Und so willst du rumlaufen?

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Linguistik-Professorin Tannen ist Expertin für den Sprachgebrauch im Alltag. Warum zwischen Müttern und Töchtern so schnell die Funken schlagen, interessierte sie besonders, denn auch sie ist Tochter und Mutter.

Sheilas Mutter ist auf Besuch bei ihrer Tochter. Eines Morgens sagt sie fröhlich: „Es sieht toll aus, wenn du dein Haar zurückkämmst. Das steht dir unheimlich gut.“ Das klingt nach einem Kompliment. Und das wäre es auch, wenn Sheila ihr Haar zurückgekämmt hätte, als die Mutter die Bemerkung machte. Doch an diesem Tag hatte Sheila das Haar ins Gesicht frisiert. Der Tochter Komplimente für eine Frisur zu machen, die sie gar nicht trägt, impliziert: „Ich finde nicht, dass die Art, wie du dein Haar jetzt trägst, gut aussieht.“ Als Sheila entgegnete: „Tja, heute trage ich es aber so“, lässt ihr Tonfall keinen Zweifel daran, dass sie verärgert ist. „Was hast du“, fragt die Mutter. „Wieso bist du so empfindlich?“

Eine Szene aus dem Buch “Und so willst du rumlaufen“. Deborah Tannen schildert darin das subtile Verhältnis von Müttern und ihren erwachsenen Töchtern. Viele Leserinnen werden sich wieder erkennen in den kleinen Gemeinheiten, großen Missverständnissen, aber auch in der engen Vertrautheit zwischen Müttern und Töchtern.

Mütter und erwachsene Töchter leben in verschiedenen Welten. Das ist naturgegeben und unabhängig vom Alter. Eine Mutter bleibt immer eine Mutter, die ihr Kind beschützen will. Aber die Tochter emanzipiert sich irgendwann. Gutgemeinte Ratschläge interpretiert sie dann als Einmischung. Das führt zu Konflikten, die auch in einen handfesten Familienkrach münden können. Deborah Tannen: „Die Klage, die ich am häufigsten hörte, wenn ich mit Frauen über ihre Mütter sprach, lautete: „Sie kritisiert mich dauernd.“ Und die Klage, die ich am häufigsten hörte, wenn ich mit Müttern über ihre erwachsenen Töchter sprach, lautete: „Ich darf den Mund nicht aufmachen. Sie fasst alles als Kritik auf.“

Tröstliches Buch für alle, die bisher dachten, nur sie allein hätten ein kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter bzw. Tochter. Und lehrreiche Lektüre für diejenigen, die das endlich ändern wollen.

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Veröffentlicht am 2. Februar 2009. (1204 Tage alt) in Buchtipps
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann