Oma ist die Favoritin, Opa hat's schwer

Wir haben eine Enkelin von 3 1/2 Jahren. Natürlich sind wir höchst verliebt in diesen kleinen Menschen. Das Kind fühlt sich auch wohl und übernachtet auch bei uns. Sie freut sich riesig wenn sie Oma sieht... und genau hier ist das "Problem". Oma, oder überhaupt Frauen, sind die Favoriten. Männer - selbst ihr Papa - haben es sehr schwer. "Mama (oder Oma) soll (die Karre) schieben", "Du darfst das nicht (egal was)" müssen sich alle männlichen Wesen gefallen lassen, ob Opas oder (ein wenig eingeschränkt) auch der Papa. Irgendwie müssen wir darüber lachen, aber es ist eben nicht nur eine zeitlich befristete Marotte, das geht nun schon seit ca. einem Jahr so. Vielleicht liegt es daran, dass Männer Frauen eben nicht verstehen, auch nicht als Kleinkind. Was könnte denn die Ursache sein und was können "wir Männer" tun?

Opa Helmut

Lieber Helmut,

vielen Dank für Ihren Brief. Ich musste lächeln beim Lesen Ihrer Frage, - beantworten kann ich sie nicht so ohne weiteres. Ich werde mal ein paar Experten konsultieren und schreibe Ihnen dann. Vorerst versuchen Sie vielleicht einfach die üblichen Tricks, mit denen Männer immer punkten. Beeindrucken Sie die kleine Dame mit Aktivitäten, bei denen Oma und Mama das Handtuch werfen, wie Sachen reparieren, Löcher in die Wand bohren, was auch immer. Sie wird schon merken, dass Männer eine sehr nützliche und nette Sorte Menschen sind, nur halt ein bißchen anders (z.B. behaarter, lauter und weniger blumig duftend) - und das ist auch OK. Nicht schaden kann, wenn Oma deutlich zeigt, dass sie Sie wertschätzt und liebt.

Uta Alexander

Die Expertenmeinung:

Psychologe André Jacob aus Berlin meint, dass ein solches Verhalten eines kleinen Mädchens gar nicht so selten ist. Es spiegele die Geschlechterverhältnisse in der Familie: Die Männer sind vermutlich weniger präsent als die Frauen und genießen - zumindest in den eigenen vier Wänden - auch weniger Autorität und Anerkennung.

Sein Rat: Auf keinen Fall mit den Frauen in den Wettkampf treten, sondern sich ein eigenes Betätigungsfeld suchen. Opa sollte genau hinschauen: Was mag das Kind? Womit könnte er es begeistern? Ins Currywurstmuseum gehen, paddeln fahren, auf dem Matschplatz nach Herzenslust matschen, sonnabends früh gemeinsam Märchenfilme gucken...

Es gehe darum, sich Zweier-Erlebnisse mit der Enkelin zu organisieren, bei denen sich zwischen beiden eine eigene Beziehung entwickeln kann. Und zwar ungestört, fernab der offenen oder verdeckten guten Ratschläge der Frauen: "Zieh' ihr die Mütze über... das versteht sie noch nicht... jetzt muss sie aber schlafen..." oder, an die Adresse des Kindes: "Jetzt lass den Opa mal in Ruhe.... Sprich lauter, er hört schon so schwer..." Häufig überwacht nämlich der weibliche Teil der Familie mit Argusaugen den männlichen Umgang mit den Kindern, bekrittelt "seine" Aktitvitäten oder belächelt seine "Inkompetenz", etwa, wenn er nicht weiß, wie man dem Kind einen Pferdeschwanz bindet.

Wenn die "kleine Dame" merkt, dass Oma und Mama es eigentlich ganz niedlich finden, wie sie Papa und Opa in die Schranken weist, wird sie weiter damit kokettieren. Leider sind Männer in einer schwierigen Lage. Offen anzusprechen, dass das leise Triumphgefühl "überlegener" Frauen nervt, ist keine gute Idee. Denn es lässt sich nicht beweisen.

Also, Männer, allen voran Opa Helmut: Schaffen Sie sich Momente mit Ihren Enkelinnen (und Enkeln), die nur ihnen beiden gehören. Fühlen Sie sich ermuntert, Energie, Autorität und Würde auszustrahlen!

Veröffentlicht am 19. August 2009. (899 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann