Schöne Idee: Oma/Opa-Enkel-Bäume

Noch der Enkel von Enkel Louis wird Freude an diesem Baum haben, der im vorigen Jahr am Ufer des Bodensees gepflanzt wurde. Bergahorn überdauert mehs als ein Menschenleben. Foto: U. Alexander
Bei einer Radtour am Bodensee stießen wir in Friedrichshafen auf diesen kräftigen jungen Ahorn:
(Opa Udo und Enkel Louis besitzen einen "Stammbaum", an dem sich viele Leute freuen können. Foto: U.A.)
Eindeutig ein Opa-Enkel-Baum, wie dem Schild (sh.oben) zu entnehmen war.
Begeistert von der Idee fragten wir in der Zeppelinstadt nach und erfuhren: Bürgerbäume haben dort im wahrsten Wortsinn "feste Wurzeln". Den Vorschlag machte zuerst ein Bürgerforum, das zur Jahrtausendwende Ideen für eine familienfreundliche Stadt entwickelte. Rotraut und Jürgen Binder griffen den Gedanken kurzerhand auf, als 2003 ihre erste Enkelin Kami zur Welt kam. GroßelternReport sprach mit dem Paar, das inzwischen drei Enkelkinder hat:
(Rotraut und Jürgen Binder. Foto: privat)
GroßelternReport: Wie geht es dem Bäumchen, das Sie vor fünf Jahren für Ihre neu geborene Enkelin pflanzten? Ist es schön gewachsen?
Rotraut Binder: Dem Baum geht es hervorragend – wir können uns jederzeit davon überzeugen, weil er im Außenbereich des benachbarten Kindergartens steht und leicht vom Weg aus zu sehen ist. Die Krone wird dichter und der Ernteertrag wächst.
GroßelternReport: Haben Sie lange überlegt, welche Art Baum es sein sollte und wo er stehen wird? Was gab den Ausschlag?
Rotraut Binder: Der Standort war schnell bestimmt: In den besagten Kindergarten gingen bereits unsere eigenen Kinder, also auch der Papa der Enkelin. Die Schwiegertochter hatte die Idee mit dem Walnussbaum, aus dem die Kinder des Kindergartens noch einen besonderen Nutzen bzw. Genuss ziehen könnten.
GR: Waren Sie beim Pflanzen dabei?
Rotraut Binder: Wir, die Großeltern, die Mama des Kindes und unsere Enkelin Kami waren bei der Pflanzung dabei. Der Kindergarten arrangierte mit den Kindern im Beisein des Oberbürgermeisters sogar ein ganzes Fest um den Nussbaum.
(Quirlige Pflanzaktion für Kamis Nussbaum im herbstlichen Kindergarten. Damals trug Oma - Bildmitte mit rotem Stirnband - die Enkelin noch auf dem Arm. Foto: privat)
GR: Ihre Enkelin ist jetzt fünf Jahre alt. Kennt sie "Ihren Baum", besuchen Sie ihn gemeinsam?
Rotraut Binder: Kami kennt natürlich ihren Baum und stattet ihm mit uns oder den Eltern regelmäßig einen Besuch ab, wenn sie aus Hamburg an den Bodensee kommt. Sie konstatiert auch jedes Mal, dass er „viel größer“ geworden ist und zählt die daran wachsenden Nüsse, die alljährlich etwas mehr werden. Der Kindergarten steht ihr auch immer offen, deshalb sagt sie stolz, sie habe zwei Kindergärten – einen in Hamburg und einen in Friedrichshafen.
GR: Hat sich nach Kami noch jemand in Ihrer Familie ein Bäumchen gewünscht?
Rotraut Binder: Inzwischen hat auch unsere zweite Enkelin Juliane ihren eigenen Baum im Hof der Grundschule ihrer Mama und es ist völlig klar, dass auch weitere Enkelkinder ihre eigenen Bäume bekommen sollen. Unsere Enkelkinder haben damit ganz realistische Wurzeln in der Heimat ihrer Eltern. Vielleicht kommen sie schon ihrer Bäume wegen auch später gerne nach Friedrichshafen.
Jürgen Binder: Die Oma Rotraut hat sich zu ihrem 60. Geburtstag ebenfalls einen Baum schenken lassen, der in den Außenanlagen ihres früheren Arbeitsplatzes, einer Schule, steht.
Rotraut Binder: Wir möchten noch betonen, dass sich nicht nur die Beschenkten, sondern auch die Spender an den Bäumen freuen und gerne danach schauen, wie das Geschenk gedeiht. Wo besser als im öffentlichen Raum kann man sich davon überzeugen, dass das Präsent willkommen ist?
Zahlen und Fakten
In und um Friedrichshafen sind schon 128 Bäume gespendet worden.
Gern verbinden die Spender das Pflanzen mit einem besonderen persönlichen oder familiären Anlass.
Gepflanzt wird jeweils zur Pflanzzeit. Für die Pflanzaktion im Herbst/Winter 2008 sind bereits weitere Bürgerbäume bestellt worden.
Die Bäume können im gesamten Stadtgebiet gepflanzt werden, überall ist noch Platz für Grün.
Verschiedene Baumarten stehen zur Wahl: Obsthochstamm (Apfel, Birne etc. für 100 Euro), kleinkronige Laubbäume (z. B. Feldahorn, Hainbuche für 200 Euro) oder großkronige Laubbäume (Linde, Walnuss und ähnliche Baumarten für 300 Euro).
Die Spender wählen die Art des gewünschten Baumes und bestimmen, in welchem Stadtteil er gepflanzt werden soll. Die genaue Festlegung des Standortes, Pflanzung und Pflege übernehmen dann das städtische Grün- und Gartenamt.
Wäre die Baum-Aktion vielleicht auch was für Ihre Heimatstadt? Wer Fragen zu "Bürgerbäumen" hat, wendet sich an die Abteilung Umwelt und Naturschutz in Friedrichshafen (Telefon: 07541 203-2191, E-Mail: umweltamt@friedrichshafen.de).
Sie haben selbst ein Enkel-Bäumchen gepflanzt? Schicken Sie ein Foto!
... am liebsten eines mit sich selbst und dem Enkel darauf, und ein paar erklärende Worte an GrosselternReport: mail@grosseltern-report.de
Wir veröffentlichen es gern!
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