Mein Mann will den Omas das gemeinsame Sorgerecht für unser Kind übertragen, falls uns was passiert
Meine Schwiegermutter hat mich bereits vor der Geburt meines Sohnes sehr genervt. Sie möchte einen festen Oma-Tag in der Woche, ich kann auch gerne ganztags arbeiten gehen. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass sie selber nach der Geburt meines Mannes sofort wieder arbeiten ging. Ich habe das Gefühl, sie möchte mit meinem Sohn Verpasstes nachholen.
Valentin ist jetzt fast fünf Monate alt und leider ist sie vor kurzem in Rente gegangen. Jetzt möchte sie unbedingt mindestens ein Mal in der Woche kommen (mir helfen!). Muss ich das über mich ergehen lassen? Nicht nur, dass ich sie nicht sonderlich mag, sie geht auch mit Valentin wie mit einem Spielzeug um. Er wird geweckt wenn er schläft. Auch wenn er quengelt, gibt sie ihn mir ungern zurück....
Schrecklich ist auch das Rumlaufen auf Feiern mit Valentin zum Angeben! Wenn ich das Kind meiner Mutter gebe, fängt sie an zu weinen, woraufhin meine Mutter es bei solchen Anlässen gar nicht mehr nimmt. Ich habe so eine Wut auf diese Frau und gebe ihr Valentin immer mit einem dicken Kloß im Hals. Mein Mann sagt zwar, dass er mich versteht, meint aber, ich muss trotzdem ab und zu hin. Wenn ich ihm vorschlage, alleine mit unserem Sohn zu ihr zu fahren, hat er aber keinen Bock. Ich hätte schließlich mehr Zeit, da ich zu Hause bin.
Bitte schlagen Sie mir nicht vor, mit ihr zu reden, denn sie ist keinem Argument zugänglich. Traurig ist für mich, dass ich meinen Mann mit meiner Abneigung verletze. Aber ich kann einfach nicht anders... Vor kurzem hat sie gesagt, sie zieht Valentin groß, wenn uns etwas passiert. Hilfe!!! Gerne würde ich ein Testament machen, dass mein Sohn dann zu meiner Familie geht. Leider zieht da mein Mann nicht mit. Er möchte, dass unsere Eltern sich in einem solchen Fall das Sorgerecht teilen. Bitte geben Sie mir einen Rat!
Fanny R.
Liebe Fanny,
ich glaube, wir können auf unserer Site bald einen Klub der wütenden Schwiegertöchter aufmachen. Gerade schrieb mir eine junge Frau, deren Schwiegermutter ihr Baby ständig küsst, drückt, unangemeldet besucht und erklärt, sie habe Muttergefühle für den kleinen Jungen. Da braucht sie sich nicht wundern, dass sie für die früher gutwillige Schwiegertochter nun ein rotes Tuch ist. Übrigens waren auch da alle Gespräche absolut sinnlos.
Zu Ihrer "Stalker-Oma":
Sie will Verpasstes Nachholen... Ja, denke ich auch. Jetzt hat sie Zeit und noch Kraft.
Sie will in Ihrer Wohnung helfen... Nein!!! Sie machen sich unglücklich und werden sie nie wieder los. Die Oma wird dabei auch nicht froh, weil sie in Ihrer Wohnung nicht machen kann, was sie will. Denken Sie sich irgend etwas anderes aus, womit Sie Oma + Kind regelmäßig für eine gewisse Zeit beschäftigen. Möglichst etwas, wo sie unter anderen Menschen ist. Und womit sie ein wenig angeben kann. Nur mal als Idee: Babyturnen oder - schwimmen, wenn Sie ihr das zutrauen.
Sie weckt das Kind, geht nicht einfühlsam mit ihm um ... Oh je! Es ist erstaunlich, wie wenig feinfühlig manche Frauen der Oma-Generation sind. Und zwar gerade die, die sich für sensibel halten und selbst leicht kränkbar sind. Bald wird aber Ihr Sohn klare Signale aussenden, was er will und was nicht. Ich denke, Sie können darauf vertrauen, dass er seine Großmutter in die Schranken weist. Kinder können da sehr drastisch und konsequent sein.
Sie gibt auf Feiern mit dem Kind an... Nervig, aber nicht bösartig. Eher irgendwie witzig. Dass Ihre Mutter den Kleinen auf Feiern gar nicht mehr nimmt, finde ich rührend vernünftig. Schwiegeromas Tränen auf Bestellung werden aber bald ihren Sinn verlieren. Valentin wird sich, sobald er laufen und sprechen kann, auf Familien-Feiern von der- oder demjenigen beschäftigen lassen, von dem er sich das meiste verspricht. Höchstwahrscheinlich ist das dann gar keine Oma mehr, sondern ein Cousin oder ein Hund... Verschwenden Sie keinen Gedanken mehr daran!
Mein Mann sagt, ich muss hin... Da hat er recht. Bißchen müssen Sie. Das Kind ist der Nachfahre zweier Familien. Es sollte Gelegenheit haben, aus beiden eigene Eindrücke zu sammeln. Ihr Mann muss aber auch hin. Wie gerne Männer ihre Eltern ihren Frauen überlassen! Die Frage ist natürlich, was macht man bei jemandem zu Besuch, bei dem man eigentlich nicht sein will. Mein Tipp: Rausgehen, gemeinsam was erleben. Spielplatz, Badesee, Kinderbauernhof ... Oder nehmen Sie mal eine Freundin mit Kind mit zu Ihren Schwiegermutter-Treffs! Perfekt wäre, die Freundin hätte noch eine eigene anstrengende Schwiegermutter dabei. Die beiden Damen kürzen sich weg, jede Wette!
Sie verstrickt mich in endlose Diskussionen... Oma ist unterfordert! Geben Sie ihr sinnvolle Aufgaben, für deren Erfüllung Sie ihr wirklich dankbar sind. Was auch immer, es hängt ab von ihren Interessen und Fähigkeiten. Versuchen Sie, Ihre Schwiegermutter nicht zu hassen, sondern ihre guten Seiten auszunutzen. Dass sie gar keine hat, kann nicht sein.
Ich will meinen Mann mit der Ablehnung seiner Mutter nicht verletzen ... Verständlich. Wenn man mit jemandem nicht warm wird, ist dagegen aber leider kein Kraut gewachsen. Es wird meistens nicht mehr viel besser. Aber haben Sie nicht auch sonst mit Leuten zu tun, die Ihnen innerlich fremd sind? Gehen Sie mit der Schwiegermutter respektvoll und höflich um, lassen Sie sie emotional nicht zu nahe an sich heran, damit sie Sie nicht verletzen kann. Verschaffen Sie sich Respekt, bieten Sie keine Angriffsfläche.
Welche von beiden Omas kriegt das Sorgerecht für unser Kind, wenn mit uns was passiert? Eine von beiden Omas einzusetzen, geht nicht, würde ich mal sagen. Denn wenn es die andere erfährt, ist der Teufel los. Beide zusammen funktioniert auch nicht, so eifersüchtig, wie die beiden aufeinander sind. Ich denke, es müssten jüngere Menschen im Familienkreis gefunden werden, denen Sie vertrauen und die das Kind auch lange genug begleiten können.
Mehr zum Sorgerecht für ein Kind nach dem Tod der Eltern steht in unserem Ratgeber-Beitrag "Was wird aus dem Kind, wenn beide Eltern sterben?"
Uta Alexander


