Meine Enkelin wächst auf Wunsch ihrer Mutter bei mir auf, aber es fehlt eine rechtliche Regelung
Seit zwei Jahren lebt meine Enkelin, inzwischen 5 Jahre alt, bei mir. Ihre Mama ist psychisch krank, der Papa holt sie alle 14 Tage am Wochenende. Ich möchte gern eine rechtliche Regelung, auch um konkrete Anträge auf Unterstützung stellen zu können, werde aber nur hingehalten. Ich bekomme nur eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente, keine Hilfe vom Jugendamt, die Familienrichterin sieht keinen Handlungsbedarf... Wir leben am Existenzminimum weil sich niemand zuständig fühlt. Hat jemand einen Rat für mich?
Vielleicht ist es hilfreich, noch ein wenig mehr zu wissen: Eines Tages vor zwei Jahren saß meine Tochter (Silkes Mama) vor mir und teilte mir mit, sie hätte jetzt erkannt wie wichtig es wäre, eine Therapie zumachen, auch um von Tabletten los zu kommen. Es gäbe nur ein Problem, sie wollte es ohne ihre Tochter machen. Jetzt gäbe es die Möglichkeit, dass das Kind in eine Pflegefamilie kommt oder ich würde sie nehmen. Keine Frage, ich war ja berufsunfähig, also habe ich Silke genommen. Meine Tochter und ich waren auch beim Jugendamt und haben berichtet, was jetzt in unserer Familie geschieht. Das Amt war dann zweimal bei uns und man hat mir erklärt, dass es für das Sorgerecht nicht zuständig sei. Ich müsse mich an das Familiengericht wenden. Meine Tochter hatte mir formlos das Sorgerecht für ihre Tochter übertragen. Das hatte aber keinerlei Folgen.
Nach eineinhalb Jahren war dann wieder einmal jemand vom Jugendamt hier, um nachzusehen wie das Kind untergebracht ist. Dabei ging es auch um Verwandtenpflegegeld. Das wurde erst abgelehnt, dann habe ich erneut beantragt, - und seitdem werde ich vertröstet und gehe jetzt finanziell dem Ende entgegen. Ich bekomme eine Rente von rund 700 Euro, das Kindergeld und den Unterhalt vom Vater. Davon muss ich alles bezahlen, was wir beide brauchen. Grundsicherung bekomme ich nicht, da Silkes Mietanteil bei mir angerechnet wird.
Kürzlich stellte ich beim Familiengericht einen Antrag auf Aufenthaltsbestimmungsrecht und Vertretung bei Ämtern, Behörden und Ärzten und bekam von der Richterin die Nachricht, dafür sei das Jugendamt zuständig. Das Sorgerecht sei ja der Mutter niemals weggenommen worden. Ich habe aber auch ein Schreiben vom Jugendamt zu diesen Fragen, in dem es mich ans Familiengericht verweist!
Die Mama von Silke bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Sie ist mal zuhause, mal im Krankenhaus und hat eine Betreuerin für Vermögen, Gesundheit, Ämter und Behörden mit Einwilligungsvorbehalt. Sie sieht ganz klar, dass sie im Moment nicht für ihr Kind sorgen kann und ist auch mit allem einverstanden,was ich tue und wünsche. Nur wurde sie bis jetzt nicht gehört.
Nächstes Jahr kommt meine Enkelin zur Schule. Wie soll es weitergehen? Es kann doch nicht richtig sein, was hier geschieht. Das Jugendamt sagt, es wäre eine "private Vereinbarung" dass Silke bei mir ist. Meine Meinung ist, man will Geld sparen: Hätte das Jugendamt Hilfe zur Erziehung gewähren müssen, was jetzt durch mich nicht nötig ist, wären auch Kosten entstanden.
Als das Mädchen zu mir kam, hat es kaum gesprochen. Silke wusste nicht, was Spielen ist, hatte furchtbare Angstattacken. Wenn wir gegessen haben und irgendetwas wurde leer, hat sie laut geweint: Nein, wir dürfen nicht mehr essen, sonst ist das alle... Es lässt sich gar nicht alles in Worte fassen, was ich mit ihr erlebte. Jetzt ist sie ein fröhliches kleines Mädchen, ganz selten merkt man noch die Angst. Nur meine Kraft ist nicht unerschöpflich und bei allem was ich da geleistet habe, möchte ich mir wenigstens finanziell keine Sorgen mehr machen müssen! Elisabeth K.
So ging es weiter:
GroßelternReport leitete Elisabeth K. an Berater des Vereins "Familie für Kinder" weiter. Dort holte sie sich kompetenten Rat zum Thema "Vollzeitpflege". Im Ergebnis bekam Elisabeth K. Pflegegeld bewilligt. Sie beantragte außerdem eine Pflegegeld-Nachzahlung. Die Großmutter schaltete zuvor die Frauenbeauftrage ihrer Gemeinde ein, sowie eine Rechtsanwältin. Sie sprach mit Journalisten ihrer Kreiszeitung über ihre Lage und regte die Gründung einer Großelterngruppe an.
An GroßelternReport schrieb sie:
... es ist nicht wirklich erstrebenswert, die Enkel zu erziehen, die Großelternrolle bleibt dabei auf der Strecke und von Enkel-Genuss keine Spur mehr... Hinzu kommt das eigene Leben, welches einfach auf der Strecke bleibt; genau dafür möchte ich sensibilisieren. Und wenn es denn schon nicht anders geht, soll wenigstens Hilfe da sein. Gemerkt habe ich, dass die Schamgrenze sehr hoch ist: Man hat es nicht geschafft, sein eigenes Kinder so zu erziehen, dass es verantwortungsbewusst die Elternrolle übernehmen kann, und jetzt kümmert man sich auch noch um die Enkel. Teilweise betreuen Frauen drei Enkel von zwei Kindern, aber niemand soll wissen, wie schwer es ist, weil, es ist ja meine "Pflicht". Nur keine Hilfe annehmen. Wann hören wir Frauen endlich auf, uns aufzuopfern?! Muss man erst 50 werden, um das nicht mehr zu wollen!? :)
Das könnte Sie auch interessieren:
- Ratgeber zur Verwandtenpflege in drei Teilen Für Großeltern, die ihre Enkel aufziehen wollen.


