Ein deutscher „Oma- Opa-Tag“ steckt seit 31 Jahren in der Warteschleife

Eine private Lösung: Dank an die Großeltern des mit einem Gendefekt geborenen Leo Krähling auf der von seinen Eltern eingerichteten Homepage www.liss-portal.de
Im vorigen Jahr kam plötzlich die Idee wieder auf: ein Großelterntag als nationaler Feier- bzw. Ehrentag, ähnlich wie Frauentag, Muttertag, Vatertag und Kindertag. Fast schien seine Etablierung nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Tageszeitungen brachten es in den Nachrichten, nachdrücklich sprach sich auch die Senioren-Union dafür aus, Großeltern endlich angemessen zu würdigen.
GroßelternReport fragte jetzt beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin an:
Kommt 2009 der Ehrentag für Großeltern?
„Eine konkrete Initiative dazu aus unserem Haus hat es nicht gegeben und ist auch nicht geplant“, stellte Pressereferent Marc Kinert unmissverständlich klar.
Nanu? Woher dann der Wirbel im Blätterwald? Die BUNTE brachte den Stein ins Rollen, meint Kinert. In einem Interview mit Ursula von der Leyen im April 2008 stellte die auflagenstarke Illustrierte die Frage, ob Deutschland nicht einen Oma- und Opa-Tag brauche.
„Da bin ich sofort dabei“, sagte da die Ministerin. „Vor allem, je näher ich an dieses Alter herankomme. Aber im Ernst: Ich würde es begrüßen, einen Großelterntag zu feiern."
Dass von offizieller Seite wirklich ernst gemacht wird, war damit nicht gemeint. Wir haben wohl schon genug diverse Feiertage. Doch der Satz war gut genug, das Sommerloch ein wenig zu stopfen.
Schon 1978 hatten von der Leyens Amtsvorgänger Vorstöße auf einen weiteren bundesweiten Festtag abgewehrt. Man begnügte sich damals mit einer Werbekampagne, die Kontakte zwischen Alten und jungen Familien ankurbeln sollte. Von einem sanktionierten Festtag hätten alle länger was gehabt. Ob Großeltern heute einen Extra-Feiertag für sich überhaupt haben wollen, wäre eine interessante Frage für Großeltern-Forscher. Andere Formen der Würdigung bzw. Unterstützung ihrer Aktivitäten für Enkel könnten sinnvoller sein. Beispielsweise weitere Nachbesserungen bei der Elternzeit für Großeltern.
So halten es andere Länder mit dem Großeltern-Tag:
USA: Zur selben Zeit, 1978, rief Jimmy Carterin den USA den „Grandparents-Day“ als nationalen Feiertag aus. Zuvor hatte Marian McQuade (1917-2008), eine streitbare Großmutter mit 15 Kindern, 43 Enkeln und 15 Urenkeln, in einer fünfjährigen Kampagne eine breite Lobby dafür gewonnen. Der Grandparents Day wird nun in den Vereinigten Staaten an jedem ersten Sonntag nach dem Labor Day gefeiert. Die Wahl fiel auf ein Datum im September weil das Fest „den Herbst des Lebens“ symbolisieren soll. Mancherorts haben die Bürger an diesem Tag frei, Ämter und Geschäfte sind geschlossen. Kein Wunder, dass die Idee weltweit Begeisterung weckte. Nur auf ein einheitliches Datum hat man sich nicht einigen können.
Italien erließ am 31. Juli 2005 ein Gesetz, wonach Großeltern jährlich am 2. Oktober, dem Tag der Schutzheiligen geehrt werden. Die jüngste lebende italienische Großmutter war damals 31, der älteste aktive Opa 105 Jahre alt. Wie Radio Vatikan erfreut hervorhob, gelangte die Gesetzesvorlage Ende Juli 2005 zum Senat, „am Fest Joachim und Anna, also der Großeltern Jesu".
Moldawien begeht seit 2007 den „Ziua bunicii“(Omatag) jeweils am letzten Samstag im September.
Polen hat sich den 21. Januar als Oma-Tag und den 22. Januar als Opa-Tag ausgesucht.
Bulgarien. Auch hier gibt es im Januar den "Babin denj", einen Feiertag für Großmütter.
Frankreich entschied sich für den ersten Sonntag im März. Damit sei gesichert, dass durch das Fest keine Arbeitszeit verloren geht, lästern spitze Zungen. Französische Großmütter sind nämlich zu 50 Prozent unter 50 Jahre alt und voll berufstätig. Die Touristikbranche gewährt ihnen am Omatag Rabatte auf Fahrten, Einkäufe und Restaurantbesuche.
Türkei. Hier spannte sich ein Tourismusportal vor den Karren. Tourexpi.com will am 8. 2. 2009 zum ersten Mal einen Großelterntag ausrichten und verspricht Vorstöße bei der Kulturkommission der EU und der UNESCO. Die sollen dem türkischen Großelterntag internationale Akzeptanz verschaffen, als „Geschenk der Türkei an die Welt“. Bislang sind vor allem türkische Touristiker und Hoteliers mit von der Partie. Sie halten für Februar verstärkt günstige Oma-Opa-Enkel-Reisen bereit. Der 8. Februar soll maßvoll an den Valentinstag gemahnen, den Tag der Verliebten, weil "man sich ja ohne Oma und Opa niemals verlieben könnte". Praktischerweise liegt er auch in der umsatzschwachen Nebensaison.
Deutschland: Bei uns macht jeder, was er will und wann er will. Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden und Einkaufscenter rufen nach Lust und Laune eigene Großelterntage aus. Die Zeitschrift „Leben und erziehen“ sammelt jedes Jahr Vorschläge zur Wahl von „Großeltern des Jahres“, wie sie auch in den USA jährlich gekürt werden, z.B. 2007 Dick und Eva Fong mit 12 "Großkindern". Selbst da scheint uns Deutschen aber eine kompromisslose Entscheidung schwer zu fallen. 2008 gewannen gleich fünf Großeltern den Titel: Petra und Gerd Bünger aus dem Löwenberger Land in Brandenburg, Helga und Werner Anton aus Michelstadt im Odenwald und der Single-Opa Jürgen Bartnikowski aus Hennef im Siegtal.


