Wenn die Enkel groß und schwierig sind und sie keiner mehr versteht...

Jörg Otto Meier, Kunstlehrer und Fotograf in Hamburg: "Manchmal sind Großeltern für Teenager die besseren Eltern." (Foto: privat)
Auf Ältere wirken sie ziellos, anmaßend, ignorant, manchmal sogar bedrohlich, die coolen Jungs und die taffen Mädchen von nebenan, die keine Kinder mehr sind, aber längst nicht erwachsen.
Der Hamburger Lehrer und Fotograf Jörg Otto Meier machte sich die Mühe, mal nachzufragen, wie denn "die Alten" auf sie wirken. Er traf sich mit 9 bis 20 Jahre alten Jugendlichen in Hamburg. Daraus entstand das Sachbuch: "Eigentlich sind wir gut drauf", aus dem GroßelternReport hier Auszüge bringt. Es kann ein Mutmacher sein für Großeltern, die sich gerade um ihre heranwachsenden Enkel sorgen.
Ja, sie kiffen, sie hauen von zu Hause ab, sie schmeißen die Lehre, haben nur vage Ziele für ihr Leben und - oft berechtigte - Zweifel an der ganzen Welt. Aber es lohnt sich, ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen, sie nicht aufzugeben. Sie sind stärker und auch "moralischer" als man denkt.
Meier, selbst Jahrgang 1950, fand es bemerkenswert, dass viele der Kids in Gesprächen "über das Leben" ungefragt auf ihre Großeltern zu sprechen kamen. Offenbar sind sie ihnen wichtig. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Die Liebe hält auch, wenn die süßen Kleinen von einst mit beinahe allem und jedem auf Kriegsfuß stehen und man in ästhetischen Fragen höchst unterschiedlicher Meinung ist. Ein Junge und ein Mädchen erzählen:
(Pablo, Foto: Jörg Otto Meier)
Pablo, 19: Als ich aus der WG rausgeflogen war, haben mir meine Großeltern sofort angeboten, vorübergehend bei ihnen zu wohnen...
... Das paßte mir auch ganz gut in ’n Kram, weil, ich hatte zu denen sowieso immer ’n besseres Verhältnis als zu meinen Eltern.
Ich glaub, meine Großeltern haben nicht mehr so den Druck vom normalen Elterndasein. Die können halt alles viel ruhiger angehen lassen. Und irgendwie haben die auch ’ne andere Art, an Probleme ranzugehen, als meine Eltern. Meine Großeltern hören erst mal richtig zu und lassen sich alles ganz genau erklären. Dadurch können sie sich halt ’ne vernünftige Meinung bilden. Irgendwie sind die auch nicht so vorgefertigt in ihren Ansichten. Bei meinen Eltern und mir artet das immer in Streit aus." Mehr über Pablo
(Karen. Foto: Jörg Otto Meier)
Karen, 18: Meine Oma sagte, du bist doch so ein hübsches Mädchen ...
Den Nasenring hab ich mit 16 reinmachen lassen, den Lippenring und den Bauchnabelring irgendwann später. Meine Mutter wollte das überhaupt nicht. Sie fand es schrecklich häßlich. Aber ich hab es trotzdem gemacht. Und damit war’s dann auch gegessen. Von meiner Oma und von anderen Leuten hab ich danach öfters mal gehört: Du bist doch so ein hübsches Mädchen! Was machst du bloß mit dir? — Ja, das entspricht einfach nicht ihrem Verständnis von Ästhetik. Die empfinden das als Verunstaltung. Sie können’s halt überhaupt nicht nachvollziehen, daß ich das schön finde.
Für mich ist das halt so, daß ich bestimmte Dinge, die in der Gesellschaft als weiblich gelten, einfach ablehne. Mehr über Karen




