Papa ist böse, darum fallen die Ferien bei Oma und Opa aus
Unser Sohn lebt seit einem Jahr von seiner Frau getrennt. Leider können die beiden nicht mehr normal miteinander sprechen. Es ist schon so weit, das sie sich gegenseitig anzeigen. Unser Enkel Leo (5) bekommt diesen Hass ständig mit.
Erst wohnte er nebenan. Dann zogen seine Eltern aus beruflichen Gründen 400 Kilometer weit weg. Es war uns nicht zuviel, ihn trotzdem regelmäßig zu besuchen. Leo war auch des Öfteren bei uns. Wir lieben ihn über alles. Seit der Trennung ist alles schwierig geworden. Kürzlich hat die Schwiegertochter uns trotz fester Zusage eine von zwei Wochen Urlaub mit Leo gestrichen. Ein anderer geplanter Urlaub wurde, da es zwischen ihr und unserem Sohn wieder eskaliert, ganz gestrichen.
Leo ist, glauben wir, beiden egal. Hauptsache, es kann einer dem anderen weh tun. Jedesmal wenn der Junge bei uns ist und dann wieder nachhause muss, sagt er, er möchte für immer bei uns bleiben. Als wir ihm erklärten, dass das nicht geht, dass er zu seiner Mutter zurück muss, antwortete er: "Aber wenn Mama und Papa gestorben sind, kann ich für immer bei euch bleiben!" Es tat uns so weh, so einen Ausspruch von ihm zu hören. Mir laufen gerade wieder die Tränen die Wangen herunter.
Wir haben versucht, beim Jugendamt Hilfe zu bekommen, aber als mein Mann versuchte, dort anzurufen, wurde er sofort abgeblockt. Nicht mal ein Beratungsgespräch war möglich.
Unser Sohn will uns in Zukunft einige Tage seines Urlaubs mit Leo abtreten, aber das möchten wir auch nicht, denn für einen Jungen ist es wichtig, mit seinem Vater zusammen zu sein. Wir würden alles für unseren Enkelsohn tun, denn er leidet sehr. Wir wissen aber nicht mehr, was wir tun sollen, denn ein Gespräch mit unserer Schwiegertochter ist nicht mehr möglich. Auch auf eine SMS, in der wir sie heute baten, uns Leo doch noch für eine Ferienwoche zu lassen, hat sie nicht geantwortet.
Auch hat uns Leo erzählt, dass seine Mutter gesagt hat, er dürfte bald nicht mehr zu seinem Vater, weil "Papa böse ist." Weiß sie nicht, was sie ihrem Kind damit antut?! Unser Verhältnis zu unserem Sohn ist auch nicht so gut, weil wir der Meinung sind, dass er nicht genug kämpft für Leo. Wir sind völlig verzweifelt und mit den Nerven am Ende. Petra H.
Liebe Petra,
Hilfe für Trennungsgroßeltern gibt es, wenn überhaupt, bei dem von uns kürzlich vorgestellten Verein.
Ich rate Ihnen vor allem, Ihr Verhältnis zu Ihrer Ex-Schwiegertochter zu überdenken.
Natürlich betrachtet sie Sie als "Handlanger" ihres Ex-Partners. Nur wenn sie sich mit ihren Sorgen und Nöten von Ihnen verstanden fühlt, ist sie innerlich auch bereit, sich Ihren Wünschen zu öffnen. Stellen Sie sich probehalber auf ihren Standpunkt.
Bieten Sie Ihrer Ex-Schwiegertochter an, sie zu unterstützen organisatorisch, emotional, finanziell, ... wie auch immer. Sie könnte es tatsächlich brauchen. Damit sie Ihnen vertrauen kann, sollte sie wissen, dass das Scheitern der Ehe Ihnen leid tut und dass Sie sie nie gegenüber jemandem schlecht machen werden, weil immer beide schuld sind... etc. (Falls Sie früher anders geredet haben: Sie haben neu nachgedacht, sehen Vieles in anderem Licht, auch das Verhalten Ihres erwachsenen Sohnes!)
Sehen Sie der Ex-Schwiegertochter Patzer nach, greifen Sie sie nicht an wegen nicht eingehaltener Zusagen, auch wenn Sie das wurmt. Es ist jetzt nicht die Zeit für Kritik. Immerhin hatte sie seinerzeit nicht beide Wochen gestrichen! Wenn sie jetzt auf SMS nicht antwortet, schreiben Sie trotzdem wieder. Vielleicht haben Sie sie tatsächlich gekränkt. Oder wer weiß, was ihr über drei Ecken zugetragen wurde... Möglicherweise hat Ihr Sohn seiner Frau gesagt, Sie würden sie verachten. Hüten Sie sich davor, im eigenen Interesse. Erinnern Sie sich an die guten Züge der jungen Frau.
Wenn Sie nicht an die Kindesmutter herankommen, versuchen Sie es über Dritte. Telefonieren Sie z.B. mit den anderen Großeltern oder ehemaligen gemeinsamen Freunden des Paares. Sprechen Sie mit diesen Menschen in warmen Worten über Ihre ehemalige Schwiegertochter, - dass Sie ihr nichts Böses wollen oder nachsagen... Sie können sicher sein, dass sie es erfährt und über ein Einlenken nachdenkt. (Meckern Sie aber auch nicht über Ihren Sohn, das facht nur das Feuer neu an, nur in der anderen Richtung. SIE SIND NEUTRAL! Die Schweiz in Person!)
Machen Sie nicht denselben Fehler wie die Schwiegertochter und setzen sie in den Augen des Kindes herab. "Böse", "schlechte" Eltern zu haben, bedeutet für ein Kind, dass ein Teil von ihm selbst schlecht ist. Damit lebt es sich schwer. Ein Beispiel: "Du musst zurück zu Mama" ist keine neutrale Formulierung. Das Kind kann heraushören, dass Mama aus Omas und Opas Sicht keine gute Person ist.
Und es klingt nach Mitleid. Ein Kind in der Situation Ihres Enkels braucht aber nichts, was es bedauernswert macht, sondern Selbstbewusstsein, Ruhe und Kraft. Eine Auszeit mit neuen Erlebnisse bei den Großeltern wäre hilfreich. Verhindern Sie sie nicht durch Ungeschick. Belesen Sie sich über den Umgang mit Scheidungskindern!
Was Ihren Sohn angeht: Ich hoffe, dass er seine "Kampftaktik" subtiler gestaltet. Und sich überlegt, ob er mit seiner Frau auch sein Kind zerstören will. Derzeit richtet er doppelt Schaden an: Er macht dem Jungen die Mutter wütend und böse, - und entzieht ihm seine väterliche Liebe.
Sie sehen es ganz richtig: Das Angebot, den Großeltern Vaterzeit abzutreten, ist nicht nur Nettigkeit, sondern auch bequem. Bitten Sie ihn, Ihnen nicht das Konzept zum Frieden mit der Ex-Schwiegertochter zu vermasseln. Vielleicht schaffen es die beiden Krieger ja doch irgendwann, diese Elternvereinbarung zu schließen, die der o.g. Verein empfiehlt.
Die Zeit bis zum nächsten Hoffnungsschimmer könnten Sie mit Post an das Kind überbrücken. Beipiele gibt es bei GroßelternReport.
Schreiben Sie nichts Tragisches, wie "Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!", sondern erzählen Sie aus ihrem Alltag oder knüpfen an Dinge an, die er bei Ihnen erlebt hat, etwa: Wir ernten gerade die ersten Pflaumen etc.,- mit lustigen Fotos. Das Kind soll ja nur wissen, dass es in Ihren Gedanken ganz selbstverständlich einen festen Platz hat, Sie sind ein stabiles Element in seinem Leben. (Gruß an Mama am Ende nicht vergessen!)
Ich drücke Ihnen beide Daumen, dass sich die Lage noch entschärft. Behalten wenigstens Sie jetzt einen kühlen Kopf. Vermutlich wäre es gar nicht so gut gewesen, wenn das Jugendamt jetzt auf Ihre Bitte hin eingeschritten wäre. Die Kindesmutter hätte das wieder als Angriff auf sich aufgefasst, und das verbittert sie nur endgültig. Es geht nur mit sehr viel Feingefühl und Diplomatie zurück zu Normalität und Frieden.
Uta Alexander


