Nicht einmal beim Fest im Kindergarten sind wir erwünscht

immer wieder muß ich feststellen, dass im Leben meines Sohnes und seiner Lebensgefährtin für meinen Mann und mich nicht wirklich ein Stückchen Platz ist. Beide sind schon zehn Jahre zusammen und haben eine süße Tochter von 4 Jahren, die wir einmal in der Woche vom Kindergarten abholen dürfen (mitunter auch öfters) und am Morgen darauf wieder hinbringen. Darüber sind wir sehr glücklich. Es ist für uns mit die schönste Zeit in der Woche.

Bisher sahen wir uns alle immer nur Weihnachten, Ostern und an den Geburtstagen, obwohl wir in einem Ort wohnen. An dem 4. Geburtstag unserer Enkelin, an dem eigentlich nur für die Kinder eine Feier sein sollte, durften wir dann als Großeltern doch noch nach zweimaligen Nachfragen zum Gratulieren kommen.

Später erfuhren wir, dass am Tag darauf bei den anderen Großeltern im Garten gefeiert wurde, ohne uns. Unsere Schwiegertochter hat eine sehr starke Bindung an ihre Familie. Ich habe den Eindruck, dass wir nie eine Chance hatten, wenigstens einen kleinen Platz bei ihr einnehmen zu können, leider habe ich das Gefühl mittlerweile auch bei meinem Sohn. Wir fühlen uns wie Fremde.

Vom Sohn wurde ich schon öfters einfach an der Tür abgefertigt, obwohl ich ja absichtlich nur selten vorbei schaue, eigentlich nur, wenn ich die Kleine manchmal hin bringe. Am Geburtstag der Schwiegertochter versuchten wir den ganzen Tag, sie zu erreichen, nicht nur telefonisch, sondern auch per SMS. Keine Chance. Das Telefon war angeblich leise gestellt worden. Es kam auch kein Rückruf, obwohl man am Telefon ersehen kann, wer angerufen hat. Am nächsten Tag brachten wir unser Geschenk vorbei und gingen nach einer halben Stunde. Da die Mutter unserer Enkelin nicht zuhause war, bedankte sie sich später per Telefon. Ohne Bedauern, dass wir uns verfehlt hatten.

Freunde haben mir geraten, kürzer zu treten und das alles weg zu lassen. Besonders ich bin aber sehr unglücklich über den Verlauf unserer persönlichen Kontakte. Ich habe schon totale Komplexe und suche natürlich die Schuld bei mir. Dränge ich mich zu sehr auf, obwohl ich mich doch schon so zurückhalte?

Ich habe mich hin und wieder im Kindergarten engagiert, da mein Hobby auch Kuchenbacken ist. Die Kindergärtnerin hat mich selbst daraufhin angesprochen, ebenso auch mal eine Einladung ausgesprochen als ein Fest in der Kita war. Als unsere Schwiegertochter verspätet zu dieser Feier erschien, mussten wir leider erleben, wie wenig eigentlich unser Erscheinen erwünscht war, sie war regelrecht enttäuscht über unser Erscheinen.

Ich habe meiner Schwiegertochter daraufhin gesagt, dass Oma und Opa doch gern helfen, wenn die Eltern beruflich verhindert sind, denn wir zwei gehen nicht mehr arbeiten. Wichtig ist doch für das Kind, dass in solchen Situationen überhaupt jemand da ist. So finde ich es auch wichtig, dass Eltern und Großeltern hin und wieder auch mal zusammenkommen und sei es wenigstens aus Anlaß des Kindergeburtstages. Das muß keine großartige Feier sein, es wäre ja auch schon gut, wenn man sich kurz zum Kaffee trifft, es ist doch nun mal ein ganz besonderer Tag für die Kleine. Wir werden wohl ewig Fremde sein. So nach und nach wird nun das wenige, was uns näher bringen würde, leider abgeschafft.

Mein Mann ist 67 und ich 64, die gesündesten sind wir nicht, auch wenn wir rüstig aussehen. Mir wird ganz komisch wenn ich darüber nachdenke. Ich frage mich natürlich immer wieder, wieso und warum das so ist. Ist das die heutige Zeit? Aber im Freundeskreis geht es ja auch anders. Vielleicht sehen wir ja da wirklich einiges falsch. Wie verhalten wir uns nur richtig, bevor noch ein größerer Keil zwischen uns kommt? Cordula S.

