Braucht die Welt eine Charta der Großeltern-Rechte?

Grandparents-charter
Ja! Eine Art "Grundgesetz" soll die störanfälligen Beziehungen zwischen Omas und Opas und ihren erwachsenen Kindern regeln helfen, wünschen sich die Grannynet-Herausgeberinnen in Suffolk und Essex.

GroßelternReport hat eine kämpferische und geschäftstüchtige kleine Schwester in England: grannynet:

Sie heißen nicht Oma Hilde, Ruth oder Petra, sondern verry vornehm-britisch Lynne, Aggie, Geraldineth, Cyber-grandma 35 oder Rhylleysgranny. Trotzdem beschäftigen sie genau dieselben Fragen wie Großmütter in Hamburg, Karlsruhe oder anderswo auf der Welt.

Sollte man seine Enkel nach Lust und Laune besuchen oder lieber zu fest verabredeten Zeiten? Darf man sie notfalls bestrafen, wie man es für richtig hält oder ist das Sache der Eltern? Riskiert man einen Bruch mit seinen erwachsenen Kindern, wenn man sich als rechtloser Babysitter ausgenutzt fühlt und beklagt?

Auf grannynet.co.uk sind Lorna Edwards aus Suffolk und ihre Tochter Veritiy Gill seit kurzem dabei, ein „soziales Netzwerk“ für Männer und Frauen aufzubauen, die wie Lorna das Oma/Opa-Stadium ihres Lebens erreicht haben und sich regelmäßig um ihre Enkel kümmern. Ihr Projekt ist eindeutig eine Marktlücke. Denn während Eltern in Schule oder Kindergarten Gelegenheit haben, sich untereinander auszutauschen, bleiben Großeltern oft Einzelkämpfer, die sich in ihrer Rolle nicht immer ganz sicher fühlen. Ganz oben auf der To-do-Liste der Grannynet-Macherinnen steht deshalb eine Charta der Großeltern-Rechte.

Das Gerüst bilden zehn Punkte, die derzeit im Forum der Site zur Diskussion stehen. Einer ist etwa, ob es eine Altersgrenze geben soll, ab der es als unverantwortlich gälte, auf kleine Kinder aufzupassen bzw. bestimmte gesundheitliche Kriterien als Voraussetzung für Senior-Baby-Sitter. Oder: Wo ist der beste Platz für’s Enkel-Hüten: daheim bei sich oder zuhause bei ihnen? Sollte der Staat regelmäßig miterziehende Großeltern unterstützen wie Profi-Erzieher, die sich beruflich um Kinder kümmern? Sollten die erwachsenen Kinder ihre Eltern bezahlen? Braucht es einen festen Arbeitsvertrag zwischen ihnen? Legt man besser vorher Grundregeln für den Oma/Opa-Job fest oder ergeben sich diese von selbst im Laufe der Zeit?

Grannynet, das auch Alter, Familienstatus, Einsatzfrequenz und Zufriedenheit seiner User statistisch erfasst, sammelt dazu Meinungen.

Wem man die Charta schließlich anträgt und wann sie fertig sein soll, ist unklar. Aber darum geht es vielleicht auch nicht. Sondern wohl eher um eine gewisse Solidarität der Eltern junger Eltern miteinander und natürlich den Ausbau der Geschäftsidee von Verity&Mom.

Ausdrücklich legt die junge Mutter und Herausgeberin internetbasierten Firmen ans Herz, die Großeltern-Generation mehr zu beachten und ihre Interessen im Hinblick auf Enkel und Familie aktiv zu unterstützen. Den Rahmen der Dialog-Site bilden folglich praktische Tipps zu den Themen Spielen und Lernen, Ernährung, Basteln, Kleidung, Gesundheit, moderne Technologien, Geld und Reisen sowie Offerten für „Granny“ ganz allein, die sich ohne Zweifel für Beauty, Wellness und Shopping noch genauso brennend interessiert wie mit 20, 30 oder 40. Wer englisch spricht, kann im Forum mitreden, Shoppen klappt auch stumm.

* „Die Zeit“ entdeckte grannynet ebenfalls und stellte die Site vor unter: „Oma-Revolte aus dem Netz“*

Veröffentlicht am 1. September 2008. (1355 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann