Großeltern-Kurse: Junge Eltern melden ihre Eltern an

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Sie hört nicht mehr so gut, er spricht noch nicht, dennoch unterhalten sie sich prächtig: Oma Käthe(81) und ihr Urenkel Robert (1/2 Jahr alt) Foto: A. Thomas

Ilse Hörwick-Arif, Hebamme und Mitbegründerin des Geburtshauses Hamburg, gibt dort seit einem Jahr Kurse für Großeltern. GroßelternReport fragte sie nach Beweggründen und Erfahrungen.

GroßelternReport (GR): Wie kamen Sie als Hebamme auf die Idee, sich mit Omas und Opas zu befassen?

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(Ilse Hörwick: Großeltern sind ein Riesenschatz für Kinder. Foto: Schupfner)

Ilse Hörwick: Ich bin zwar noch nicht selbst Großmutter geworden, aber Großtante. Da habe ich gespürt, dass es innerlich wirklich etwas auslöst, wenn in der Familie die nächste Generation kommt. Das war ein Denkanstoß.

Das Motiv für die Kurse kommt aber vor allem aus meiner Hebammenarbeit heraus. Bei Untersuchungen in der Schwangerschaft oder bei den Wochenbett–Besuchen nach der Geburt haben Hebammen durchaus Berührung mit begleitenden oder unterstützenden Großeltern. In der Stillberatung oder beim Babyschwimmen habe ich manchmal noch bis über das erste Jahr hinaus Kontakt mit einer jungen Familie.

GR: Was fällt Ihnen dabei auf?

Ilse Hörwick: Gerade in der Wochenbettbegleitung und der Stillfortbildung werden Großeltern gelegentlich als Problem geschildert. Zwischen ihnen und den frisch gebackenen Eltern gibt es „Störfelder“, falls das Verhältnis zwischen den Generationen nicht richtig geklärt ist. Andererseits erleben die jungen Leute auch eine großartige Unterstützung. Warum es so oder so sein kann, interessiert mich.

GR: Es geht also in den Großelternkursen nicht darum, die verschüttete Baby-Kompetenz wieder aufzufrischen?

Ilse Hörwick: Im Mittelpunkt stehen die Befindlichkeit und die Erfahrungen der Großeltern. Was sie bewegt, ist Freude und zugleich Sorge um die erwachsenen Kinder, die jetzt in die Elternverantwortung gehen. Werden sie damit klarkommen? Wie kann man ihnen beistehen? Wird die Partnerschaft es aushalten? Oft hat man gar nicht mehr mit Nachwuchs gerechnet... Alles wird jetzt anders. Es geht auch um die eigene Freiheit. Muss man jetzt immer verfügbar sein?

GR: Taugt der gute Rat von früher eigentlich noch?

Ilse Hörwick: Die Frage stellt sich etwas anders: Großmütter können auf manchen Ebenen gar nicht beraten, weil sie wichtige Erfahrungen gar nicht gemacht haben! Sie tun es trotzdem. Ein Beispiel dafür ist das Stillen. Ich erlebe Wöchnerinnen nach Besuchen bei den Eltern oft tief verunsichert, sie haben den Blick auf sich selbst verloren. Ihre Mütter und Schwiegermütter haben meist nicht gestillt, oder nur kurz. Es wurde das Fläschchen gegeben, und zwar im grauenhaften 4-Stunden-Rhythmus. Dazwischen ließ man das Kind schreien.

GR: Das und die Kunstnahrung galten in den 50er bis 70iger Jahren als fortschrittlich und gesund.

Ilse Hörwick: Selbst Mediziner teilten die Ansicht, kein Wunder, dass sie sich so hartnäckig hält.

Es brauchte zwei Generationen und die Frauenbewegung, bis Frauen endlich wieder ihrer Intuition und ihrer Vernunft trauen und wozu ich die jungen Mütter auch ermutige. Aber noch heute wird ein Baby mit Fläschchen assoziiert, nicht mit der weiblichen Brust. Auf Piktogrammen für Stillräume sieht man Kind + Flasche. Kleinen Mädchen schenkt man zur Puppe selbstverständlich ein Fläschchen. Ich rege mich immer wieder darüber auf.

GR: Die Kinder sind früher trotzdem groß geworden, heißt es heute gern, und sogar ganz gut, warum machst du solche Umstände...

Ilse Hörwick: Das sagen manche Mütter oder Schwiegermütter wohl aus einer Art Trotz heraus. Andere sind eher traurig, weil sie viele Möglichkeiten nicht hatten, die heute selbstverständlich sind. Sie sehen sich um wunderbare Erlebnisse und Gefühle betrogen und würden sie am liebsten nachholen. Wieder andere heutigen Großmütter erlebten als junge Frauen traumatisierende Behandlungen im Gesundheitssystem und haben deshalb Angst. Der Bedarf, über all das zu reden, ist groß, besonders in Erwartung eines Enkelkindes. Die Kurse mit fünf bis zehn Teilnehmenden sind dafür gerade richtig.

GR: Erwarten werdende Großeltern nicht doch ganz konkrete Verhaltens-Tipps von Ihnen, der Expertin?

Ilse Hörwick: Selbstverständlich vermittle ich Wissen darüber, wie heute was in der Babypflege gemacht wird und lasse Erkenntnisse aus der Bindungsforschung und der Pränatalforschung einfließen. Viele machen sich beispielsweise Sorgen, ob der Säugling im Tragetuch Schaden nimmt. Bei mir lernen sie, wie ein Tuch korrekt gebunden wird und warum es dem Kind gut tut. Es geht mir um die frühe Zeit der Kinder. Hier wächst das Urvertrauen eines kleinen Menschen in seine Familie und die Welt – oder auch nicht.

Ich bin Hebamme, Pädagogik ist nicht mein Thema. Ich glaube, liebevolle Großeltern sein, das können die Leute von selbst. Großmutter und Großvater zu werden verlangt aber, die eigenen Erfahrungen zu überdenken, statt sie ungefiltert den eigenen Kindern überzustülpen. Dabei kann ich helfen.

GR: Täuscht der Eindruck aus unserem Kummerkasten, dass es meist mit den Schwiegermüttern zu Reibungen kommt?

Ilse Hörwick: Das mag an der Natur eines Kummerkastens liegen. Ich kann es aus meiner Erfahrung nicht bestätigen.

Es gäbe allerdings Erklärungen: Wenn es zwischen Partnern nicht klappt, wird gern dessen Mutter verantwortlich gemacht. Die eigene steht einem emotional näher, sie zieht man ins Vertrauen. Oder: Unerfahrene junge Frauen, die sich erst noch beweisen müssen, dass sie die Mutterrolle packen, fühlen sich zeitweise selbst wieder klein. Regression sagen Psychologen dazu. Diesen „Rückfall in die Kindheit“ mutet man am ehesten der eigenen Mutter zu.

Einen großen Vorzug hat die Schwiegermutter aber doch: Sie lernt die junge Frau als Erwachsene kennen und nimmt sie manchmal ernster...

GR: Wie finden die Großeltern zu Ihnen?

Ilse Hörwick: Die Schwangeren aus den Vorsorgen und Kursen im Geburtshaus Hamburg geben meist den Anstoß, manchmal vor der Geburt, manchmal kurz danach. Aus Selbstschutz, könnte man sagen. Sie haben keine Lust, sich mit veralteten Weisheiten herumzuschlagen. Sie wollen sicherstellen, dass sie und die Großeltern vom selben Level starten und miteinander reden können.

Einmal saßen eine Mutter, ein Stiefvater und eine Tante aus derselben Familie vor mir. Sie waren von ihren Kindern zu dem Kurs „verdonnert“ worden, in Form eines Ostergeschenks. Clever, oder? Einen Riesenaufwand bedeuten die Kurse übrigens nicht. Es sind nur vier Stunden an einem Vormittag

GR: Fremdeln die Männer im Oma/Opa-Kurs?

Ilse Hörwick: Nein, die sind ganz bei der Sache. Die heutigen Großväter zwischen 50 und 80 lebten ja meist noch die traditionelle Männerrolle. Sie waren für den Lebensunterhalt zuständig. Es entging vielen von ihnen, einen kleinen Menschen aufwachsen zu sehen und etwas über seine ureigenen Bedürfnisse zu erfahren. Jetzt wollen sie das ganz bewusst erleben.

GR: Haben Sie ein Feedback zum Effekt der Großelternkurse?

Ilse Hörwick: Was sie langfristig bewirken, kann ich nicht beurteilen. Wenn es in Familien gravierende Probleme zwischen den Generationen gibt, kann eine Hebamme diese zwar sehen, aber nicht lösen. Da müssten Therapeuten ran.

Es gibt aber ein Echo von den Kolleginnen aus ihrer Wochenbettbetreuung oder bei der Rückbildungsgymnastik, die später mit „meinen Müttern“ zu tun haben. Sie sagen, diese Frauen hatten mit den Omas und Opas einen guten Start. Auch die werdenden Großeltern geben mir Feedback. Sie sind zufrieden, dass sie Neues erfahren haben.

GR: Großeltern fassen Babys manchmal allzu zögerlich an. Stimmt es, dass Säuglinge das spüren und sich unsicher fühlen?

Ilse Hörwick: Ja, Babys mögen es klar und lieben eine gewisse Festigkeit. Ich finde aber, dass Großeltern die Ehrfurcht ruhig auch spüren dürfen, die sie vor dem kleinen Leben manchmal packt. Da kann es schon vorkommen, dass sie die Enkelin oder den Enkel allzu zart behandeln. Aber da müssen die lieben Kleinen dann einfach durch!

GR: Gab es auch Skepsis oder negative Reaktionen auf Ihre Idee der Großelternkurse?

Ilse Hörwick: Einmal rief ein älterer Herr an. Er war sehr verärgert. Wie ich dazu käme, Menschen zu belehren, die Kinder großgezogen und ein langes Leben gelebt haben, wollte er wissen. Belehren ist aber gar nicht meine Absicht. Ich sehe mich als Moderatorin. Großeltern mit ihrer Lebenserfahrung, ihrer Liebe und der Geborgenheit, die sie bieten, sind ein Riesenschatz für die Kinder, davon bin ich fest überzeugt.

GR. Was kostet ein Kurs?

Ilse Hörwick: 35 Euro pro Person.

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Veröffentlicht am 8. Juli 2008. (1413 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann