Oma Colorado, zweieinhalb Jahre später

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Stammplatz Küchenarbeitsplatte. Ein guter Ort, um sich auf Augenhöhe mit Nana-tüt-tüt (Die Oma mit dem Auto. d.Red.) zu unterhalten. Zum Beispiel über Ap-fel-Muuus. (Foto: privat)

Auf den Tag so alt wie dieses Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport begleitet die beiden seit Juni 2006. (Teil 9)

Christine Schmitt-Schablitzki, 71, ist geschieden und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname "Colorado" bekannt ist.

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(Christine Schmitt-Schablitzki zuhause. Foto: privat)

Hallo, Christine, wer redet inzwischen mehr, Du oder Dein Enkelkind?

(Lacht). Also, ich rede, wie immer, viel mit Marina. Und sie schwätzt auch ständig vor sich hin. Nur habe ich leider noch Mühe, etwas zu verstehen.. Die Zwillinge einer Freundin, die nur ein Vierteljahr älter sind, wirken im Vergleich mit ihr schon etwas „erwachsener“. Aber sie spricht mir vieles nach, auch kurze Sätze. Und sie kann wunderbar deutlich sagen, was sie will.

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(Mit diesem Blick aus blauen Augen werden Omas so lange gemustert, bis sie machen, was man will. Und das auch noch gern.)

Was will sie denn?

Mit mir ihre Spiele spielen. Neulich wollte ich sie anziehen und mit ihr in den Park gehen, die Hühner besuchen. Aber nein, Oma sollte mit ihr spielen. Na bitte, kein Problem, dann hockt sich Oma eben auf den Teppich... Übrigens bin ich immernoch „Nana tütüt“, wegen meines Autos. Die andere Oma ist bloß „Nana“.

Habt ihr neue Spiele?

Wir spielen neuerdings Karten! Mit Erwachsenen-Karten. Noch nicht richtig, natürlich. Ich habe ihr beigebracht, Herz, Piek, Kreuz und Karo zu unterscheiden. Das fand sie sehr interessant. Nun sortiert sie die Karten ordentlich auf vier Häufchen. Der größte Witz ist für sie das Mischen. Ich muss die Karten mit viel Schwung immer wieder neu mischen, dann wird sortiert.

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(Stillleben auf dem Teppich: Kartenspiel und Bauernhof. Die Zweieinhalbjährige Marina hat Spaß am Sortieren und Gruppieren, ein jedes nach seiner Art.)

Ich wusste gar nicht, dass Du eine Spielerin bist!

Oh doch, und wie! Ich konnte das schon ganz früh, mit sechs Jahren. Damals, 1942, zogen zwei alte Tanten zu mir und meiner Mutter, die mit ihrer privaten Nähschule pleite gegangen waren. Wir gaben ihnen ein Zimmer ab. Diese Tanten spielten mit mir Rommé, und ich war darin ziemlich gut. Mit Freunden spielen wir heute regelmäßig Canasta. Und Skat kann ich auch, obwohl das eigentlich ein Männerspiel ist.

Da vererbst Du Dein Hobby ja sehr früh weiter!

(Lacht) Hm, Pokern muss Marina jetzt vielleicht noch nicht... Was ich wirklich mit Bedacht weitergebe, ist die Liebe zu Büchern. Ich bin auch stolz darauf, dass mir das gelingt. Mein Vater gab selbst in schweren Zeiten lieber Geld für ein rororo-Buch aus als für etwas zu essen. Auch meinem Sohn und der Schwiegertochter sind Bücher wichtig.

Gerade steckt die Welt in einer Finanzkrise. Belastet Dich das?

Freunde von uns sind betroffen, das schon. Ich habe vor einem Jahr Aktien verkauft, das Geld hat jetzt mein Zahnarzt. Ich hatte nie genug Gier, spektakuläre Anlagen zu kaufen, warum auch. Das wichtigste, was eine Großmutter zu geben hat, ist sowieso nur Zeit, das ist mir inzwischen völlig klar.

Deine Besuche bei der Enkeltochter dauern immer fünf Stunden...

Ja, mindestens. Dann hat die andere Oma auch mal frei und Zeit für sich, ihren Mann und ihren Haushalt. Neulich waren sie für drei Wochen verreist, da bin ich bei Marina für sie eingesprungen. Ich bin inzwischen so weit, dass ich mit dem anderen Großelternpaar langfristig die Urlaube abstimme. Dass es mal dazu kommt, hätte ich im Leben nicht gedacht!

Veröffentlicht am 6. November 2008. (1292 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann