China: Kindliche Pietät gegenüber den Alten bis zur Selbstverleugnung
Renten- und Sozialversicherung sind in China erst im Aufbau begriffen. Die Familie ist seit 1996 gesetzlich verpflichtet, für die Alten aufzukommen, was der konfuzianischen Tugend der kindlichen Pietät entspricht. Sogar Enkelkinder sind danach gegenüber den Großeltern versorgungspflichtig, wenn die Mittelgeneration fehlt.
Die Anforderungen sind aus der Sicht eines Europäers extrem: Die Jungen müssen für Wohnraum sorgen und den Alten ein Lebensniveau gewährleisten, das keinesfalls unter dem eigenen liegt. Auf dem Land sind die Felder der Alten zu bestellen, die Haustiere der Alten zu versorgen und den alten Eltern die Erträge zu überlassen. Verpflichtungen gegenüber den eigenen Kindern zählen nicht: Großeltern und Eltern gehen vor.
Ein alter kranker Verwandter kann eine ganze Familie in den Ruin treiben, weil diese für Behandlung und Pflege aufkommen muss. Oder Oma und Opa gehen gar nicht erst zum Arzt.
Bereits heute fühlen sich junge Leute überfordert, was Fälle von Ausbeutung und Misshandlung von Senioren provoziert. Experten vermuten, dass viele von ihnen den einzigen Ausweg sehen, ihrem Leben selbst ein Ende zu machen.
Was geschieht, wenn die erste Generationen der „kleinen Kaiser“ (Sprösslinge der Ein-Kind-Familien) mehrere Elternteile zu versorgen hat, ist noch nicht absehbar.
Mehr über das Verhältnis zwischen Alt und Jung bei Großeltern-Report in der Serie: "Großeltern anderswo":
Japan: Vormundrolle der Großeltern abgeschafft


