Geheimbund der Generationen

Vom Randthema der Familiensoziologie auf den Titel gerückt: Beziehungen zwischen den Alten und den Jüngsten. GEO im Februar 2009.
Gute Nachrichten für angehende und gestandene Großeltern: Enkel sind vernünftige Leute. Oma und Opa müssen nicht Rollerblades fahren, wie die getunte „Generation50 Plus“ in der Werbung. Sie finden sie trotzdem nicht altmodisch oder langweilig. Im Gegenteil. Die Vorfahren dürfen ruhig sturmerprobt aussehen und ihr ganzes Leben im Heimatdorf verbracht haben. (Was inzwischen allerdings beinahe wieder exotisch wäre)
Ganz neu ist das nicht. Lebenskluge, tüchtige Großeltern hatte mancher von uns. Viele aber kannten ihre Vorfahren gar nicht oder sahen die meckernden Alten am liebsten von weitem.
Zwei Jahrzehnte, also knapp der Abstand zwischen zwei Generationen, haben ausgereicht, um dem Großelternbild erstaunliche Strahlkraft zu verleihen. Aus klapprigen Tyrannen oder hinterwäldlerischen Strick- und Back-Omis wurden Leute, die wegen ihrer Toleranz, Hilfsbereitschaft, Eigenständigkeit und Zugewandtheit im Leben ihrer Kindeskinder eine Hauptrolle spielen. Großeltern genießen Respekt und Liebe, und das verdient.
Geo geht dieser Entwicklung auf den Grund und räumt gründlich auf mit der Illusion, früher sei das Verhältnis zwischen Jung und Alt in der Familie viel enger und besser gewesen.
GroßelternReport gefallen besonders die Geo-Stippvisiten bei Großeltern und ihren Enkeln. Fast alle denkbaren „Sorten“ Großeltern wurden besucht, so dass jeder Leser für sich ein Vergleichsmodell findet:
- ein rüstiges Paar mit einer einzigen Enkeltochter
- ein Großeltern-Puzzle aus 5 angeheirateten und leiblichen Großeltern sowie einer Nachbarin mit Oma-Status für zwei Geschwister mit verschiedenen Vätern
- eine vereinsamte Scheidungsoma, die nach 13 Jahren Kontaktsperre unverhofft Besuch von ihrer Enkelin bekam
- ein pflegebedürftiger dementer Großvater
- ein Tages-Opa, der seiner Tochter Mutterpflichten abnimmt
- eine 92-jährige Netz-Oma die regelmäßig mit ihrem entfernt lebenden Urenkel deutsch-italienische Online-Konferenzen abhält
- eine alleinerziehende Großmutter zweier Teenager
- ein Unternehmer, der den Enkel zum Firmen-Nachfolger aufbaut
- ein eingewanderter exotischer Opa mit deutschen Enkeln
- ein Großelternpaar mit lesbischer Tochter, adoptierter Enkelin und leiblichem Enkel
- eine kinderlose Leihoma
Der Hamburger Journalist Olaf Tamras stellte ihnen allen ungekünstelte Fragen – und bekam spontane, kluge, ehrliche Antworten. Mehrere Fotografen beobachteten Jung und Alt „in freier Wildbahn“ und schossen Fotos, die Lust auf ein Großeltern-Dasein machen, nach welchem bunten Muster auch immer.
Tipp zum Weiterlesen: Interview mit Francois Höpflinger auf ZEIT online. Der Schweizer Soziologe, der 2004 eine viel beachtete Großeltern-Enkel-Verhältnis-Studie vorlegte, kommt hier aktuell mit Thesen über den Nachteil zu großer räumlicher Nähe, Tabu-Gesprächsthemen zwischen Alt und Jung, Ersatzgroßeltern in Altersheimen und den praktischen Nutzen der Generationen füreinander.


