Ist eine Reformhausfetischistin als Oma gefährlich?

Meine Tochter (5 Jahre alt) ist aller zwei Wochen für mehrere Tage bei meiner Mutter, was mit meinem Job zusammenhängt. Die beiden kommen immer gut miteinander aus, aber es gibt ein Problem: Während der Besuche wird meine Tochter häufig krank. Beim Abholen berichtet mir meine Mutter dann, mit welchen „Wundermitteln“ sie das Kind kuriert hat: Nasentropfen, Hustensaft, Einreibungen, Aspirin, Dampfbäder, gaaanz viel Vitamine... Ich kann leider nicht kontrollieren, was wirklich los war, aber ich glaube nicht so recht an dieses Kranksein. Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass meine Mutter eine Reformhausfetischistin ist. Sie kauft alles, wo draufsteht „reines Naturprodukt“. Tees, Nahrungsergänzung, was zum Schlafen, was zum Aufmuntern, was für den Kreislauf, was „für’s Blut“ , was für den Magen, für die Nerven etc. Damit will sie dann immer auch mich beglücken. Ich fürchte, dass sie mit ihren Mittelchen jetzt meiner Tochter „was Gutes tun“ will. Kann sie dem Kind ernsthaft schaden? Jessica R., Dresden

Liebe Jessica,

Ja. Was Ihre Mutter da macht, geht gar nicht! Wenn Ihre Tochter während der Besuche bei Oma kein Fieber hat, sollte sich die Oma mit ihren „Doktorspielen“ zurückhalten. Leichte Symptome wie Husten, Schnupfen verschwinden bei einem ansonsten gesunden Kind von selbst wieder. Vitamine in Form von frischem Obst oder einer heißen Zitrone können natürlich nicht schaden.

Alles andere ist überflüssig und sogar schädlich. Hustensaft und Aspirin (!) sind keine harmlosen Mittelchen, die man nach Lust und Laune schlucken kann. Schon gar nicht als Kind. Nasentropfen können die Schleimhäute angreifen, Einreibungen Allergien auslösen ... „Reines Naturprodukt“ heißt nicht, dass man es in beliebigen Mengen verwenden darf! Leider ist das ein weit verbreiteter Irrglaube.

Mit ihrem Medikamentenfimmel tut Ihre Mutter dem Kind nichts Gutes. Sie lebt nur ihre Leidenschaft aus – offenbar pflegt und bemuttert sie gern jemanden. Oder sie will Sie für irgendwelche vermuteten Unterlassungen gegenüber dem Kind strafen. Hält sie Sie für eine allzu sorglose Mutter?

Machen Sie ihr klar, dass sie ihrer Enkelin falsches Verhalten beibringt, - sie gewöhnt sie an die Verwendung von Medikamenten. Wenn das Kind bei Oma mal Bauchschmerzen hat oder schlecht schläft, kann das trotz aller Vertrautheit auch ein wenig Heimweh sein – das ist aber eine Situation, die ohne („medizinische“) Hilfe bewältigt werden kann.

Nehmen Sie Ihrer Mutter das Versprechen ab, dass sie mit Ihrer Tochter, wenn nötig, zum Kinderarzt geht und jede Selbstbehandlung unterlässt. Überlegen Sie, ob Sie ihren Pflegeinstinkt umlenken könnten. Vielleicht auf ein Haustier, um das sie sich kümmern kann.

Vielleicht verbirgt sich in dem Verhalten Ihrer Mutter auch der Wunsch, selbst mehr bemuttert zu werden. Dann wäre es angebracht, ihr im Gegenzug für die Hilfe mit der Tochter gelegentlich etwas mehr Zeit als bisher zu schenken.

Sinnvoll wäre es auch, all die Reformhausmittel Ihrer Mutter einmal durchzugucken. Ist das Zeug überhaupt noch gut? Wieviel nimmt sie selbst davon? Verträgt es sich mit ev. sonst noch verordneter Medizin? Was passiert, wenn sie zuviel davon nimmt? Telefonieren Sie notfalls mit der Hausärztin Ihrer Mutter, wenn Ihre Autorität nicht ausreicht, sie zu stoppen.

Uta A.

Veröffentlicht am 12. Mai 2009. (1102 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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