Bauchschmerzen – weil Schwiegermama zu Besuch kommt
Meine Schwiegermutter hat sich für die freien Tage am Jahresende bei uns angesagt. Sie will zwei Wochen bleiben, damit es sich lohnt. Sie wohnt ja sonst weit weg und hat nicht viel von unserem Sohn (8 Monate) und ihrem Sohn, also meinem Mann (34). Das stimmt, aber ich habe trotzdem schon jetzt richtige Bauchschmerzen. Erst einmal ist es organisatorisch ein ziemlicher Aufstand: Das Kinderbett muss in unser Schlafzimmer, weil sie im Kinderzimmer schläft, ihre Sachen liegen in meinem Arbeitszimmer, weil im Kinderzimmer dafür kein Platz ist, usw. Aber vor allem ist sie jemand, der sich wichtig nimmt und schnell beleidigt ist, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Zu mir verhält sie sich immer als wäre sie mein Chef, belehrend und fordernd. Ich will die Frage einfach mal loswerden: Wie hält man solchen Oma-Langzeitbesuch am besten aus? Ich habe keine Lust, mich 14 Tage (!) ihren Launen unterzuordnen! Ricarda M.
Liebe Ricarda,
nur keine Panik, wenn Schwiegermama anrückt! Allerdings ist eines klar: Man kann nicht sein gewohntes Leben weiter leben und hoffen, dass sich Oma-Mama nahtlos einfügt. Das tun sie nie, schon gar nicht Frauen vom Kaliber Ihrer Schwiegermutter.
Bereiten Sie sich also strategisch vor. Dazu gehört, rechtzeitig Kinderzimmer, Bad und Küche etwas radikaler auf Vordermann zu bringen als üblich. Lassen Sie Ihren Liebsten Hand anlegen, er weiß schließlich am besten, worauf seine Mutter gesteigerten Wert legt: duftende flauschige Handtücher, keine abgelaufenen Lebensmittel im Kühlschrank, Energiesparlampen im Flur, ausreichend „Küchenrolle“ auf Vorrat ... Was auch immer. Sie soll sich wohlfühlen und ruhig auch die besonderen Bemühungen bemerken, die für sie gemacht werden. Schwiegermutters Geschenke und/oder Familienerbstücke Ihres Mannes so zu positionieren, dass man sieht, die werden geehrt, ist auch keine schlechte Idee. Wenn Oma-Mama die Perfektionistin ist, als die sie erscheint, wird sie natürlich dennoch einige „Haare in der Suppe“ entdecken (und je nach Temperament dazu schweigen oder nicht!), aber trotzdem schadet 1-A-Aufräumen nichts: Sie haben danach einfach ein besseres Gefühl.
Wichtiger ist sowieso die „ideologische“ Vorbereitung. Greifen Sie sich am besten eine ältere Kollegin, Nachbarin oder Freundin und fragen Sie sie nach ihren Besuchen bei ihren verheirateten erwachsenen Kindern. Das löst meist einen Erzählschwall aus - und versetzt Sie in die Lage, Ihr Problem aus der Täter-Perspektive zu sehen, nämlich der des Besuchs.
Sie werden feststellen, dass Schwiegermutter eigentlich nur eines will: ihren geliebten Sohn glücklich sehen. Das und nur das ist der Grund ihrer ungenierten Herumschnüffelei. Sie können sie um den Finger wickeln, wenn Sie ihr sagen, dass Ihr Mann für Sie ein Glücksfall war und er - dank seiner guten Kindheit - ein Super-Vater ist... Denn das ist das schönste Lob für sie.
Verstellen und unterordnen müssen Sie sich während des Besuchs Ihrer Schwiegermutter nicht. Seien Sie selbstbewusst und höflich. Sie bleiben die Hausherrin in Ihrem Heim. An Ihrem Ehemann können Sie in Gegenwart seiner Mutter eventuell einen gewissen Rückfall beobachten. Ihr gegenüber ist er mit 34 immernoch Kind, manchmal hört man das sogar an der veränderten Stimmlage. Oder: Wenn er „wir“ sagt, meint er gelegentlich sich und seine Eltern und nicht seine eigene neue Familie... Machen Sie sich keine Sorgen, das hört sofort auf, wenn sie wieder allein sind.
Bringen Sie Ihren Angetrauten während der „Besuchszeit“ möglichst niemals in die Situation, sich für eine der beiden Frauen entscheiden zu müssen, die er von Herzen liebt. Ziehen Sie ihn in mögliche Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und seiner Mutter nicht hinein, so dass er Partei ergreifen muss. Er kann nichts dafür, wenn sie findet, Sie benutzen zu teure Kosmetik. Sie müssen sich dafür auch nicht rechtfertigen. Es geht Oma einfach mal nichts an, Sie machen ihr ja schließlich auch keine Vorschriften.
Apropos Oma. Natürlich ist sie wegen des Enkels gekommen. Aber das heißt nicht, dass sie die ganze Zeit mit dem Kind verbringen möchte. Sie hat mit Sicherheit einen großen Redebedarf und will Aufmerksamkeit für ihre Probleme. Versuchen Sie, einen oder auch mehrere Besuchstage der Schwiegermutter ganz ihr zu widmen – Essengehen, Theaterbesuch etc. - und für den Kleinen einen Babysitter zu engagieren. Sie können sicher sein, dass sie diese Abende genießt.
Anstrengend ist im übrigens jede Art Besuch, nicht nur der der Schwiegermutter. Wilhelm Busch wusste es: „Es ist sehr schön, wenn wir die Freunde kommen sehn ... Doch wenn sie schließlich wieder gehen, ist’s auch recht schön.“ Recht hatter! In Phasen, wo Oma besonders nervt, hilft vielleicht folgender Gedanke: Auch Sie haben einen Sohn – und werden ihn und seine Frau vielleicht irgendwann als Oma heimsuchen... Wie bitte? Sie gehen lieber ins Hotel? Das könnte Schwiegermama nächsten Dezember ggf. auch in Betracht ziehen.
Uta Alexander


