Besitzen Sie noch Sachen, die Oma gehörten?

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Mats Staub, Jahrgang 1972, hat schon 130 Enkel verschiedenen Alters zum Reden gebracht.

Welchen Gegenstand bewahren Sie auf, der früher Ihrer Oma oder ihrem Opa gehörte? Was ist es? Was bedeutet er Ihnen? Verbinden Sie eine bestimmte Geschichte damit? Wissen Sie, wie die beiden als junge Leute aussahen? Hätten die zwei Ihnen auf den ersten Blick gefallen?

Bei solchen Fragen fängt jeder an, zu überlegen. Und sehr bald zeigt sich: Selbst wer seine Großeltern nicht persönlich gekannt hat, lebt mit Erinnerungen an sie. Manchmal sind es überlieferte Familienlegenden, die mit der Wahrheit wenig zu tun haben. Manchmal bemerkt man erstaunt, dass über bestimmte Abschnitte des Lebens der Vorfahren gar nichts bekannt ist. Dabei steckt gerade in diesen „weißen Flecken“ einer Lebensgeschichte mitunter das größte Geheimnis. Etwa: Oma sah keinem ihrer Geschwister ähnlich. Warum? Warum hat sie nie jemand danach gefragt?

Diese Fragen sind für heutige Großeltern doppelt interessant. Erstens weil sie selbst Enkel sind. Und zweitens weil sie, wenn sie wollen, für ihre eigenen Enkel Spuren in die Vergangenheit legen können.

Der Schweizer Dramaturg und Journalist Mats Staub, 37, ist seit 2008 mit seinem Erinnerungsbüro Großeltern auf der Spur. Er bittet Enkel verschiedenen Alters zum Gespräch, das 30 bis 50 Minuten dauert. Sie bringen Gegenstände und Fotos aus dem Besitz ihrer Vorfahren mit – und erzählen, woran sie sich erinnern. Staub macht daraus Kunst.

Begeisterte Pressestimmen berichten über verschiedene Präsentationen des Großelternprojekts - von zeitweiligen Ausstellungen großelterlicher Erbstücke bis hin zu Theateraufführungen. Diese haben, so heißt es, die wunderliche Eigenschaft, niemanden kalt zu lassen. Vielmehr wühlen fremde Erinnerungen unvermeidlich die eigenen auf. Das kann sehr schmerzlich, aber auch sehr beglückend sein. Manchmal sogar beides zugleich, denn, so schreibt ein Rezensent:

Mehr wissen zu wollen über die Grosseltern, ist ... nicht zuletzt eine Selbsterkundung. Wo uns die Eltern (und damit wir uns selbst) fremd sind, da hoffen wir auf kleine Aha-Erlebnisse, wenn wir in der Vita der Grosseltern blättern.

Wer's ausprobieren will, hat bald eine Chance: 2009 kommt das Großelternprojekt nach Deutschland. Auch Enkelberichte werden weiter gesammelt. Wie Mats Staub auf Anfrage von Großelternreport informierte, gibt er im März die Termine und Orte für seine Veranstaltungen im Juni heraus.

So klingen die Enkel-Erinnerungen:

Staubs Großprojekt vor dem Großeltern-Projekt: Liebesbriefe aus 112 Jahren

In einem früheren Projekt sammelte Staub rund 5000 Liebesbriefe, geschrieben zwischen 1894 und 2006. Der jüngste Absender war 11, die älteste Schreiberin 81 Jahre alt. In einer Audiothek kann man reinhören. Ein spannendes Vergnügen!

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Veröffentlicht am 20. Februar 2009. (1186 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann