Mit der neuen Stiefmutter für den Enkel kam das Aus für uns

2006 starb plötzlich unsere Tochter, sie hinterließ einen 14-monatigen Sohn und einen lieben Ehemann. Dieser arbeitete nunmehr an drei Tagen, der Enkel war dann bei uns und bei seinen anderen Großeltern. Bis unser Schwiegersohn eine neue Partnerin mit einem 8-jährigen Mädel heiratete. Unser Enkel kam, wie es normal ist, in den Kindergarten. Wir waren eigentlich glücklich, dass nun alle in einer Familie weiterleben konnten.

Unser Enkel ist von der Kiga-Zeit weiter tageweise von uns Omas abgeholt und bis abends versorgt worden. So konnte sich die junge Frau auch mehr um ihre Tochter kümmern, die einige Probleme mitgebracht hatte.

Nun ist es aber so, dass unser Enkel nicht zurechtkommt mit seiner "Mutter". Die neue Schwester hat es nicht so richtig gefunden, wenn er "Mama" sagte. Sie hat ihm ihre Meinung knallhart beigebracht. Anfangs wurde er oft zum Übernachten den Großeltern überlassen. Wir fanden, dass das in den Anfängen der neuen Familie bestimmt nicht so gut ist zum Zusammenwachsen, haben uns aber mit unserer Meinung zurückgehalten.

Nach zweiJahre werden wir nun plötzlich damit konfrontiert - von jetzt auf gleich - dass diese Omanachmittage nicht mehr stattfinden, "damit die junge Familie zusammenwächst". Dazu haben Kinderärztin, Kinderpsychologe sowie die Erziehungsberatungsstelle geraten. Die Highlights bei den Großeltern würden dazu führen, dass unser Enkel sich nicht an ein normales Familienleben gewöhnt. (Highlights haben bestimmt nicht stattgefunden, nur oft ist meine Tochter mit ihren Kindern dazugekommen, um unserem Enkel Liebe, Zärtlichkeit und familiäre Sozialkontakte zu bieten.)

Bei der Eröffnung, dass wir "abgeschafft" werden sollen, haben wir gar nicht reagieren können. Sie kam für uns aus heiterem Himmel. Eine Email habe ich noch geschickt mit unseren Bedenken - welche mit einer nicht mehr so netten Mail beantwortet wurde. Wir sollen uns jetzt damit begnügen, unseren Enkel bei gelegentlichen Kaffeetreffs zu erleben oder bei Übernachtungen alle 8 Wochen - aber dann nur mit den beiden Kindern. Letzteres haben wir gelegentlich schon gemacht - aber nicht nur mit beiden Kindern. Auch haben bisher nicht sehr oft Einladungen stattgefunden, das liegt den jungen Leuten nicht.

Wir haben gegen Abschaffung der Oma-Nachmittage absolut nichts einzuwenden, wenn es der Familie und dem Kindeswohl nützt. Im nächsten Jahr würde sich bestimmt einiges ändern, wenn die Schule beginnt. Auch gegen eine Reduzierung haben wir absolut nichts, wenn es dem guten Zweck dient. Nur die Art und Weise hat uns sehr gekränkt. Wir haben Bedenken, weil unser Enkel das schwächste Glied in der neuen Familie sein wird. Bitte, wie soll man sich da noch verhalten, um ein einigermassen normales Verhältnis vor allem mit dem Enkel aufrechthalten zu können?

Ines

Liebe Ines,

dass Sie so brüsk ausgebootet werden, erscheint selbst aus der Ferne kränkend. Vielleicht ist aber weniger gegen Sie gerichtet, als vielmehr ein Wink mit dem Zaunpfahl für die Eltern. Es kann durchaus sein, dass man Ihrem ehemaligen Schwiegersohn und seiner Frau nahelegt, sich mehr füreinander ins Zeug zu legen. Auch für den Jungen ist es etwas anderes, wenn er dort bestehen muss, wo sein Lebensmittelpunkt ist und er sich nicht zu Oma und Opa "flüchten" kann. Vor allem, wenn die neue Schwester keinen solchen eigenen Zufluchtsort hat. Übrigens sind beide Kinder jetzt nicht gerade in einem Alter, in dem man sanftmütig und leicht lenkbar ist. Geben Sie auch dem Mädchen einen Platz in Ihrem Herzen, irgend etwas Nettes ist an jeder kleinen "Zicke" dran.

Immer wieder erstaunt mich allerdings, wie unsensibel Psychologen sein können. Wenn Sie im Alltag des Enkelsohnes bisher eine Rolle gespielt haben, gebietet es nicht nur der Anstand, sondern auch die Vernunft, mit Ihnen Änderungen zu besprechen. Und zwar so, dass Sie sie mittragen. Schließlich haben Sie ja weiterhin Kontakt zu dem Jungen, wenn auch seltener. Und es ist klar, dass Sie mit ihm über sein Leben reden werden... Wenn Sie nicht billigen, was entschieden wurde, kommt das unterschwellig auch bei dem Kind an und das macht es ihm vermutlich nicht leichter. Aber es ist müßig, über Psychologen zu reden, die Sie als Teil der Familie ihres kleinen Patienten nicht ernst nehmen.

Was ich Ihnen nur raten kann, ist:

Ziehen Sie sich nicht beleidigt zurück. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Ihren Ex-Schwiegersohn mit seiner neuen Familie zu treffen. Lassen Sie sich etwas einfallen, damit das eben keine "Kaffeetreffs" werden. Das sind oft ganz scheußliche Pflichtveranstaltungen. Darauf freut sich niemand wirklich. Es kommt selten gute Laune auf. Man redet nicht wirklich miteinander... Das sollte aber irgendwie möglich sein.

Ihr Enkelsohn hat sicher jetzt mit Stiefmutter und schwieriger Schwester kein leichtes Leben und hatte es auch bisher nicht. Bemitleiden Sie ihn aber nicht, damit er nicht in eine Opfer-Rolle hineinwächst. Wenn er Kummer hat, hören Sie sich den natürlich an. Fragen Sie ihn, was er tun wird. Sie können ihm mit Zuversicht beistehen, dass er früher oder später schafft, was erreichen möchte. Wappnen Sie ihn mit Selbstvertrauen, gesundem Menschenverstand und logischen Argumenten. Wenn zum Beispiel seine neue Schwester nicht will, dass er zu ihrer Mutter Mama sagt, dürfte sie zu seinem Vater nicht Papa sagen. Oder die Eltern müssten mit beiden Kindern mal grundsätzlich über diese Frage reden. Die Schwester jedenfalls bestimmt das nicht.

Bohren Sie nicht nach Problemen. Es reicht, wenn der Junge bei Ihnen Liebe und Geborgenheit findet und einfach ausruhen kann, falls er gerade Stress hat. So kommt er auf neue Gedanken. Wenn Kinder nicht reden wollen, bringt das sowieso nichts. Sicher wissen Sie das. Bei 5 Enkeln haben Sie genug Erfahrungen mit Kindern. Erhalten Sie Ihrem Enkel auf jeden Fall den Kontakt zur Familie mütterlicherseits, so wie Sie es bisher getan haben, u.a. auch, indem er mit den Kindern Ihrer anderen Tochter vertrauten Umgang hatte. All diese Menschen bilden ein Netzwerk, auf das er immer zurückgreifen kann, wenn er es braucht. Dazu sind Familien da.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 14. Juli 2010. (573 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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