Liebe Cordula,

es gab ja durchaus positive Entwicklungen. Sie haben jetzt diesen "Kindertag" einmal pro Woche statt wie früher nur die Feste. Wunderbar! Sie können sicher sein, dass Sie in der "Weltordnung" Ihrer Enkeltochter einen festen Platz haben. Für immer. Gerade jetzt, mit vier Jahren merkt sie sich, was Sie sagen und tun. Sie beobachtet sehr genau und kriegt mit, was Ihnen wichtig ist, wie Sie miteinander umgehen... Das prägt. Diese Jahre bis zur Schule sind das dankbarste Enkel-Alter überhaupt, und Sie sind in dieser Phase mit dem Kind zusammen. Einmal wöchentlich ist für viele Großeltern der Gipfel ihrer Wünsche!

Ihr Sohn ist ein fertiger Mensch, für ihn haben Sie das Wichtigste schon getan als er es brauchte. Lassen Sie ihn einfach in Ruhe, wenn er es jetzt so will, er wird erleichtert sein. (und womöglich wieder zugänglicher!) Für seine Kleine können Sie noch die Welt ausbreiten: Fragen, Erzählen, Spaß haben... Einfach Dasein und schöne Momente genießen... Für sie sollten Sie möglichst auf eine Weise alt werden, dass sie später mal keine Angst davor hat. Nicht klagend, sondern selbstsicher, entspannt und von Freuden umgeben. Das ist indirekt auch eine Gabe an ihren Sohn.

Ich erzähle Ihnen sicher nichts Neues, wenn ich erwähne, dass die Liebe - wie auch Ähnlichkeit und Seelenverwandtschaft - häufig eine Generation überspringt. Lassen Sie also Ihren Sohn einfach beiseite und grämen sich nicht. Wer weiß, was ihn umtreibt: Karriere, erste Zipperlein, ein gewisser Ehefrust nach vielen Jahren mit einer gestressten Partnerin... Ich kenne keinen Mann, der so etwas mit den Eltern teilen würde. Denken Sie mal an sich in seinem Alter. Oder fragen Sie Freunde: Nahmen die Eltern in der Mitte ihres beruflichen Lebens in ihrem Kopf viel Platz ein?

Wahrscheinlich sind Sie Ihrem Sohn immer eine gute und verlässliche Mutter gewesen. Es kann durchaus sein, dass Sie auch jetzt für ihn eine sichere Bank sind: der Mensch, der alles verzeiht und um den man sich nicht groß bemühen muss, weil er einen sowieso liebt. Wenn er eventuell ein bißchen faul und unsensibel ist, sind seine Eltern einfach nicht auf der "Liste" mit den wichtigen Aktivitäten.

Beruhigend finde ich, dass Sie einen Freundeskreis haben, bei dem Sie sich ein bißchen ausheulen können. Dafür sind Freunde auch da. Und diese Freunde raten Ihnen sogar, was ich auch geraten hätte, nämlich: Überflüssige Formalitäten weglassen! Erwachsenen-Geburtstage zum Beispiel. Die werden heute häufig im Freundeskreis gefeiert, nicht mit der Familie. Die Freundschaften sind enorm wichtig. Oft sind es Netzwerke, die man auch beruflich braucht. Themen unter Freunden sind andere als mit Verwandten... Was ich sagen will: Es ist nicht unbedingt böse gemeint, wenn man Sie als Mutter derzeit kurz hält.

Wenn die Kindergärtnerinnen Sie einladen, gehen Sie hin, egal, was die Schwiegertochter für ein Gesicht macht. Drängen Sie sich nur nicht in den Mittelpunkt. Machen Sie ansonsten alles wie bisher: Kurze (!) Dates mit Sohn und Schwiegertochter. Zeigen, dass Sie woanders willkommen sind, eigene Pläne und Verabredungen haben... Klagen Sie nie, machen Sie nie ein beleidigtes Gesicht. Reden Sie mit Sohn und seiner Frau über die Enkelin. (z.B. "Heute auf den Heimweg hatten wir ein tolles Gesprächsthema ...") Das wird die Eltern interessieren, denn Sie kriegen als Großmutter ganz andere Facetten der kindlichen Gedankenwelt mit als die Eltern. Omas werden ganz andere Fragen gestellt.

Also, liebe Cordula, halten Sie Ihren Zipfel vom Glück fest!

Uta Alexander

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Veröffentlicht am 15. Januar 2010. (230 Tage alt) in Kummerkasten
 

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