Die Freunde meines Enkels sind der falsche Umgang für ihn

Wenn mein Enkel (6) in den Ferien bei uns zu Besuch ist, spielt er immer mit den ungefähr gleich alten Nachbarjungen. Sie kommen aus, gelinde gesagt, schwierigen Verhältnissen. Die Eltern lassen Haus und die Tiere übelst verwahrlosen, das kann jeder im Ort sehen. In letzter Zeit werden sie immer frecher, ich kann eigentlich keinen mehr leiden. Sie brüllen und toben nur beim Spielen, schmeißen wahllos mit Sachen herum, nichts ist ihnen heilig, sie haben keinen Anstand. Bei mir zuhause gingen sie gestern ohne zu fragen einfach an den Kühlschrank und nahmen sich alle Fruchtzwerge heraus. Am liebsten würde ich meinem Enkel den Umgang verbieten und keinen von den „Freunden“ mehr ins Haus lassen. Ich habe den Eindruck, dass die Manieren, der laute Ton und die Kaputtmache-Mentalität auf ihn abfärben. Er ist einer, sie sind drei, also passt er sich an. Aber dann hat er niemanden mehr in der Nachbarschaft zum Spielen und wird vielleicht sogar angefeindet. Was würden Sie raten? Vera B.

Liebe Vera,

den Umgang mit den Freunden zu verbieten, ist keine gute Idee. Wahrscheinlich sind die Besuche Ihres Enkels für die Nachbarjungen immer eine freudige Abwechslung. Und auch für Ihn gehören die Jungs zu seinem zweiten Zuhause bei Oma und Opa. Die Kinder freuen sich aufeinander, egal, was Sie davon halten. Schon rein praktisch ist ein Kontaktstopp da kaum zu verwirklichen, Sie können den Enkel ja nicht einsperren.

Ich empfehle die Zuckerbrot-Taktik. Die Jungs sind erst sechs Jahre alt, da haben Sie als erwachsene Frau doch noch einigen Einfluss. Nutzen Sie den. Statt die Kinder von Haus und Hof fern zu halten, holen Sie sie lieber herein. Lassen Sie sie aber nicht allein spielen, sondern bleiben Sie, wenn möglich, in Sicht- und Hörweite.

Geben Sie Regeln vor. Zum Beispiel, dass benutzte Gegenstände hinterher gemeinsam aufgeräumt werden. Das kein neues Spiel begonnen wird, ehe nicht das alte an seinem Platz ist usw. Warnen Sie die Kinder vor, was geschieht, wenn sie sich nicht daran halten. Dass dann nämlich das Spiel für diesen Tag vorbei ist und Sie sie sofort nach Hause schicken werden.

Geben Sie stets einen netten Ton vor. Bitte und Danke sollten selbstverständlich sein. Eigentlich sind Sechsjährige dafür empfänglich. Sie genießen es, höflich und mit Respekt behandelt zu werden, umso mehr, wenn sie es von zuhause anders gewohnt sind. Loben Sie die Kinder, wenn alles gut klappt.

Sie können sich auch etwas mehr ins Zeug legen und in der Ferienzeit Ihres Enkels z.B. einen Topf Spaghetti oder einen Kuchen für alle bereit halten. Die Blicke in den Kühlschrank zeigen, dass für die Jungen eine leckere Mahlzeit durchaus eine Motivation zum Wohlverhalten wäre. Überhaupt geht ihr Verhältnis zu Ihnen durch den Magen. Eine gastliche nette Nachbarin ist ein hoher Wert und wird u.U. fest ins Kinderherz geschlossen, man lässt sich von ihr auch was sagen. Für den Fall, dass die Meute im Zimmer nicht zu halten ist, ließen sich vielleicht draußen sinnvolle Beschäftigungen finden, die Zusammenarbeit erfordern und dann belohnt werden.

Überprüfen Sie auch nochmal die Maßstäbe, nach denen Sie Kinder bewerten. Insbesondere, wenn Sie nur eine Tochter hatten,gehen Ihnen vielleicht kleine Jungen allzu schnell auf die Nerven. Sie spielen lauter und wilder, sie wetteifern und kämpfen und manchmal sieht das gefährlicher aus als es ist.. Machen Sie sich klar, dass die kleinen Männer anders ticken als Mädchen und man sie nicht „weichspülen“ sollte.

Vielleicht ist für Ihren Enkel der Umgang mit den „harten Kerlen“ sogar gut. Er lernt es, sich durchzusetzen und mit Menschen zusammen zu sein, die anders sind als er. Das wird er im Leben brauchen.

Wenn Sie auf Ihren Enkel einreden und ihm sagen, dass seine Freunde schlecht sind, verunsichern Sie ihn nur. Was soll er tun? Den Freunden sagen, dass Oma verbietet, mit ihnen zu spielen? Er stünde als Weichei da, wenn er sich daran hält. Soll er sagen, er will selbst nicht mehr mit ihnen spielen? Wenn die Idee nicht von ihm kommt, machen Sie ihn zum Lügner. Beides können Sie nicht wollen.

Sinnvoll sind Gespräche über die Freunde. Ich kann mir vorstellen, dass auch Ihr Enkel nicht jede Verhaltensweise seiner Kumpel gut findet. Das zu denken und zu sagen, ist auch Ihr gutes Recht. Am besten wäre aber, Sie sagen es dem jeweiligen jungen Übeltäter direkt ins Gesicht – und geben ihm eine neue Chance. Auf jeden Fall ist es verhängnisvoll, die Freunde pauschal zu verteufeln. Sie machen sie damit nur umso verführerischer. Trauen Sie auch dem Instinkt Ihres Enkels. Vielleicht sieht er in den ungezogenen Burschen von nebenan den liebenswerten, netten Kern, den Sie nicht sehen.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 7. Februar 2009. (1196 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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