Soll ich feste Oma-Tage versprechen, noch vor der Geburt?

Ich bin in der 15. Woche schwanger. Bereits jetzt möchte meine Schwiegermutter das Versprechen haben, dass es einen festen Oma-Tag geben wird. Sie selber musste direkt nach der Geburt meines Mannes wieder arbeiten gehen. Ihre Eltern haben somit ihren Sohn großgezogen. Am liebsten würde sie jetzt mein Kind großziehen. Sie betont immer, dass ich Ganztags arbeiten gehen kann. Worüber sich andere Mütter wohl sehr freuen würden. Das möchten mein Mann und ich aber auf keinen Fall. Ich bleibe das erste Jahr zu Hause und auch danach möchte ich gerne als Tagesmutter arbeiten und mein Kind nicht den ganzen Tag hergeben. Jetzt besteht sie auf einen festen (ganzen) Tag in der Woche. Ich darf natürlich mit bei ihr zu Hause rumsitzen. Als ich ihr den Oma-Tag nicht versprochen habe hatte sie Tränen in den Augen. Wenn ich wirklich einem Oma-Tag zustimme, wären das direkt zwei feste Tage in der Woche, da meine Mutter dann natürlich auch einen Oma-Tag bekommen würde. Außerdem möchte ich gerne mit meinem Kind eine Krabbelgruppe und Babyschwimmen besuchen. Es kommt mir vor als wäre schon vor der Geburt alles verplant. Vermutlich wird jeder Besuch bei meiner Schwiegermutter ein Kampf werden, um wieder wegzukommen und eine Diskutiererei, wann wir wieder kommen.

Natürlich kann meine Schwiegermutter auch sehr lieb sein und es ist sehr schön dass sie sich auf ihr Enkelkind freut aber sie macht mir mit ihrem Übereifer wirklich Angst. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie versucht in den Kreissaal zu kommen. Ich träume schon davon, dass sie mir mein Kind wegnimmt. Mein Mann steht zwar auf meiner Seite, aber er versucht, jeder Diskussion mit ihr aus dem Weg zu gehen. Sie spricht mich auch meistens alleine an und es ist im Gespräch sehr schwer, gegen sie anzukommen. Man fühlt sich dann wie ein egoistisches Monster. Andrea T.

Liebe Andrea,

da denkt man doch gleich an Rumpelstielzchen: „Heute brat ich, morgen back ich, übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind...! Also, ich finde, so, wie sich Ihre Schwiegermama den Umgang mit dem Baby vorstellt, geht es gar nicht. Eine verbindliche Zusage noch vor der Geburt!? Sie sind kein Monster, wenn Sie etwas dagegen haben. Zumal Ihre Schwiegermutter Ihre Zusage vermutlich als Vertrag betrachten und energisch einfordern würde.

Lassen Sie das Kind doch erst einmal auf die Welt kommen. Man braucht dann eine ganze Weile, bis man das nötige Selbstbewusstsein als Mutter hat und sich halbwegs sicher ist, das Baby richtig zu verstehen. In dieser Phase sollte möglichst niemand stören.

Wann also wollte die Oma sich einschalten? Doch nicht wirklich ab dem Kreißsaal, oder? (Es gibt, finde ich, eine ungeschriebene Etikette: vor wem die Gebärende „Haltung bewahren“ möchte, der gehört dort nicht hin.) Aber auch in den ersten Lebensmonaten halte ich eine Betreuung durch drei Personen für ungünstig, allein schon organisatorisch. Aber auch psychologisch ist es für alle Beteiligten fragwürdig. Wie soll das funktionieren, wenn Sie als „lebende Milchflasche“,auf Stillen wartend, bei Oma auf dem Sofa sitzen, während diese Ihr Kind wickelt und unterhält? Wahrscheinlich hat sich die Schwiegermutter in ihrem Überschwang das alles noch gar nicht oder viel zu einfach vorgestellt. Mit Sicherheit ließe sich eine andere Art der – gelegentlichen - Arbeitsteilung finden, von der alle wirklich profitieren. (z.B. könnten Sie etwas Zeit für sich allein gewinnen, die braucht man schon mal.)Der Nachmittag nach dem Babyschwimmen, wenn alle entspannt und rechtschaffen müde sind, böte sich vielleicht als Oma-Enkel-Treff an. ...

Verstehen kann ich Ihre Schwiegermuter schon und ich habe auch großen Respekt vor Ihrem Angebot. Sie ist bereit, verbindlich Verantwortung zu übernehmen. Das ist wirklich etwas, wovon andere junge Mütter träumen. Es ist praktisch gedacht, weil sich das Baby, von Anfang an an sie gewöhnt, von ihr auch problemlos versorgen lassen würde, wenn Sie das mal wirklich brauchen. Andere „Wochenend-Omas stürzen in tiefe Verzweiflung, weil die Säuglinge bei ihnen pausenlos weinen und sich kaum beruhigen lassen. Gut finde ich auch, dass Ihre Schwiegermutter keinen Hehl daraus macht, sich ihre verborgenen Wünsche erfüllen zu wollen. Andere kleiden das in die Formel: „Ich tue alles nur um zu helfen“, - damit ist extrem schwierig umzugehen.

Aber: Das Kind des Kindes ist nun mal nicht die zweite Chance für eine Frau, eine versäumte Babyzeit nachzuholen. Als Oma hat man eine andere Rolle. Ihre Schwiegermutter wird sehen, dass es eine mit vielen Vorzügen ist. Und einem großen Zwiespalt: man soll (und möchte) einerseits möglichst jederzeit zur Stelle sein, wenn man gebraucht wird. Sich andererseits aber danach wieder diskret zurückziehen. Damit umzugehen braucht eine ganze Menge menschlicher Reife, Einfühlungsvermögen und Takt.

Setzen Sie also rechtzeitig Grenzen. Machen Sie Ihrer Schwiegermutter verständlich, wie Sie die Zeit mit dem Baby gestalten wollen und wo sie sich wirklich einschalten könnte. Dass sich Ihr Mann jetzt vor der Entbindung noch nicht einmischt, finde ich OK. Die meisten Männer entscheiden erst, wenn wirklich was entschieden werden muss. Es ist schon mal gut, ihn auf Ihrer Seite zu wissen. Sie haben ihn also als Joker in der Hinterhand.

Ein entspannter Umgang mit dem neuen kleinen Familienmitglied klappt letzten Endes am besten, wenn zwischen den „alten“ alles im grünen Bereich ist. Emotionale Erpressung, insbesondere jemanden durch Schuldgefühle gefügig machen zu wollen, ist echter Sprengstoff. Ihre sonst ja wohl sehr nette Schwiegermutter hat das doch gar nicht nötig. Sie ist nur in ihrer Begeisterung ein bisschen zu weit vorgeprescht. Sehen Sie es nicht allzu verbissen und sagen sie ihr zu, dass sie ihren Teil Enkelkind mit Sicherheit bekommen wird – in einer Form, die sie finden werden, wenn sie sehen, wie es sich mit Kind lebt.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 23. Juni 2008. (1425 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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