiger Dinge geht. Kein "schlaffer Opi", sondern einer, der "sich im Griff hat und auch noch attraktiv ist". Bischof Wolfgang Huber verzichtet auf Äußerlichkeiten, möchte aber für seine Söhne und Töchter "noch lange ein Fels in der Brandung sein, die sie zu durchqueren haben." Das müsste doch zu schaffen sein!

Nayhaus sagt, er habe viel gelernt bei der Arbeit an diesem Buch. Sie sei spannend, begeisternd und voller Momente anrührender Offenheit gewesen. Beim Lesen geht es einem ähnlich. Wenn Wolfgang Schäuble, nach einem Attentat im Rollstuhl sitzend, davon redet, dass Kinder nicht alles selber können, nicht alles berechnen müssen, nicht für alles verantwortlich sind, ist das so ein Moment.

Für GroßelternReport haben wir einige Rosinen aus dem Text gepickt. Selbst wer keine hatte, gewinnt Kindern Einiges ab. Peter Sodann allerdings fordert, Kinder sollten lieber von Erwachsenen lernen, statt umgedreht. (Eine Ansicht, die er mit Ströbele teilt, wer hätte das gedacht!) Er für seinen Teil lerne am liebsten von seinem Dackel. Ich kann mir diesen Querkopf als super Opa vorstellen! Im lebendigen Kontext machen die Kinder-Kommentare, die wir hier in Stichworten bringen, natürlich noch mehr Spaß. U.A.

Also,

Was können Erwachsene von Kindern lernen? Zeitgenossen antworten:

Caroline Link:

  • Entdeckungslust und Neugier – jeder Grashalm, jeder Kochlöffel ist spannend!
  • die Lust, sich zu bewegen
  • so schlau zu sein, die Schwächen von jemandem für sich zu nutzen

Susanne Lothar:

  • nicht sein gesamtes Leben planen und regeln zu wollen

Hans-Joachim Maaz:

  • die Spontaneität, das Spielerische, den Spaß am Leben, das Unbedachte, Neugierige, Unternehmenslustige
  • mit Gefühlen reagieren zu können, statt mit dem Verstand
  • Trost suchen und finden durch Körperkontakt

Rüdiger Nehberg:

  • Vertrauen zu haben, so lange, bis es enttäuscht wird

Baron Alfred von Oppenheim:

  • sich über Kleinigkeiten spontan zu freuen

Lilo Wanders:

  • ohne Ziel etwas tun
  • alles um sich herum vergessen
  • sich im Spiel verlieren

Sven Ottke:

  • nicht alles so ernst zu nehmen

Eva Padberg:

  • sich selbst nicht so ernst nehmen
  • sehen, dass es schönere Sachen gibt als das Business

Petra Pau:

  • unumstößliche Wahrheiten infrage zu stellen

Claudia Pechstein:

  • die ehrliche Meinung zu sagen

Hartwig Piepenbrock:

  • unbeschwerte Fröhlichkeit
  • Lernen als Charaktereigenschaft

Matthias Prinz:

  • Mehrdimensionalität. Kinder nähern sich unbekannten Dingen von unterschiedlichen Richtungen, statt nur von einer.
  • mit Vergnügen durch den Tag zu gehen

Wolfgang Schäuble:

  • sich nicht für alles selbst verantwortlich zu fühlen
  • wissen, dass man nicht alles selber machen kann
  • zu wissen, dass man einen Raum im Leben geschenkt bekommen hat, den man nutzen darf

Renate Schmidt:

  • Neugier auf das Leben
  • Grundvertrauen in die Welt

Hanna Schygulla:

  • das Ganz- im –Augenblick-Sein
  • was man will, jetzt zu wollen
  • dass die Gegenwart das Dringende und Eigentliche ist
  • Gespräche zu führen, die einen aufladen und entzücken und mit dem in Verbindung bringen, was man im Leben braucht

Heide Simonis:

  • Unbefangenheit beim Malen, Singen, Tanzen. Keiner, der Kindern zuguckt, hält sie für verrückt.

Peter Sodann:

  • Ich lerne lieber von meinem Dackel. Der freut sich jeden Morgen, dass Gott ihm wieder einen Tag geschenkt hat.

Hans Christian Ströbele:

  • Ich finde die Idealisierung von Kindern falsch. Sie können ungeheuer böse bis grausam sein.

George Tabori:

  • stürmische Freude

Joseph Vilsmaier:

  • zu sagen, was einem auf dem Herzen liegt

Konstantin Wecker:

  • Langsamkeit, nicht hetzen, nicht drängeln

Markus Wolf:

  • das ungeschminkte Ausdrücken von Gefühlen, Eindrücken und Einschätzungen anderer Menschen

Juli Zeh:

  • Leben in Fantasiewelten
  • dass Grenzen zwischen Erlebtem und Erfundenem verschwimmen können

Roland Berger:

  • Behütet-werden-Wollen,
  • den unbedingten Wunsch, sich durchzusetzen
  • dumme Fragen zu stellen

Peter-Jürgen Boock:

  • unbefangen Dinge anzufassen

Eva Ebner:

  • Fragen ohne Angst, aufdringlich zu sein

Vito von Eichborn:

  • Hemmungslosikeit, Dinge zu benennen
  • Drauflosgehen. Von der dritten Treppenstufe springen statt von der zweiten
  • nicht infrage zu stellen, dass das Leben schön ist

Ursula Engelen –Kefer:

  • einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit

Rolf Fahrenkrog-Petersen:

  • unkompliziertes Denken

Anthony Ho:

  • dass einem die Arbeit nicht wegrennt, aber die Kinder,

Roland Hetzer:

  • ein Gespür dafür, was ehrlich oder falsch ist

Stefanie Hertel:

  • das Jetzt-Leben

Wolfgang Huber:

  • die Unbefangenheit des offenen Blicks
  • die Freiheit des Fragens
  • die Lust am zweckfreien Spiel
  • die unbefangene Gottesbeziehung

Ismael Ivo:

  • Freude am Experimentieren
  • seine Phantasie, Vorstellungskraft und Spontaneität nicht den Vorstellungen anderer zu unterwerfen

Holger Jung:

  • ausgeprägten Egoismus zu haben
  • etwas so lange zu machen, bis man die Lust daran verliert
  • sich nicht in Formalitäten pressen zu lassen

Hans Kammerlander:

  • brutale Ehrlichkeit

Franz Keller

  • offene Kommunikation. Ich schaue gern in Kinderwagen rein. Und dann guckt der eine ein bißchen kritisch, der andere lächelt.

Jutta Limbach:

  • die Fähigkeit, Trost zu spenden

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Veröffentlicht am 14. August 2009. (1012 Tage alt) in Buchtipps
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann