Trennungsängste bei der Enkelin, Depressionen bei Oma

  • Habe grossen Kummer wegen meiner Enkeltochter. Ich habe sie fast jeden Tag bei mir gehabt, das 1.Lebensjahr über sogar jeden Tag. Meine Tochter war berufstätig und alleinerziehend. Durch einen Streit mit ihr verbot sie mir den Umgang mit dem Enkelkind. Habe es gerichtlich eingeklagt und halbherzig Recht bekommen. Doch es hat nichts gebracht. Die Enkeltochter ist in psychologischer Behandlung, weil sie unter Trennungsängsten leidet. Erst wurde gesagt,so schnell wie möglich ein Zusammentreffen mit der Oma Nun heißt es wieder nein, die Kindesmutter möchte nicht. Ich bin am Ende und habe schon Depressionen wegen dieser Sache. Keiner kann mir helfen. Das Schreckliche an diesem Unglück ist noch, dass die Enkeltochter an mir vorbei gehen muss ohne mich begrüssen zu dürfen. Order von der Mutter. Ich wohne nur fünf Minuten vom Elternhaus entfernt und sehe dadurch das Kind des öfteren. Durfte mich ihr sogar, von der Mutter aus, bis auf 100 Meter nicht nähern. Diese Klage wurde aber zurück genommen, weil es nicht machbar für mich war aus beruflichen Gründen. Ich hoffe, es nimmt alles mal ein gutes Ende. Elvira G.

Liebe Elvira,

wenn Sie mit Ihrer Tochter nur über gerichtliche Klagen miteinander "reden", muss es ein sehr schlimmer Streit gewesen sein, der die Tochter zutiefst verletzt hat. Der Zustand, der nun erreicht ist, ist wirklich schrecklich. Für Sie und das Kind sicher am meisten. Aber auch der Tochter wird ein Stein auf der Seele liegen.

Helfen kann Ihnen von außen niemand, das ist wahr. Nur Sie selbst können eine Wiederannäherung versuchen. Manchmal hilft es, noch einmal auf die Ursachen des Zerwürfnisses zurück zu kommen. Manchmal ist es besser, das Geschehen einfach unter den Tisch zu fegen und zu sagen, man will es wieder miteinander versuchen. Erfahrungsgemäß gibt es ja keinen Schuldigen, sondern beide haben dazu beigetragen, dass die Beziehung kaputt gegangen ist. Im tiefsten Innern weiß auch jeder, womit er die verwundbarste Stelle des anderen getroffen hat.

Ich würde Ihnen raten, einen Anlass abzuwarten, an dem man Sie schlecht abweisen kann, z.B. irgend ein wichtiges Familienfest, einen Todestag von jemandem, den Sie und ihre Tochter geliebt haben etc., also etwas, was Gefühle weckt, - und um ein kurzes Treffen zu bitten. Stellen Sie (liebevoll, nicht vorwurfsvoll!!!) die Frage, wie lange es noch so weitergehen soll, wo doch alle dabei krank werden. Knüpfen Sie an etwas an, was früher gut war zwischen Ihrer Tochter und Ihnen. Sie haben einander doch sicher einmal viel bedeutet.

Verlangen Sie nicht, dass alles wieder so wird, wie es war. Aber vielleicht können Sie wenigstens erreichen, dass Sie ab und an mal mit dem Enkelkind auf einer Parkbank sitzen und reden oder auf einen Spielplatz gehen können.

Wenn Sie sehen, dass kein Weg mehr zurück führt, sollten Sie vielleicht besser wegziehen. Denn jemanden, den man liebt, täglich zu sehen ohne ihm nahe sein zu dürfen, ist eine kaum erträgliche Qual. Das müssen Sie sich nicht antun.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 24. Juli 2009. (1032 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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